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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mosersche Bilder; Moses

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Mosersche Bilder - Moses.

männisches Geschick, und zugleich eignete er sich damals eine gründliche Kenntnis der englischen Institutionen und des britischen Volkscharakters an. Als 1761 die Regierung des Bistums Osnabrück an den Prinzen Friedrich, den minderjährigen Sohn des Königs Georg III. von England, fiel, war M. von da an (obschon er erst 1768 offiziell zum Geheimen Referendar ernannt wurde) 20 Jahre hindurch die Seele der gesamten Landesverwaltung. Seine einflußreiche Thätigkeit hatte mit ungemeinen, in den eigentümlichen Verhältnissen von Osnabrück begründeten Schwierigkeiten zu kämpfen. In dem kleinen Ländchen, wo sich mehr als irgend anderswo Reste altgermanischen Lebens in Verfassung und Volkssitte erhalten hatten, fand sich ein seltsames Gemisch von Freiheiten und Einschränkungen des öffentlichen Wesens, und gerade die Eigentümlichkeit dieser Zustände war es, welche Mösers politische Einsicht zu einer Höhe gelangen ließ, auf der er geradezu alle seine deutschen Zeitgenossen überragte. Er starb 8. Jan. 1794. M. war eine Persönlichkeit von kerngesundem Schlag, stark und groß von Gestalt, humoristisch und voll festen Ernstes, treuherzig und Vertrauen weckend, ein deutscher Mann im besten Sinn des Wortes. Als Schriftsteller nimmt er im Fach der Publizistik und Geschichtschreibung eine hervorragende Stellung ein. Er begründete 1766 die "Wöchentlichen Osnabrückischen Intelligenzblätter", welche von ihm bis Mitte 1782 geleitet, bis 1792 mit Beiträgen ausgestattet wurden. Aus den für diese Zeitschrift verfaßten Abhandlungen stellte er 1774 eine Auswahl unter dem Gesamttitel: "Patriotische Phantasien" (4. Aufl., hrsg. von seiner Tochter J. ^[Johanne/Jenny Wilhelmine Juliane] v. Voigt, Berl. 1820, 4 Bde.; neue Ausgabe mit Einleitung und Anmerkungen von R. Zöllner, Leipz. 1871, 2 Bde.) zusammen. Diese Aufsätze sind in ihrer Mehrheit unvergleichliche Muster populärer Behandlung der verschiedenartigsten Gegenstände, kleine Meisterwerke voll klarer Gedankenfülle, humoristischer Laune, psychologischen Tiefblicks, politischer und volkswirtschaftlicher Weisheit, gründlichen Wissens und sittlichen Ernstes. Zugleich bekunden die kleinen Abhandlungen ein entschieden künstlerisches Talent ihres Verfassers, wie denn M. auch durch seine gegen Gottsched gerichtete Abhandlung "Harlekin, oder Verteidigung des Grotesk-Komischen" in dem Aufsatz "Über die deutsche Sprache und Litteratur" sehr helle ästhetische Einsichten an den Tag legt. Am bewundernswürdigsten erscheint er jedoch in der Klarheit und dem divinatorischen Tief- und Scharfblick seiner volkswirtschaftlichen und politischen Überzeugungen. Der Einfluß, den er als gelehrter und zugleich echt populärer Schriftsteller geübt hat, war außerordentlich und wirkt noch jetzt nach. Nicht geringere Bedeutung als der Publizist hat der Historiker M. Mitten in den Stürmen des Siebenjährigen Kriegs und seinen mühseligen Geschäften entwarf er seine ausgezeichnete "Osnabrückische Geschichte" (Osnabr. 1768, 2 Bde.; 2. umgearb. Aufl., Berl. 1780; 3. Aufl. 1819). Auch als Dichter hat sich M. versucht, doch zeigt er in seinem Trauerspiel "Arminius" (Hannov. 1749) sich noch gänzlich in der Enge Gottschedscher Ästhetik befangen. Die sämtlichen Werke Mösers gab Abeken in 10 Bänden (Berl. 1842-44, neue Ausg. 1858) heraus. Vgl. Nicolai, Leben Justus Mösers (Berl. 1797, neue Ausg. als 10. Bd. von Mösers "Werken"); Kreyssig, Justus M. (das. 1857). Am 12. Sept. 1836 wurde ein Denkmal Mösers (von Drake) in seiner Vaterstadt aufgestellt.

