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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Murbach; Mürbraten; Murch.

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Murbach - Murch.

dung nach Chiwa, über welches Land er durch seine "Puteschestwie w'Turkmeniju i Chiwu" (Petersb. 1822) schätzenswerte Aufschlüsse gab. Im persischen Krieg avancierte er zum Generalmajor, focht mit Auszeichnung 1828 bei Kars und Achalzych, 1829 bei Kalila und Milli Djus und erhielt 1830 im polnischen Feldzug das Kommando der litauischen Grenadierbrigade, mit welcher er den Sieg bei Kasimiersh entschied. Hierauf zum Generalleutnant befördert, befehligte er 6. und 7. Sept. 1831 beim Sturm auf Warschau den rechten Flügel und erstürmte die Verschanzungen von Rakoviec. Ende 1832 ging er als außerordentlicher Bevollmächtigter Rußlands nach Ägypten, um Mehemed Ali zum Einstellen der Feindseligkeiten zu bewegen, kommandierte dann die am Bosporus gelandeten russischen Truppen und ward 1835 Befehlshaber des 5. Infanteriekorps. Seit 1838 verabschiedet, trat er erst 1848 wieder in Dienst und ward Mitglied des Militärkonseils, im Dezember Chef des Grenadierkorps und 1855 an die Spitze der kaukasischen Armee gestellt, mit welcher er Kars nach mehr als halbjähriger ruhmreicher Belagerung (Anfang Juni bis Ende November) eroberte. Dieser Erfolg gestattete Rußland, trotz des Verlustes von Sebastopol den Frieden anzunehmen. M. ward hierauf in den Fürstenstand erhoben und zum Generaladjutanten des Kaisers und Mitglied des Reichsrats ernannt, war auch Mitglied der Kommission, welche die Mißbräuche während des Krimkriegs untersuchen sollte, lebte aber die nächsten Jahre teils zurückgezogen in Rußland, teils auf Reisen im südlichen Europa. Er starb 4. Nov. 1866 in Petersburg.

6) Michail Nikolajewitsch, Bruder des vorigen, geb. 1795, zeichnete sich früh durch seine Leistungen in der Mathematik aus, machte die Feldzüge von 1812 bis 1813 mit, wurde später Generalgouverneur von Grodno, dann von Kursk, 1842 Oberdirektor des Feldmesserkorps, 1850 Mitglied des Reichsrats und gab, zum Vizepräsidenten der Russischen Geographischen Gesellschaft gewählt, den Anstoß zu einer bedeutenden wissenschaftlichen Expedition nach Sibirien. Bei der Krönungsfeier (7. Sept. 1856) ernannte ihn Alexander II. zum General der Infanterie, 1857 zum Minister der Reichsdomänen und zum Präsidenten des Verwaltungsrats der kaiserlichen Apanagen. M. ließ sich namentlich die Hebung der Landwirtschaft angelegen sein, stiftete unter anderm auch die agronomische Akademie zu Petrowsk bei Moskau. Der Aufhebung der Leibeigenschaft aber trat er entschieden entgegen. 1861 und 1862 fühlte sich M. durch seine geringe Popularität zum Rücktritt von seinen Ämtern bewogen. Als jedoch der polnische Aufstand mehr und mehr um sich griff und bis nach Litauen reichte, schickte ihn der Kaiser 1863 als Generalgouverneur nach Wilna, wo er eine solche Härte, ja Grausamkeit (er ließ Edelleute und Priester henken) entwickelte, daß sein Name in ganz Europa verhaßt ward. Aber dafür war ihm die Unterdrückung des Aufstandes gelungen. Der Kaiser belohnte ihn mit dem Andreasorden und dem Grafentitel. Er starb 11. Sept. 1866 auf seinem Gut Syrez bei Luga. Vgl. "Der Diktator von Wilna. Memoiren des Grafen M. N. M." (aus dem Russ., Leipz. 1883).

