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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mückenfangen - Müfettisch.

Blut. Die Larven und Puppen leben im Wasser unter tütenartigen Gehäusen. Hierher gehören manche Moskitos und die Golubatzer (fälschlich oft Kolumbaczer) Mücke (S. colombaschensis Fab., s. Tafel "Zweiflügler"), welche in Ungarn die Viehherden überfällt und oft die kräftigsten Tiere dergestalt plagt, daß sich dieselben in wahrer Tollwut zu Tod hetzen. Die Mücke ist 4 mm lang, schwärzlich, überall weißlich bestäubt und dicht messinggelb behaart. Der Hinterleib ist weißgelb, oben bräunlich, die Flügel sind glashell. Sie erscheinen im April und Mai und im August und brechen gleich Nebelwolken aus Höhlen hervor, in welche sie bei Unwetter flüchten. Über die Gallmücken s. d.

Mückenfangen, s. Flockenlesen.

Mückenkopf, Augenkrankheit, s. Myiocephalon.

Mückensehen (Flecken- oder Nebelsehen, franz. Mouches volantes), s. Gesichtstäuschungen.

Mucker, allgemeiner Spottname für die Anhänger einer ungesunden und exklusiven Frömmigkeit. Der Name ist vielleicht schon ältern Ursprungs, ward aber jedenfalls erst populär, seitdem er in Königsberg den Anhängern Joh. Heinrich Schönherrs beigelegt worden war. S. Ebel 2). Vgl. Schnaase, Offener Brief an Herrn Blech (Danzig 1882).

Mucor Mich. (Kopfschimmel), Pilzgattung aus der Familie der Mukorineen in der Ordnung der Zygomyceten, mit meist einzelligem, verzweigtem, fadenförmigem Mycelium und einfachen Fruchthyphen, die an ihrer Spitze eine kugelförmige Zelle als Sporangium tragen, in dessen Innerm aus dem Protoplasma zahlreiche runde, einfache Sporen gebildet werden, welche bei der Reife nach Durchreißung der Sporangiumhaut verstäuben. Außerdem kommt allen Arten von M. geschlechtliche Zeugung durch Kopulation unter Bildung großer, dunkel gefärbter Zygosporen zu (vgl. Pilze). Die Arten sind alle Fäulnisbewohner und gehören zu den gemeinsten Schimmelpilzen (s. d.) auf allerlei verderbenden organischen Substanzen. Am häufigsten ist M. Mucedo L. besonders auf Exkrementen und Speiseresten. Die keimenden Sporen sowie das Mycelium von M. racemosus Fresen. treiben in Flüssigkeiten, welche sich bei Zunahme der Vegetation mit Kohlensäure sättigen, also auch beim Versetzen in gärungsfähige Flüssigkeiten, anstatt Fruchthyphen zu erzeugen, hefenähnliche Sprossungen (sogen. Kugel-, Glieder-, Mucorhefe oder Gemmen). Wegen ihrer starken Anziehung zum Sauerstoff bewirken die Mycelien leicht Sauerstoffmangel im Medium, unter welchen Umständen M. ebenso wie echte Hefe vorhandenen Zucker in Kohlensäure und Alkohol zersetzt.

Mucuja, Baum, s. Acrocomia.

Mucūna Adans. (Juckbohne), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, schlingende Kräuter und Sträucher mit dreizählig gefiederten Blättern, ansehnlichen, meist in büschelig zusammengesetzten Trauben stehenden Blüten und dicker, gerippter oder faltiger, meist mit Brennhaaren besetzter Hülse. 22 tropische Arten. M. pruriens Dec. (Kratzbohne, Kuhkrätze) ist ein Strauch in Ost- und Westindien, mit unterseits rauhhaarigen Blättern und rötlichvioletten Blüten in 30-50 cm langen Trauben. Die 5-10 cm langen, 1-1,5 cm breiten, vier- bis sechssamigen Hülsen kommen als Siliquae hirsutae, Fructus Stizolobii noch bisweilen im Handel vor. Die stehenden, leicht abspringenden und in die Haut eindringenden Brennborsten derselben werden in Westindien als wurmtreibendes Mittel benutzt. Auf der Haut bringen sie ein unerträgliches Jucken hervor.

