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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Most; Mostaganem; Mostar; Mostjöcken; Möstlin; Mostpalme; Mostrich; Mostwage; Mosul; Mosyr; Moszkowski; Mota del Cuérvo; Motacilla

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Most - Mota del Cuervo.

durch besondere Güte und Süße auszeichnet; den Preßmost, der durch Pressen der Trauben gewonnen wird, und den durch nochmaliges starkes Pressen aus den mit Wasser übergossenen Trestern gewonnenen Saft (Lauer, Leirer, Nachwein, franz. piquette oder piqueton). Durch die schnell eintretende Gärung verwandelt sich der M. in Wein; er wird nach der ersten, stürmischen Gärung trübe und milchig (Federweiß, vin trouble) und erst nach der zweiten Gärung, bei welcher starke Kohlensäureentwickelung eintritt, wieder einigermaßen klar (Sauser, Suser, Stürmer, Rauscher, Bitzler). M. dient auch zur Mostrichfabrikation und zur Bereitung von Mostsirup (Traubensirup), im Orient wird aus dem M. unreifer Trauben der saure Schiré (Vert-jus) gewonnen, der als Zusatz zu Scherbetten etc. dient. In Süddeutschland und der Schweiz versteht man unter M. den Obstwein, namentlich Apfelwein.

Most, Johann Joseph, Sozialdemokrat, geb. 5. Febr. 1846 zu Augsburg, erlernte die Buchbinderei, durchzog 1863-68 als Handwerksbursche Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz, widmete sich sodann der sozialistischen Schriftstellerei und redigierte längere Zeit die "Freie Presse" in Berlin. Als Mitglied der sozialdemokratischen Partei liebte es M. namentlich, die Wirkung seiner nicht unbedeutenden Volksberedsamkeit durch cynische Verhöhnung der Religion, Moral und Vaterlandsliebe zu verschärfen und dadurch bei der halbwüchsigen, ungebildeten Arbeiterjugend, auch den Frauen, einen höchst verderblichen Einfluß auszuüben. Zahlreiche Gefängnisstrafen (4½ Jahre) steigerten nur seinen agitatorischen Eifer. 1874-78 Mitglied des deutschen Reichstags, ward er 1878 nicht wieder gewählt und auf Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesen. Er begab sich nach London und begründete hier eine neue sozialistische Zeitung, "Die Freiheit", in welcher er so maßlose Ansichten in so cynisch-frecher Form verfocht, daß selbst die deutschen Sozialdemokraten ihn verleugneten. Wegen eines solchen Artikels über die Ermordung Alexanders II. von Rußland ward er im Juni 1881 von den englischen Gerichten zu 1½jähriger Zwangsarbeit verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis begab er sich nach New York, wo er die "Freiheit" weiter herausgab, 1886 und wiederum 1887 aber wegen Aufreizung zu gewaltsamer Empörung zu Kerkerstrafen verurteilt wurde. Unter seinen Schriften befinden sich das "Proletarierliederbuch" und eine gegen Mommsen gerichtete Schrift über römische Geschichte.

Mostaganem, Stadt in Algerien, Provinz Oran, 1 km vom Mittelländischen Meer, mit unsicherer Reede, in die ein wasserreicher Bach mündet, der 11 Mühlen treibt, und (1881) 13,420 Einw., wovon 5550 Europäer. Die Industrie der Stadt beschränkt sich auf Mahlmühlen, Töpferei und Gerberei; der Handel vertreibt Getreide, Wolle, Felle, Feigen, Rosinen. 1883 verkehrten hier 458 Schiffe von 198,196 Ton. M. zählte im 16. Jahrh. 40,000 Einw., verfiel zwar später, hat sich aber seit der französischen Herrschaft (1833) wieder gehoben.