7) Andrei Nikolajewitsch, bekannt als Reisender und Schriftsteller, Bruder des vorigen, geb. 1798 zu Moskau, bereiste 1830 Syrien und Palästina, später Südrußland sowie den Kaukasus nebst Armenien, endlich Italien und wiederholt den Orient und starb als Staatsrat und kaiserlicher Kammerherr 30. Aug. 1874 in Kiew. Unter seinen (in russischer Sprache geschriebenen) Reisewerken sind besonders namhaft zu machen: "Wallfahrt nach der Heiligen Stadt" (Petersb. 1830); "Schilderung Grusiens und Armeniens" (das. 1848) und "Eindrücke aus der Ukraine und Sebastopol" (das. 1859). Ein starrer Anhänger der orthodoxen Kirche, hat er sich auch nach dieser Richtung schriftstellerisch bethätigt. Außerdem veröffentlichte er einige dramatische Versuche, eine "Geschichte von Jerusalem" (Petersb. 1844), eine "Geschichte der russischen Kirche" (3. Aufl., das. 1845) u. a. Andern Zweigen der Familie gehören an:

8) Sergei M. Apostol, Sohn von Iwan Matwejewitsch M. Apostol (geb. 1769, gest. 24. März 1851 als Senator), war 1825 Oberstleutnant im Regiment Tschernigow und einer der Hauptleiter der Verschwörung der Dekabristen von 1825 gegen Nikolaus I. Nach der Entdeckung derselben ließ M. den zu seiner Verhaftung abgeschickten Obersten Gebel festnehmen, rief mit sechs Kompanien 5. Jan. 1826 den Großfürsten Konstantin zum Kaiser aus und bemächtigte sich der Stadt Wassilkow, wurde aber 15. Jan. geschlagen und schwer verwundet gefangen genommen. Er ward 25. Juli 1826 in Petersburg gehenkt. Sein Bruder Matwei, verabschiedeter Oberstleutnant, ward zu 20jähriger Verbannung nach Sibirien verurteilt.

9) Nikolai Nikolajewitsch, Graf M. Amurskij, geb. 1803 zu Petersburg, widmete sich dem Militärdienst, ward aber zeitig auch in der Zivilverwaltung beschäftigt. Von 1836 bis 1840 fungierte er als Generalmajor und Zivilgouverneur von Kursk, bis 1847 von Grodno u. bis 1848 von Tula, von wo er in demselben Jahr zum Gouverneur von Ostsibirien berufen wurde. M. warf sein Auge sofort auf die fruchtbaren und wohlbewässerten Ebenen zwischen dem Amur und der Jablonowoikette, legte 1850 unweit der Amurmündung einen stark befestigten Posten, Nikolajewsk als Stütz u. Ausgangspunkt der beabsichtigten friedlichen Eroberung an, erforschte die Ufer des Amur und seiner Quellenarme und gründete an ihnen zahlreiche russische Kolonien. China zog eben ein starkes Heer gegen M. zusammen, als es auch mit England in Konflikte geriet, die es bestimmten, durch den Vertrag von Aigun vom 28. Mai 1858 das Amurgebiet an Rußland abzutreten. M. erhielt hierauf von seinem Kaiser den Ehrentitel Amurskij. 1859 unternahm er eine Expedition gegen Japan, erzwang von diesem die nämlichen Vertragsbedingungen, die es den übrigen großen Seemächten bewilligt hatte, und nahm die an Kohlen reiche japanische Insel Sachalin vor der Amurmündung vertragsmäßig in Besitz. Daneben hatte sich M. auch die Konsolidierung seiner Erwerbungen eine stete Sorge sein lassen, unter anderm durch die Konstituierung der Handelsgesellschaft des Amur (1856). 1861 legte er seine Stelle nieder und wurde Mitglied des Reichsrats.

Murbach, ehemals berühmte Benediktinerabtei im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Gebweiler, in einem Thal der Vogesen, wurde 727 durch den heil. Pirmin gegründet und 1680 von Frankreich in Besitz genommen; 1759 ward das Kapitel nach Gebweiler verlegt. Die Gebäude der Abtei, eins der frühsten gewölbten romanischen Bauwerke, wurden 1789 von aufständischen Bauern verwüstet, die Abtei dann aufgehoben. Ihr Gebiet umfaßte 3 Städte und 30 Dörfer, ihr Abt war gefürstet und seit 1548 deutscher Reichsstand. Vgl. Otte, Die Abtei M. (Mülh. 1856).

Mürbraten, s. Filet.

Murch., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für R. I. ^[Roderick Impey] Murchison (s. d.).