Mucury, Fluß in Brasilien, entspringt in der Provinz Minas Geraës und fließt überwiegend gegen O. durch die Provinz Espiritu Santo, bis er bei São José do Porto Alegre in den Atlantischen Ozean mündet. Er wird von Dampfern befahren. Südlich von ihm wurden 1851 auf dem Lande des Staatsrats Theophilo Ottoni deutsche Kolonien gegründet, die trotz des gesunden Klimas und des fruchtbaren Bodens erst in jüngster Zeit sich aus sehr traurigem Zustand emporgearbeitet haben. Die Kolonisten bauen meist Kaffee und Lebensmittel. Eine Eisenbahn von Caravellas an der Küste nach Philadelphia, dem Hauptort der Kolonie, ist im Bau.

Mucus (lat.), s. Schleim.

Mud (Muid), in Holland = 1,113 hl, jetzt = 1 hl, ebenso im Kapland beim Großhandel, in Marokko (s. Almuda) = 14,387 Lit.

Mud (engl., spr. mödd, "Schlamm"), aus abgestorbener Pflanzensubstanz entstandene Ablagerungen im Meer, namentlich an der Mündung der Flüsse. Mudlumps, die kleinen Schlammrücken, welche sich durch Zersetzung des angeschwemmten und mit Schlamm überdeckten pflanzlichen Detritus an der Mündung des Mississippi bilden.

Mudanja (im Altertum Myrleia), Stadt im türk. Wilajet Chodawendikjâr in Kleinasien, am gleichnamigen Golf des Marmarameers, hat einen kleinen Hafen, über den Brussa seinen Handel mit Konstantinopel treibt, und 5000 meist griech. Einwohner; Sitz eines Kaimakams.

Mudar, Strauch, s. Calotropis.

Mudela, Gangeskrokodil, s. Gaviale.

Muderri (arab.), an den mohammedanischen Hochschulen (Medressen) Titel der Professoren.

Mudîr (arab.), türk. Beamter, der Vorsteher eines Kantons (Nahije), von dem die Muchtars (Ortsvorsteher, Dorfschulzen) ressortieren, und der selber unter dem Kaimakam (Landrat) steht. In Ägypten nennt man M. die Gouverneure der Provinzen (Mudiriehs), welche die administrative, finanzielle und polizeiliche Verwaltung derselben leiten; eine ihrer wichtigsten Obliegenheiten ist die Eintreibung der Steuern.

Mudirieh (Mudîrîye), administrative Bezeichnung für die Provinzen, in welche Ägypten neuerdings eingeteilt wurde.

Mudschuinseln (Woodlarkinseln), Gruppe an der Ostspitze von Neuguinea, besteht aus der 1087 qkm (19,8 QM.) großen Woodlarkinsel, der Juveney-, Tokun- und Laughlan- oder Nadelinsel, mit einem Areal von 1247 qkm (22,7 QM.). Die Inseln sind von Korallenriffen umgeben, haben niedrige Berge, eine üppige Vegetation, sind aber sehr ungesund und werden von wilden Melanesiern bewohnt, welche katholische Missionäre vergebens zu bekehren versucht haben.

Muēla de San Juan, Berggipfel von 1610 m Höhe in der Sierra de Albarracin, einem Gebirgszug im Iberischen Gebirge (s. d.) in Spanien; auf ihm entspringen der Tajo und der Guadalaviar.

Muezzin (türk.), Titel der zur Korporation der Ulemas gehörigen Gebetausrufer, welche von der Galerie der Minarets die Gläubigen fünfmal täglich zum Gebet (Ezan) aufrufen. Ihr Ahnherr ist Belal, der Gebetausrufer des Propheten. Trotz ihrer Zugehörigkeit zu den Ulemas unterscheiden sie sich in nichts von andern Moslems, legen kein Gelübde ab, leisten keinen Schwur und treten nach Belieben in ein andres Amt oder zu einem Handwerk über.

Müfettisch (arab.), Titel der türk. Regierungsbeamten, welche in letzter Instanz über alle den Wa-^[folgende Seite]