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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Muratōri; Muratorianischer Kanon; Murau; Murawjew

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Muratori - Murawjew.

leon auf den Thron von Neapel und Sizilien zu bringen. Er starb 10. April 1878, seine Gattin 10. Febr. 1879. M. hinterließ 3 Söhne und 2 Töchter: Joseph Joachim, Prinz M., Fürst von Kleve und Berg, geb. 21. Juli 1834, wurde Ordonnanzoffizier Napoleons III., war 1870 Oberst und Brigadier der Kavallerie und ließ sich 16. Aug. bei Vionville von den Deutschen völlig überraschen; er war 1854-84 mit einer Tochter des Fürsten von Wagram vermählt; Achille Napoleon, geb. 2. Jan. 1847, vermählt 1868 mit der Prinzessin Dadiani von Mingrelien; Ludwig Napoleon, geb. 22. Dez. 1851, trat in die kaiserliche Marine ein und war einige Zeit Ordonnanzoffizier des Königs Karl XV. von Schweden; Karoline Lätitia, geb. 31. Dez. 1832, vermählt 1850 mit Herrn v. Chassiron, seit 1871 mit John Garden of Ketisham Hall; Anna, geb. 3. Febr. 1841, vermählt 1865 mit dem Grafen Antoine de Noailles, Herzog von Mouchy, gehörte zu den intimsten Freundinnen der Kaiserin Eugenie. Von den Töchtern des Königs M. war Lätitia Josephina, geb. 1802, mit dem Marquis von Pepoli in Bologna vermählt und starb 12. März 1859; Luise Julie Karoline, geb. 1805, mit dem Grafen Rasponi in Ravenna vermählt, seit 1877 Witwe.

Muratōri, Lodovico Antonio, ital. Gelehrter, geb. 21. Okt. 1672 zu Vignola im Modenesischen, trat 1688 in den geistlichen Stand, ward 1695 zum Konservator der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand ernannt und erwarb sich zuerst durch seine "Anecdota ex Ambrosianae bibliothecae codicibus" (Bd. 1 u. 2, Mail. 1697-98; Bd. 3 u. 4, Padua 1713), denen später die "Anecdota graeca" (das. 1709) folgten, den Ruf eines ausgezeichneten Gelehrten. 1700 wurde er als herzoglicher Bibliothekar und Archivar nach Modena berufen. Seine letzten Lebensjahre wurden ihm durch die Anfeindungen und Verleumdungen seitens der Jesuiten, welche ihn wegen freisinniger Äußerungen über einige Lehrsätze der Kirche der Ketzerei beschuldigten, verbittert, wogegen ihn jedoch Benedikt XIV. in Schutz nahm. Er starb 23. Jan. 1750. Von seinen zahlreichen Schriften philosophischen, theologischen, juristischen, antiquarischen, geschichtlichen und poetischen Inhalts sind außer den oben genannten die namhaftesten: die große Sammlung von Geschichtsquellen: "Rerum italicarum scriptores" (Mail. 1723-51, 29 Bde.; Fortsetzung von Tartini, Flor. 1748-70, und Mitarelli, Vened. 1771); "Antiquitates italicae medii aevi" (Mail. 1738-42, 6 Bde.; Arezzo 1770-80, 17 Bde.); "Annali d'Italia" (Mail. 1744-49, 12 Bde.; neue Ausg., Vened. 1830-36, 66 Bde. mit Fortsetzung; deutsch, Leipz. 1745-50, 9 Bde.); "Della perfetta poesia italiana" (das. 1748, 2 Bde.; neue Aufl., Mail. 1821, 3 Bde.); "Novus thesaurus veterum inscriptionum" (das. 1739-42, 4 Bde.). Seine gesammelten Werke erschienen zu Arezzo 1767 bis 1780 in 36 Bänden und zu Venedig 1790-1810 in 48 Bänden. Seine Biographie gab sein Neffe heraus (Vened. 1756). Vgl. Troya, Studi intorno agli Annali d'Italia del M. (Neapel 1877, 2 Bde.).

