Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mundloch; Mundöffnen und -Schließen; Mundraub; Mundschenk; Mundsperre; Mundspiegel; Mundt

882

Mundloch - Mundt.

des Prozeßstoffs dient ferner das vorschriftsmäßige schriftliche Sitzungsprotokoll. Auch muß jedes Urteil schriftlich zu den Akten gebracht werden, und es muß in seinem "Thatbestand" eine gedrängte Darstellung des Sach- und Streitgegenstandes geben. Vgl. außer den Lehrbüchern des Strafprozesses und des Zivilprozesses: Wach, Vorträge über die Reichszivilprozeßordnung (Bonn 1879).

Mundloch, die Öffnung eines bergmännischen Stollens am Tag.

Mundöffnen und -Schließen, die Zeremonie, wodurch Kardinäle, nachdem ihnen der Hut bereits zugeschickt, vor Überreichung des Ringes vom Papst in ihre Amtsstellung eingeführt werden.

Mundraub, die Entwendung von Nahrungs- oder Genußmitteln von unbedeutendem Wert oder in geringer Menge zum alsbaldigen Verbrauch und unmittelbaren Genuß. Ein solcher M., der z. B. dann vorliegt, wenn jemand einen Apfel von dem Baum eines andern bricht und alsbald verzehrt, wird nicht als eigentlicher Diebstahl, sondern nur als eine Übertretung bestraft und zwar nach dem deutschen Strafgesetzbuch (§ 370, Nr. 5) mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bis zu sechs Wochen.

Mundschenk, im Hofdienst der Bedienstete, dem es obliegt, dem Herrn das Getränk zu reichen. An den fürstlichen Höfen ist M. ein oft erbliches Hofamt, dessen Inhaber (Erbmundschenk) bei feierlichen Gelegenheiten dem Herrscher den mit Wein gefüllten Becher überreicht. Der Oberstschenk gehört zu den obersten Hofchargen.

Mundsperre, s. Starrkrampf.

Mundspiegel, chirurg. Instrument, bestimmt, den Mund offen zu erhalten, um in der Tiefe der Mundhöhle oder des Rachens eine Operation vornehmen zu können; wird in den meisten Fällen durch einen zwischen die Zähne gebrachten Korkpfropfen ersetzt. Ein sehr brauchbares Instrument, welches zugleich die Zunge herunterhält, ist von Whitehead konstruiert.

