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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Muskelgeräusch; Muskeln

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Muskelgeräusch - Muskeln.

als Kraftsinn (Muskelsinn) bezeichnen könnte. Man kann mit seiner Hilfe, ganz unabhängig vom Tastsinn, den Unterschied zweier Gewichte noch genauer bestimmen als mittels des Tastsinnes. Wir wissen durch Erfahrung, welche Anstrengung bestimmter Muskeln dazu erforderlich ist, um unsre Glieder in eine gewisse Lage zu versetzen und sie darin zu erhalten, so genau, daß wir jeden Augenblick durch den Grad der Anstrengung der einzelnen Muskeln, in dem sich diese gerade befinden, anzugeben vermögen, in welcher Lage sich unsre Glieder befinden, auch ohne daß wir sie sehen, und ohne daß sie sich gegenseitig berühren. Es ist einleuchtend, daß diese Kenntnis von der Lage unsrer Glieder auch benutzt werden kann zur Wahrnehmung der Größe und Gestalt der Gegenstände, welche wir mit beiden Händen ergreifen, sowie zur Erhaltung des Gleichgewichts beim Gehen und Stehen. Die Feinheit und Sicherheit der Muskelkontraktion, welche auf den eben genannten Ursachen beruht, ist unstreitig am überraschendsten bei der Bildung der Töne und Sprachlaute im Kehlkopf und in der Mundhöhle beim Singen und Sprechen.

Muskelgeräusch, s. Muskeln, S. 937.

Muskeln (lat. Musculi, "Mäuschen"; hierzu Tafel "Muskeln des Menschen"), die Bewegungsorgane der mehrzelligen Tiere, bestehen aus einer, mehreren oder vielen Zellen, deren protoplasmatischer Inhalt sich auf einen Reiz hin zusammenziehen u. so die mit ihren Enden in Verbindung stehenden Gegenstände (Knochen etc.) von der Stelle rücken kann. Man unterscheidet glatte und quergestreifte M.; die erstern, einfachern sind nichts als kontraktile, sehr in die Länge gezogene Zellen (Fig. 1), die letztern gehen meist aus der Verschmelzung einer Reihe Zellen zu einer Faser hervor und enthalten immer mehrere Kerne, sind also mehreren Zellen gleich zu setzen. Die Haut einer solchen Faser (Muskelfaser oder Primitivbündel) heißt Sarkolemma (Fig. 2 b); der Inhalt ist in eigentümlicher Weise quer gestreift und zerfällt bei Behandlung mit gewissen Reagenzien leicht in eine Anzahl noch feinerer Fasern (Primitiv- oder Muskelfibrille, Fig. 2 a), was bei der glatten Muskelfaser nicht der Fall ist. Nur selten jedoch besteht der ganze Muskel aus einer einzigen Faser; gewöhnlich vereinigen sich viele nebeneinander gelegene zu einem Bündel und mehrere Bündel erst zu einem Muskel (im engern Sinn). Letztere sind es, die bei den höhern Tieren das sogen. Fleisch ausmachen, aber auch sonst noch in den meisten Organen des Körpers vertreten sind. Im allgemeinen sind die quergestreiften M. als die kräftigern für alle Bewegungen vorhanden, welche schnell ausgeführt werden müssen, somit fast immer dem Willen unterworfen sind (willkürliche oder animale M.), während die glatten M. meist die unwillkürlichen Zusammenziehungen der vegetativen (Ernährungs-, Fortpflanzungs- etc.) Organe besorgen. Doch ist diese Scheidung nicht streng durchführbar, denn z. B. das Herz der höhern Tiere besteht aus quergestreiften M. Zu jedem Muskel gehören außer dem wesentlichen Bestandteil, nämlich der kontraktilen Substanz, und außer dem Sarkolemma Bindegewebe zur Trennung der einzelnen Bündel und Fasern, ferner Gefäße und Nerven. Letztere, welche den Anstoß zur Zusammenziehung liefern müssen, verzweigen sich an ihm und endigen unter noch nicht völlig ermittelten Umständen mit einer sogen. Nervenendplatte (Fig. 2 b). Die Anordnung der willkürlichen M., wie man sie bei den höhern Tieren in so komplizierter Weise antrifft, ist aus der sehr viel einfachern mancher niedern Tiere hervorgegangen. Ursprünglich nämlich haben die M. in der Haut selbst gelegen und dort eine mehr oder minder vollständige Schicht gebildet, die später von der Haut weg unmittelbar unter dieselbe gerückt ist und in dieser Form als Hautmuskelschlauch noch bei Würmern vorkommt. Bei diesen umschließt er die Leibeshöhle und besteht aus Ringmuskeln zur Verengerung und Längsmuskeln zur Verkürzung des Gesamtkörpers. Wo letzterer in Segmente zerfällt, werden diese, indem die Längsmuskulatur gleichfalls in Stücke zerlegt ist, gegeneinander beweglich; treten Gliedmaßen auf, so verlaufen zu ihnen vom Rumpf aus M., die sich alsdann an die Haut derselben ansetzen (Krebse, Insekten). Erst wo es zur Bildung eines innern Skelettes kommt (Wirbeltiere), tritt der Hautmuskelschlauch mehr gegen die tiefer gelegene Muskulatur der Knochen zurück, hat sich jedoch auch bei den Säugetieren noch vielfach in großer Ausdehnung erhalten (z. B. beim Igel, wo er die Zusammenkugelung besorgt, oder beim Pferde, das sich mit seiner Hilfe der Insekten erwehrt; beim Menschen ist er nur noch am Hals als sogen. Platysma myoides vorhanden). Bei den M. der Wirbeltiere geht nicht nur jede glatte, sondern auch jede quergestreifte Faser aus einer einzigen Zelle hervor, welche bis zu 4 cm Länge erreichen kann und an Stelle des einen ursprünglichen Kerns deren mehrere besitzt. Die Farbe der M. wechselt von Weiß bis zu intensivem Fleischrot; sie wird zum Teil vom Gehalt an Blut bedingt, ist aber sonst den Fasern eigen; der Farbstoff ist dem der roten Blutkörperchen (Hämoglobin) gleich. Die lebhaft roten M. scheinen energischer zu sein als die blassen. Die willkürlichen M. stehen fast alle an ihrem Anfang und Ende mit dichten, fibrösen, seidenglänzenden Strängen (Sehnen, s. d., Flechsen) oder,

^[Abb.: Fig. 1. Glatte Muskelzellen.

Fig. 2. a Primitiv-Fibrille. b Quergestreifte Muskelfaser der Eidechse (Lacerta).]