Muratorianischer Kanon, ein von L. A. Muratori (s. d.) in Mailand aufgefundenes Verzeichnis neutestamentlicher Schriften, welches, 1740 im dritten Band seiner "Antiquitates italicae" veröffentlicht, um seiner Bedeutung für die Geschichte des Kanons willen Gegenstand von unzähligen Untersuchungen und Bearbeitungen geworden ist; wir nennen aus neuester Zeit bloß Hesse, Hilgenfeld, A. Harnack und Overbeck. Das verstümmelte, in barbarischem Latein abgefaßte anonyme Stück scheint den etwa von einem Zeitgenossen des Irenäus aufgezeichneten Kanon der römischen Kirche zu enthalten. Vgl. Hesse, Das Muratorische Fragment (Gieß. 1873).

Murau, Stadt in Obersteiermark, an der Mur, mit Mauern umgeben, überragt von dem fürstlich Schwarzenbergschen Schloß Ober-M. mit wichtigem Archiv, hat eine schöne gotische Pfarrkirche und eine Friedhofskirche mit guten Gemälden, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts und zählt (1880) 1308 Einw. In M. und Umgebung (zu Turrach) befinden sich große Montanwerke des Fürsten Schwarzenberg, als: ein Steinkohlenbergwerk, Eisenbergbau nebst Hochofen und Bessemerhütte, mehrere Hammerwerke und Marmorbrüche.

Murawjew, alte russ. Bojarenfamilie, die, ursprünglich im Großfürstentum Moskau ansässig, 1488 durch Iwan Wasiljewitsch I. Ländereien im Nowgorodschen erhielt. Namhaft sind:

1) Nikolai Jerofejewitsch, war Kapitän im Geniekorps und gab 1752 das erste Werk über Algebra in russischer Sprache heraus. Er starb als Generalleutnant und Gouverneur von Livland auf einer Reise in Montpellier 1770.

2) Michail Nikititsch, Fürst, geb. 25. Okt. 1757 zu Smolensk, ward 1785 von der Kaiserin Katharina zum Gouverneur der Großfürsten Alexander und Konstantin, 1796 zum Kurator der Universität Moskau, 1800 zum Senator von Rußland, 1801 zum Staatssekretär und 1802 zum Staatsrat im Ministerium der Volksaufklärung ernannt; starb 29. Juli 1807. Seine "Opyty", historischen, moralischen und litterarischen Inhalts, die er in seiner Stellung als Gouverneur geschrieben und die in der russischen Litteratur für klassisch gelten, wurden von Karamsin herausgegeben (Mosk. 1810, 3 Bde.); ein Nachtrag, "Emiliewy pisma", erschien Petersburg 1815.

3) Nikolai Nikolajewitsch, Sohn von M. 1), geb. 1768 zu Riga, studierte in Straßburg und wurde, 1788 nach Rußland zurückgekehrt, Leutnant bei der Ostseeflotte. In der Schlacht bei Rotschensalm gefangen und erst nach dem Frieden von Werelä wieder in Freiheit gesetzt, erhielt er das Kommando des sogen. goldenen Jachtschiffs der Kaiserin Katharina, ging aber 1796 in die Armee über und nahm 1797 als Oberstleutnant seinen Abschied. Er gründete nun auf einem Gut bei Moskau eine Privatlehranstalt für Offiziere des Generalstabs, machte die Feldzüge von 1812 bis 1814 als Oberst und Stabschef des Grafen Tolstoi mit, schloß mit dem französischen General Dumas die Kapitulation von Dresden ab und nahm an der Belagerung von Hamburg teil. Mit dem Rang als Generalmajor kehrte er zu seiner Militärakademie zurück, die 1816 für kaiserlich erklärt wurde, gab aber 1823 die Leitung derselben auf und widmete sich der Landwirtschaft. Er starb 1. Sept. 1840 in Moskau.

4) Alexander, ältester Sohn des vorigen, geb. 1792, ward als Oberst, der Teilnahme an der Verschwörung von 1825 verdächtig, nach Sibirien verbannt, später jedoch von dort zurückberufen. Beim Ausbruch des orientalischen Kriegs von 1853 trat er wieder in aktiven Dienst, ward Generalmajor und 1856 Gouverneur von Nishnij Nowgorod. Mit großem Eifer wirkte er in dieser Stellung für Aufhebung der Leibeigenschaft. Er starb als Generalleutnant und Senator im Januar 1864 in Moskau.

5) Nikolai Nikolajewitsch M. Karskij, Bruder des vorigen, geb. 1794, trat 1810 in die Armee, ward Kapitän im Generalstab, diente im Kaukasus und erhielt 1819 vom General Jermolow eine Sen-^[folgende Seite]