2) Albert, lyrischer Dichter, geb. 7. Mai 1835 zu Göttingen, studierte daselbst klassische Philologie und ward dann Lehrer der alten Sprachen an der Krauseschen Lehr- und Erziehungsanstalt zu Dresden, in welcher Stellung er sich noch zur Zeit befindet. Mit seinen "Gedichten" (Leipz. 1864, 2. Aufl. 1869) erwarb er sich rasch einen Ruf als Vertreter reiner Form im Platenschen Sinn, während der Inhalt derselben nur in der elegischen Stimmung eine gewisse Eigentümlichkeit zeigte. Auch in seinen "Neuen Sonetten" (Leipz. 1866), in der Gedichtsammlung "Nacht und Sterne" (Halle 1872), den "Idyllen" (das. 1875) und den neuen Gedichten: "Schauen und Schaffen" (Stuttg. 1881), interessierte vorzugsweise die schöne Form. Er schrieb noch: "Das Dresdener Hoftheater 1862-1869" (Dresd. 1869) und "Totenopfer. Gneisenaus Enkel, dem Grafen L. von Hohenthal" (das. 1870).

Mosersche Bilder, s. Taubilder.

Moses (in der Bibel als "aus dem Wasser gezogen" gedeutet, anklingend an das ägyptische mesu, "Kind"), der Befreier der Israeliten aus Ägypten und ihr Gesetzgeber, der Sohn Amrams und der Jochebed aus dem Stamm Levi, geboren um 1600 v. Chr. in Ägypten zu einer Zeit, wo der Druck der Pharaonen schwer auf seinem Volk lastete. Herkunft und Bedeutung seines Namens sind bis zur Stunde noch nicht sicher ermittelt. Jedenfalls nahm er teil an der ägyptischen Bildung; aber zum Religionsstifter ist er erst auf der Halbinsel des Sinai ausgereift, wo er Zipora, die Tochter des Hirtenfürsten von Midian, Jethro, heiratete. Ohne Zweifel ist es sein Werk, daß das Volk Israel, welches in Ägypten den hier üblichen Gottesdiensten zufiel, der weltgeschichtliche Träger des einheitlichen Gottesgedankens geworden ist. Bereits 80 Jahre alt, begab er sich nach Ägypten, wo er allmählich als Gesandter und Prophet des Einen Gottes bei seinem Volk Anerkennung fand. Seine That war es, wenn nunmehr dieses Volk sich zum Auszug aus Ägypten entschloß. Zunächst führte es M. wieder zum Berg Sinai, wo die feierliche Kundgebung des Gesetzes (d. h. zunächst des Dekalogs) und die Bundesstiftung, vielleicht auch bereits die Errichtung der Stiftshütte stattfand. Erst nach Jahresfrist brach er vom Sinai auf. Schon hatte der Zug der Israeliten die Grenzen des verheißenen Landes erreicht, als sich M. teils durch neue Gärungen und neuen Unglauben des Volkes, teils aber auch durch den erfolgreichen Widerstand der Edomiter und Moabiter genötigt sah, das Volk in die Wüste zurückzuführen. 40 Jahre eines mühseligen Umherziehens in derselben, während welcher alle, die im Mannesalter aus Ägypten gezogen waren, starben, machten das Volk kriegstüchtig. Dann näherte er sich zum zweitenmal dem Lande der Verheißung, welches er aber persönlich nicht mehr betreten sollte. Er starb auf dem Berg Nebo in Peräa jenseit des Jordans, von dem aus er das Gelobte Land überschaute, nach biblischem Bericht 120 Jahre alt. Die Vorstellung von dem gehörnten Haupt M.', mit dem ihn die Maler abbildeten, beruht auf einer falschen Übersetzung der Vulgata von der Stelle 2. Mos. 34, 29, wo die hebräischen Worte bloß bedeuten: sein Antlitz leuchtete. Als M. nämlich vom Sinai zurückkam, hatte er ein so glänzendes Angesicht, daß niemand es ansehen konnte; daher trug er jederzeit ein Tuch über seinem Haupte (Decke M.'). Über die ihm zugeschriebenen mosaischen Bücher s. Pentateuch; über seine Gesetzgebung s. Judentum. Vgl. Lauth, M. der Ebräer (Münch. 1869); Derselbe, Moses Hosarsyphos (1879); Schöbel, Le Moïse historique et la rédaction mosaïque du Pentateuque (Par. 1875); Baum, M., sein Leben, Streben und Wirken (2. Aufl.,