Mostar, Stadt in Bosnien, ehemalige Hauptstadt der Herzegowina, jetzt des Kreises M., Station der Staatsbahnlinie M.-Metković, ist die freundlichste Stadt der Herzegowina und liegt malerisch längs der Felsabhänge des Podvolez und Ham an der Narenta, über die eine imposante alte Steinbrücke mit einem einzigen Bogen von 19 m innerer Höhe und die neue Franz Joseph-Brücke führen. M. ist aus Stein gebaut, hat 42 Moscheen, eine griechische und eine kath. Kirche, ein altes Schloß, (1885) 12,655 Einw. (darunter über 6000 Mohammedaner), mehrere katholische und orthodoxe Schulen, eine Militärschule, ein Kloster der Barmherzigen Schwestern, sehr lebhaften Handel, Waffenfabriken und eine Tabaksfabrik und ist der Sitz eines katholischen und eines griechisch-orient. Bischofs, eines Militär-Platzkommandos und Kreisgerichts.

Mostjöcken, s. v. w. Preißelbeeren.

Möstlin, Michael, s. Mästlin.

Mostpalme, s. Oenocarpus.

Mostrich (Möstrich), s. Senf.

Mostwage, ein Aräometer zur Bestimmung des spezifischen Gewichts des Mostes.

Mosul (Mossul), Hauptstadt eines Liwa im asiatisch-türk. Wilajet Bagdad, am rechten Ufer des Tigris, ist mit halb zerfallenen Mauern umgeben, hat enge und meist ungepflasterte Straßen, einige Bazare, zahlreiche Kaffeehäuser und Bäder, mehr als 20 Moscheen und einige Kirchen der Nestorianer, Jakobiten und andrer christlicher Sekten. Im nördlichen Teil der Stadt befinden sich die Friedhöfe und Grabmäler verschiedener Heiligen. Die Bevölkerung, zwischen 30-70,000 angegeben, ist eine sehr gemischte (Türken, Araber, Kurden, Chaldäer etc.). M. ist Sitz eines türkischen Paschas und hat eine ständige militärische Besatzung. Der früher bedeutende Handel ist in neuerer Zeit stark in Verfall geraten; doch hat es noch immer einen beträchtlichen Transithandel zwischen Bagdad, Syrien, Konstantinopel und ins Innere von Kurdistan. Musselin, der hier früher gefertigt wurde und der von M. seinen Namen hat, bildet jetzt nur noch einen schwachen Teil seiner Industrie; mehr werden gewöhnliche blau gefärbte Baumwollstoffe, Shawls für Turbane und Droguen fabriziert. Eine Schiffbrücke verbindet M. mit dem östlichen Ufer des Tigris, wo das alte Ninive (s. d.) gestanden. Hoch über dem Tigris liegt die in leidlichem Zustand befindliche Festung.

Mosyr, Kreisstadt im russ. Gouvernement Minsk, am Pripet und der Eisenbahn Shabinka-Homel, mit 3 griechisch-katholischen und einer römisch-kath. Kirche und (1883) 9771 Einw.; hatte viel von den Überfällen der Tataren zu leiden und wurde 1609 und zuletzt 1864 durch große Brände heimgesucht.

Moszkowski, Moritz, Klavierspieler und Komponist, geb. 23. Aug. 1854 zu Breslau, erhielt seine Ausbildung am Dresdener und Berliner (Sternschen) Konservatorium, namentlich aber von 1870 an durch Kullak und Wüerst und konnte bereits 1873 mit einem eignen erfolgreichen Konzert in Berlin seine Künstlerlaufbahn beginnen. Seitdem hat er sich nicht nur in der genannten Stadt, sondern auch in andern Orten Deutschlands, Frankreichs, Rußlands etc. als Virtuose wie als Komponist einen geachteten Namen erworben. Von Moszkowskis Kompositionen haben besonders die für Klavier zu vier Händen weite Verbreitung gefunden; demnächst sind zu erwähnen die in vielen Städten mit Beifall aufgeführte symphonische Dichtung "Jeanne d'Arc", drei Konzertetüden für Klavier, zwei Konzertstücke für Violine, spanische Tänze, Lieder etc. - Sein Bruder Alexander, geb. 1851 zu Pilica in Polen, lebt als Musikreferent des "Deutschen Montagsblattes" und Mitredakteur der "Berliner Wespen" in Berlin.

Motacilla, Bachstelze; Motacillidae (Bachstelzen), Familie der Sperlingsvögel (s. d.).

Mota del Cuérvo, Flecken in der span. Provinz Cuenca, mit (1878) 3173 Einw. und Thonwarenfabrikation; bekannt durch Don Quichottes Abenteuer mit den Windmühlen.