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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Muell.; Mulier tacĕat in ecclesia; Mull; Mulla; Müllen; Müllenhoff; Muller; Müller

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Mulier taceat in ecclesia - Müller.

Einwohner. An industriellen Anlagen bestehen: ein großes Eisenwerk (Friedrich Wilhelms-Hütte) mit Hochofenbetrieb, Eisengießerei und Maschinenfabrikation; ferner Dampfschleiferei, Draht- und Hanfseil-, Feuerspritzen-, Droguen-, Tabaks-, Seifen-, Margarinbutter-, Kunstwoll-, Kattun-, Leder-, Nägel-, Seilerwaren- und Nähmaschinenfabrikation, Schiffbau, mechanische Weberei, Woll- und Baumwollspinnerei, Bergbau auf Steinkohlen, bedeutender Kohlenhandel und Schiffahrt. In M. befinden sich ein Amtsgericht, eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle, ein Gymnasium mit Realprogymnasium, ein evangelisches und ein kath. Waisenhaus. M. gehörte früher zum Herzogtum Berg. Der Stadt gegenüber liegt das Dorf Broich (s. d.).

Mulier tacĕat in ecclesia (lat.), "das Weib soll in der Kirche schweigen" (nach 1. Kor. 14, 34).

Mull, klarer, feiner, weißer und weicher Musselin zu Frauenkleidern, Kragen etc., ursprünglich ostindisches Fabrikat, wird jetzt in Europa überall dargestellt, wo man feine Baumwollware erzeugt.

Mull, s. v. w. Maulwurf.

Mull (spr. möll), nächst Skye die größte der innern Hebriden, vom festländischen Teil der Grafschaft Argyll durch einen 3 km breiten Meeresarm geschieden, ist 909 qkm (16,5 QM.) groß und steigt im Ben More bis zu 966 m an. Basalt und Granit bedecken fast die ganze Insel. Nur etwa 6 Proz. der Oberfläche bestehen aus Ackerland, und die Einwohner (5229 an der Zahl) beschäftigen sich vorwiegend mit Schafzucht und Fischfang. Hauptort ist Tobermory.

Muell., bei botan. Namen Abkürzung für Ferd. v. Müller, Karl Müller und Hermann Müller (s. Müller 16,13, 17).

Mulla (arab.), s. Molla.

Müllen, s. Vitex.

Müllenhoff, Karl Viktor, Germanist, geb. 8. Sept. 1818 zu Marne (Süderdithmarschen), studierte in Kiel, Leipzig und Berlin, ward 1846 außerordentlicher und 1854 ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Altertumskunde in Kiel und ging 1858 in gleicher Stellung nach Berlin, wo er 1864 Mitglied der Akademie wurde und 19. Febr. 1884 starb. Neben einer Anzahl schätzbarer Untersuchungen über verschiedene Gegenstände der altdeutschen Philologie und Altertumskunde (z. B. "De antiquorum Germanorum poesi chorica", Kiel 1847) und Beiträgen zur alten Geographie in Zeitschriften veröffentlichte er: "Kudrun" (Kiel 1845), eine kritische Arbeit; "Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg" (das. 1845); "Zur Runenlehre" (mit Liliencron, Halle 1852); "Über den Bau der Elegien des Properz" (1854) und die Untersuchung "Zur Geschichte der Nibelunge Not" (Braunschw. 1855). Später folgten: "De carmine Wessofontano" (Berl. 1861); "Altdeutsche Sprachproben" (4. Aufl., das. 1885); "Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jahrhundert" (in Gemeinschaft mit Scherer, 2. Aufl., das. 1873); "Über den Schwerttanz" (das. 1871) und "Germania antiqua", eine Stellensammlung zur Erläuterung der "Germania" des Tacitus (das. 1873). Sein Hauptwerk ist die "Deutsche Altertumskunde", von welcher Bd. 1 (Berl. 1870), Bd. 2 (das. 1887) und die erste Abteilung von Bd. 5 (das. 1883) vorliegen. Unter seiner Leitung erschien auch "Das deutsche Heldenbuch" (Berl. 1866-70, 5 Bde.), für das er selbst den "Laurin" (besonders gedruckt, das. 1874) bearbeitete.

