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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Murray - Murzuq.

Murray (spr. mörre), 1) James Stuart, Graf von, s. Morray.

2) John, einer der namhaftesten engl. Verlagsbuchhändler, geb. 27. Nov. 1778 zu London, war der Sohn eines Schotten, John Mac M., der, nachdem er als Marineoffizier gedient hatte, 1768 W. Sandbys Buchhandlung in London übernahm und unter seinem Namen, mit Weglassung des Mac, fortführte. Nach dem Tode desselben (6. Nov. 1793) stand das Geschäft einige Jahre unter Leitung der Witwe, bis es der inzwischen mündig gewordene Sohn übernehmen konnte, der es bald zu einem der bedeutendsten Englands erhob. Unter anderm begründete M. 1809 die so einflußreiche toryistische Zeitschrift "The Quarterly Review" und gab durch seine "Family library" (1830-41) den Anstoß zu den jetzt so verbreiteten wohlfeilen Volksbibliotheken. Fast alle litterarischen Notabilitäten seiner Zeit und seines Vaterlandes, unter andern Lord Byron, W. Scott, Southey, W. Irving, wußte er an seine Firma zu ziehen. Er starb 27. Juni 1843. - Sein Geschäft wird von seinem namentlich durch die "Handbooks for travellers" weit bekannten Sohn John M., dem jüngern, geb. 1808, fortgeführt. Letzterer pflegt mit Vorliebe die wissenschaftliche Richtung; sein Verlag enthält Werke von Hallam, Barrow, Wilkinson, Grote, Motley, Lyell, Layard, Murchison, Livingstone, Darwin, Schliemann u. a.

3) Charles Augustus, zweiter Sohn des fünften Earl of Dunmore, geb. 22. Nov. 1806, ward in Eton und am Oriel College in Oxford gebildet und machte 1834-36 eine längere Reise, die er in "Travels in North America" (1839, 2 Bde.; 3. Aufl. 1854) beschrieb. Eine poetische Frucht derselben ist die in England wie im Ausland beliebt gewordene Erzählung "The prairie bird" (1844). M. bekleidete verschiedene Hofämter, ward 1844 Kämmerer der Königin, bald darauf Legationssekretär in Neapel, 1846 Generalkonsul in Ägypten, 1853 Gesandter in der Schweiz, 1864 in Teheran, 1859 in Dresden, 1866 in Kopenhagen und 1867 in Lissabon. Seit Mai 1875 ist er Mitglied des Geheimen Rats der Königin. Noch schrieb er die Erzählungen: "Hassan, or the child of the Pyramids" (1857, 2 Bde.) und "Nour-ed-dyn, the light of faith" (1883).

Murrayinsel, kleine Insel an der Südküste von Neuguinea, wohin 1874 das Hauptquartier der englischen Mission für Neuguinea von Somerset an der Nordküste von Queensland verlegt wurde.

Mürren, s. Lütschine.

Murrhardt, Stadt im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Backnang, an der Murr und an der Linie Waiblingen-Hessenthal der Württembergischen Staatsbahn, hat eine ehemalige Benediktinerabtei, deren Kirche jetzt evangelische Stadtkirche ist, mit der sehr alten, architektonisch wertvollen Walderichskapelle, eine Lateinschule, Möbeltischlerei, Obstbau, Holzhandel und (1885) 2363 fast nur evang. Einwohner.

Murrhīnische Gefäße (Murrhĭna vasa), bei den alten Römern eine Art kostbarer, höher als Gold geschätzter Gefäße, wahrscheinlich aus einer edlern Art des orientalischen Flußspats verfertigt. Sie schimmerten in den verschiedensten Farben.

Murrumbidschi (Morumbidschi, engl. Murrumbidgee), großer, 2160 km langer, rechtsseitiger Nebenfluß des Murray in Neusüdwales, entspringt auf dem Nordostabhang der Manerooberge, fließt erst nördlich, dann westlich durch weite, schöne Weidegründe, in denen sich die von ihm wie vom Murray ausgesandten Arme bei hohem Wasserstand begegnen, und fällt, nachdem er den von den Cullarinbergen kommenden seichten Lachlan aufgenommen, in den Murray. Zuzeiten des Hochwassers ist der M. bis Gundagai für Dampfer fahrbar.