Mundt, 1) Theodor, Schriftsteller des "jungen Deutschland", geb. 29. Sept. 1808 zu Potsdam, studierte Philologie und Philosophie in Berlin, lebte seit 1832 als Mitredakteur der "Blätter für litterarische Unterhaltung" in Leipzig, ging dann auf Reisen und nahm 1839 seinen dauernden Wohnsitz in Berlin, wo er sich auch 1842 habilitierte. 1848 ward er als Professor der allgemeinen Litteraturgeschichte an die Universität zu Breslau versetzt, 1850 aber als Professor und Universitätsbibliothekar nach Berlin zurückberufen, wo er 30. Nov. 1861 starb. Mundts litterarische Laufbahn begann mit Novellen und Kritiken. Zu seinen frühern Produktionen auf diesem Gebiet gehören: "Madelon" (Leipz. 1832), "Das Duett" (Berl. 1832), "Der Basilisk" (Leipz. 1833), "Moderne Lebenswirren" (das. 1834) und "Madonna, Unterhaltungen mit einer Heiligen" (das. 1835), sämtlich echte Proben jener Mischung publizistischer und poetischer Aufgaben, jener Auflösung aller unmittelbaren Darstellung zu gunsten willkürlich subjektiver Reflexion, welche die jungdeutsche Schule erstrebte. Später erschienen die Romane: "Thomas Müntzer" (Altona 1841, 3 Bde.; 3. Aufl. 1860); "Carmela, oder die Wiedertaufe" (Hannov. 1844); "Mendoza" (Berl. 1847, 2 Bde.); "Die Matadore" (Leipz. 1850, 2 Bde.); "Ein deutscher Herzog" (das. 1855); "Graf Mirabeau" (das. 1858; 2. Aufl. 1860, 4 Bde.); "Cagliostro in Petersburg" (Prag 1858); "Robespierre" (Leipz. 1859, 3 Bde.) und "Zar Paul" (das. 1861, 6 Bde.), letztere fünf Werke Memoiren- und Romanform vermischend. Eine Sammlung kleinerer Erzählungen erschien unter dem Titel: "Kleine Romane" (Berl. 1859, 2 Bde.). Bedeutenderes als auf dem Felde der Erzählung leistete M. als Kritiker. Hierher gehören: "Kritische Wälder" (Leipz. 1833); "Kunst der deutschen Prosa" (Berl. 1837, 2. Aufl. 1843); "Geschichte der Litteratur der Gegenwart" (das. 1842; 2. Aufl., Leipz. 1853); "Geschichte der Gesellschaft" (das. 1844, 2. Aufl. 1856); "Ästhetik" (das. 1845, neue Ausg. 1868); "Allgemeine Litteraturgeschichte" (Berl. 1846, 3 Bde.; 2. Aufl. 1848); "Die Götterwelt der alten Völker" (das. 1846, 2. Aufl. 1854); "Dramaturgie" (das. 1847, 2 Bde.); "Staatsberedsamkeit der neuern Völker" (das. 1848) und "Geschichte der deutschen Stände" (das. 1854), Schriften, die zumeist das Resultat seiner akademischen Vorlesungen waren. Die besten Leistungen Mundts sind seine Charakteristiken und Schilderungen. Hier beweist er, trotz vieler ungesunder und paradoxensüchtiger Geistreichigkeit, eine glänzende Gabe der Auffassung, wie namentlich in seiner Schilderung Knebels in der von ihm und Varnhagen v. Ense veranstalteten Herausgabe von Knebels "Litterarischem Nachlaß und Briefwechsel" (Leipz. 1835-36, 3 Bde.), ferner in seinen Monographien über Fürst Pückler, Hippel, Thümmel, G. Sand, Lamennais, Fr. v. Heyden, in seinem der Charlotte Stieglitz gesetzten "Denkmal" (anonym, Berl. 1835), endlich in seinen "Spaziergängen und Weltfahrten" (Altona 1838-40, 3 Bde.), seiner "Völkerschau auf Reisen" (das. 1840), die reich an interessanten Schilderungen aus London, Paris, Südfrankreich, der Schweiz ist, in den "Pariser Kaiserskizzen" (Berl. 1857), denen sich "Paris und Louis Napoleon" (das. 1859, 2 Bde.) anschloß, und in dem Werk "Italienische Zustände" (das. 1859-60, 4 Bde.). In den "Charakteren und Situationen, Novellen und Skizzen" (Wism. 1837, 2 Bde.) stellte er Reiseschilderungen mit Streifzügen durch die neueste Litteratur zusammen. M. gab unter anderm auch Luthers "Politische Schriften" (Leipz. 1844) sowie kleinere Schriften politischen Inhalts heraus.

2) Klara, als Romanschriftstellerin unter dem Namen Luise Mühlbach bekannt, geb. 2. Jan. 1814 zu Neubrandenburg, Tochter des Oberbürgermeisters Müller daselbst, verheiratete sich 1839 mit dem vorigen und entfaltete seitdem eine außerordentliche Fruchtbarkeit in der Romanschriftstellerei, die bis zu ihrem 26. Sept. 1873 in Berlin erfolgten Tod andauerte. In ihren ersten Werken spielen Gift und Dolch, Notzucht und Blutschande die Hauptrolle. Etwas höher stehen ihre zahlreichen geschichtlichen Romane, von denen wir hier nur anführen: "Johann Gotzkowsky" (Berl. 1850, 3 Bde.); "Friedrich d. Gr. und sein Hof" (das. 1853, 4 Abtlgn.; 8. Aufl. 1882); "Historische Charakterbilder" (das. 1856-58, 4 Bde.); "Joseph II. und sein Hof" (das. 1855; 9. Aufl. 1877); "Königin Hortense" (5. Aufl., das. 1860, 2 Bde.); "Erzherzog Johann von Österreich und seine Zeit" (das. 1859-63, 4 Abtlgn.); "Napoleon in Deutschland" (das. 1858, 4 Abtlgn. in 16 Bdn.); "Der Große Kurfürst und seine Zeit" (Jena 1864-66, 3 Abtlgn. in 11 Bdn.); "Deutschland in Sturm und Drang" (das. 1866-67, 4 Abtlgn. in 17 Bdn.); "Kaiserin Claudia, Prinzessin von Tirol" (Leipz. 1867, 3 Bde.); "Marie Antoinette und ihr Sohn" (Jena 1867, 6 Bde.); "Kaiser Alexander und sein Hof" (Berl. 1868, 4 Bde.); "Kaiserburg und Engelsburg" (Jena 1871, 2 Bde.); "Mohammed Ali und sein Haus" (das. 1871, 4 Bde.); "Von Königgrätz bis Chiselhurst" (Stuttg. 1873-75, 6. Bde.) etc., Werke, in denen mancherlei interessante Episoden der historischen und Memoirenlitteratur verwertet sind,