Muller (spr. müller), Peter Ludwig, holländ. Historiker, geb. 9. Nov. 1842 zu Koog in Nordholland als Sohn eines Mennonitenpredigers, studierte von 1861-67 in Leiden Philologie und Geschichte, promovierte 1867 daselbst mit einer Dissertation über die "Geschiedenis der regering in de nader geunieerde provincien 1579-85" (Leiden 1868), arbeitete dann 1½ Jahr in den Archiven zu Brüssel, Berlin, Dresden und Wien, ward 1869 Lehrer am Gymnasium in Leiden, 1874 Beamter am Reichsarchiv im Haag, 1878 Professor der Geschichte in Groningen und 1883 in Leiden. Er schrieb: "Hugo Grotius als latijnsch dichter beschouwd" (Haarl. 1867); "Nederlands eerste betrekkingen met Oostenrijk" (Amsterd. 1870); "De staat der Vereenigde Nederlanden in de jaren zyner wording 1572-94" (Haarl. 1872); "Wilhelm von Oranien und Georg Friedrich von Waldeck" (Haag 1873-80, 2 Bde.); "De Unie van Utrecht" (Utrecht 1878); "Regesta Hannonensia" (Haag 1882) und zahlreiche Abhandlungen über niederländische Geschichte in Zeitschriften.

Müller, Käfer, s. Mehlkäfer.

Müller, 1) Johann, berühmter Mathematiker und Astronom, s. Regiomontanus.

Geschichtschreiber, Theologen, Philologen.

2) Johannes von, berühmter deutscher Historiker, geb. 3. Jan. 1752 zu Schaffhausen, wo sein Vater das Amt eines Diakonus und Konrektors bekleidete, bezog 1769 die Universität Göttingen, um Theologie zu studieren, widmete sich aber dort, vorzüglich unter Schlözers Anleitung, hauptsächlich historischen Studien. Im Herbst 1771 nach Hause zurückgekehrt, absolvierte er sein theologisches Examen und wurde bald darauf als Professor der griechischen Sprache an dem Collegium humanitatis seiner Vaterstadt angestellt. Damals erschien seine Erstlingsarbeit: "Bellum Cimbricum" (Zürich 1772; deutsch von Dippold, 1810). 1774 nahm er eine Hauslehrerstelle bei dem Staatsrat Tronchin-Calandrini in Genf an, wo er auch nach dem Aufhören dieser Stellung verweilte und 1778 und 1779 öffentliche Vorlesungen über Universalgeschichte hielt, die, in französischer Sprache niedergeschrieben, die erste Grundlage zu dem erst nach Müllers Tod herausgekommenen Werk "Vierundzwanzig Bücher allgemeiner Geschichten, besonders der europäischen Menschheit" (Tübing. 1810, 3 Bde., u. öfter; neue Ausg. 1852) bildeten. Nachdem er 1780 die Herausgabe des ersten Buches seiner "Geschichten der Schweizer" besorgt hatte (es erschien in Bern, trug aber aus Zensurrücksichten auf dem Titel als Verlagsort Boston), reiste er im Herbst nach Berlin. Hier wurde ihm zwar die Ehre einer Unterredung mit Friedrich d. Gr., welchem er seine in Berlin herausgegebenen "Essais historiques" übersandt hatte, aber nicht die gehoffte Anstellung im preußischen Staatsdienst zu teil; dagegen erhielt er eine Professur der Geschichte am Carolinum in Kassel, dann mit dem Ratstitel eine Bibliothekarstelle. Hier schrieb er, angeregt durch Josephs II. Reformen, das Buch "Reisen der Päpste" (o. O. 1782; neu hrsg. von Kloth, Aach. 1831), in welchem die Hierarchie als Schutzwehr der Völker gegen fürstliche Gewaltherrschaft dargestellt ist, daher es für M. Beifall in Rom und dem katholischen Deutschland, aber harte Anfechtungen von protestantischer Seite zur Folge hatte. 1783 kehrte er nach der Schweiz zurück und folgte 1786 einem Ruf als Bibliothekar des Kurfürsten von Mainz. 1786 erschien der 1. Teil von seiner "Schweizergeschichte" in neuer Bearbeitung ("Die Geschichte schweizerischer Eidgenossenschaft" Leipz. 1786; der 2. und 3. Band folgten 1786-95, der 4. und die 1. Abt. des 5. Bandes 1805-1808; Bd. 1 in verbesser-^[folgende Seite]