Murschidabad (Maksudabad), Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts in der britisch-ind. Provinz Bengalen, der 5553 qkm (101 QM.) mit (1881) 1,226,790 Einw. (Hindu und Mohammedaner) umfaßt, liegt links am Bhagirathi, hat einen großen, prächtigen Palast des Nawabs von Bengalen, der eine Pension von der britischen Regierung empfängt, und (1881) 39,231 Einw., deren Elfenbeinschnitzereien altberühmt sind.

Mursinka, Kirchdorf im russ. Gouvernement Perm, Kreis Werchotursk, an der Neiwa, mit Edelsteingruben, welche sich auf einem Terrain von 114 qkm an den Flüßchen Neiwa, Alabaschka und Ambarka hinziehen und früher reich an Topasen, Beryllen und Amethysten waren. Die Ausbeutung, ehedem von der Regierung betrieben, ist jetzt verpachtet.

Mursuk (Murzuq), Hauptstadt von Fezzan in Nordafrika, 775 km südsüdöstlich von Tripolis, 503 m ü. M., am Ostende einer 100 km langen, 15-20 km breiten Bodensenkung (Hofra), welche von Salzsümpfen erfüllt ist, zwischen denen aber Frischwasserquellen emporspringen und Gärten, Felder, besonders Dattelpflanzungen, angelegt sind. Die Gegend ist durch die Sümpfe und die großen klimatischen Schwankungen (5° im Winter, 45° C. im Sommer) äußerst ungesund, nur die Lage der Stadt am Knotenpunkt verschiedener Karawanenstraßen rechtfertigt die Wahl des Ortes. M. bedeckt einen Raum von 3 qkm, der, von einer hohen Lehmmauer eingefaßt, die Kasba mit einer Kaserne, Moschee und der Residenz des türkischen Gouverneurs einschließt und (mit den Vorstädten) von 6500 Menschen aller Farbenschattierungen bewohnt wird, welche lebhaften Handel mit den Produkten des Sudân wie mit den Industrieerzeugnissen Europas treiben und an dem trotz aller Verbote hier stark betriebenen Sklavenhandel sehr beteiligt sind.

Murten (franz. Morat), Hauptstadt des Seebezirks im schweizer. Kanton Freiburg, am gleichnamigen See und an der Eisenbahn Lausanne-Payerne-Lyß, mit Uhrenindustrie und (1880) 2364 Einw., geschichtlich bekannt durch den glänzenden Sieg der Eidgenossen über Karl den Kühnen von Burgund 22. Juni 1476 (s. Schweiz, Geschichte), zu dessen Gedächtnis 22. Juni 1876 eine großartige, aus allen Teilen der Schweiz besuchte Feier stattfand. An Stelle des von den Franzosen 1798 zerstörten Beinhauses wurde 1822 ein 18 m hoher marmorner Obelisk errichtet. Der Murtensee, 27½ qkm groß, ist ein ziemlich einsames, von Weinbergen, Obsthainen und Fruchtfeldern eingerahmtes Wasserbecken, das von der Broye durchflossen wird. Früher lag sein Spiegel nur 10 cm über demjenigen des Neuenburger Sees; dann mußte auch diese Flußstrecke in das System der Juragewässerkorrektion (s. d.) hineingezogen und von ihr aus ein Verbindungsarm zum Aarekanal geschaffen werden. Infolge dieser Arbeiten liegt jetzt der mittlere Wasserstand 433 m ü. M. (früher 435,2 m). Die Tiefe beträgt im Maximum 49 m. Auch hier sind wichtige Pfahlbaufunde gemacht worden. Vgl. Ochsenbein, Die Urkunden der Belagerung und Schlacht von M. (Basel 1876).

Muruxirinde, s. Byrsonima.

Murviedro, Stadt in Spanien, s. Sagunto.

Mürz, Fluß, s. Mur.

Murzuq, Stadt, s. Mursuk.