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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mussitieren - Musterschutz.

in 10 Bänden erschienene; eine illustrierte Ausgabe, mit Biographie von Paul de M., erschien in 11 Bänden (neue Ausg. 1882). Viele seiner Gedichte wurden von Freiligrath, Geibel u. a. ins Deutsche übertragen, zuletzt von O. Baisch (Norden 1885) und M. Hahn (Bresl. 1887). Vgl. P. Lindau, Alfred de M. (Berl. 1876). - Sein Bruder Paul de M., ebenfalls Schriftsteller, geb. 7. Nov. 1804 zu Paris, veröffentlichte zuerst eine Reihe gut geschriebener Romane, wie: "La table de nuit" (1832), "Samuel" (1833), "Lauzun" (4. Aufl. 1875), "Femmes de la Régence" (1841, 2 Bde.; 1858) u. a.; ferner: "Lui et Elle" (1859), nach den Aufzeichnungen seines Bruders und als Antwort auf G. Sands "Elle et Lui"; "Voyage en Italie" (1863) u. a.; endlich Theaterstücke ("La revanche de Lauzun", "Christine, roi de Suède"), welche jedoch nur geringen Erfolg hatten. Die Biographie seines Bruders ("Alfred de M., sa vie et ses œuvres", 3. Aufl. 1877) hat den Erwartungen nicht entsprochen. Er starb 17. Mai 1880.

Mussitieren (lat.), unverständliche Worte leise vor sich hinmurmeln, wie bei manchen Delirien.

Mussomeli, Stadt in der ital. Provinz Caltanissetta (Sizilien), 7 km östlich der Eisenbahn Palermo-Girgenti, auf einem Berge gelegen, hat (1881) 9770 Einw., welche Ackerbau und Schwefelbergbau betreiben.

Mußteil (Cibaria), die beim Tode des Mannes vorhandenen Speisevorräte, einschließlich des Mastviehs (sogen. Hofspeise), welche nach manchen Partikularrechten der Witwe zugehören. Vgl. Güterrecht der Ehegatten.

Mussumba, Stadt in Afrika, s. Lunda.

Mustacioli (spr. -tschohli), ital. Gebäck aus Mehl, Zucker, Eiern, Salz, Muskatblüte und Nelken, mit Schokoladenguß versehen.

Mustafa, Kara, s. Kara Mustafa.

Mustagh, Gebirgskette, s. Karakorum 1).

Mustahsis, im türk. Heer der Landsturm.

Mustair (rätoroman., deutsch Münster), Dorf im gleichnamigen Thal des schweizer. Kantons Graubünden, mit einem Benediktinerinnenkloster, welches nach dem nahen Taufers "Monasterium Tuberis" genannt wurde. Das Val M., deutsch Münsterthal, von der Ram, einem Zufluß der Etsch, durchströmt, ist eins der höchsten und rauhesten der in Dörfern bewohnten Thäler Europas (bei Cierfs 1664 m) und verkehrt mit dem Engadin durch den Buffalora- und Ofenpaß, mit Bormio (Worms) durch den Bergpfad des Wormser Jochs. Es ist von einem fast gänzlich rätoromanischen, größernteils protestantischen Hirtenvölklein von 1449 Seelen bewohnt, welche sechs Gemeinden bilden.

Mustangs (engl.), halbwilde Pferde in den amerikanischen Prärien.

Mustēla (lat.), Marder.

Mustelĭdae (Marder), Familie der Raubtiere (s. d.).

Mustēlus, Sternhai, s. Haifische.

Muster, gleichbedeutend mit Probe, d. h. ein kleiner Teil einer Warenpartie, nach welcher eine größere Menge rücksichtlich ihrer Güte und Äußerlichkeit beurteilt und bestellt werden kann; dann die Zeichnung, welche durch die Verschiedenartigkeit der Fadenlagen oder durch Aufdrucken den gewebten, gewirkten, gestrickten, gehäkelten etc. Waren erteilt wird; Vorlage, welche zur Kopie dient, wie z. B. die Stickmuster zur Nachbildung mittels der Stickerei; ein vorzüglich gearbeiteter Gegenstand, der zum Vorbild dienen kann.

Mustergrundstücke (franz. Types), Grundstücke, welche für den Zweck der Besteuerung als Vertreter je einer Klasse von Ländereien ausgewählt und auf ihre Einträglichkeit näher untersucht werden.

Musterherr, s. Landsknechte, S. 470.

Musterlager, Lager von Warenproben, welche zur Ansicht von Käufern ausgestellt sind. Solche M. wurden in der neuern Zeit in mehreren deutschen Städten zur Förderung der Ausfuhr ins Leben gerufen (Exportmusterlager).

Musterregister, s. Musterschutz.

Musterrolle, in der Handelsflotte der auf dem Seemannsamt gerichtlich vollzogene Kontrakt zwischen dem Schiffsführer und der Mannschaft, enthält das Namensverzeichnis und Nationale der Mannschaft, die Höhe der verschiedenen Monatsgagen, die Qualität und Quantität des zu verabreichenden Proviants etc. Da dieselbe zu den Haupt-Schiffspapieren gehört, muß sie sich stets an Bord befinden.

Musters, George Chaworth, engl. Seeoffizier und Reisender, geb. 13. Febr. 1841 zu Neapel, trat 1854 in die Marine ein, machte den Krimkrieg im Schwarzen Meer mit, wurde 1861 Leutnant und war bis Juni 1866 an der Ostküste von Südamerika stationiert. 1869 und 1870 führte er eine Reise durch Patagonien aus, die er in "At home with the Patagonians" (1871; deutsch, Jena 1873) schilderte. Später besuchte er die Vancouverinseln und Britisch-Columbia, dann zum zweitenmal Südamerika, namentlich Bolivia, wo er viele Reisen machte und geographische Studien trieb (s. Bericht darüber im "Journal of the R. Geogr. Soc.", Bd. 47). Ende 1878 wurde er zum englischen Konsul in Mosambik ernannt, starb aber, kurz bevor er dorthin abreisen wollte, 25. Jan. 1879 in London.

Musterschneidemaschine, mechanische Vorrichtung zum Zerschneiden von Geweben, Papier etc. zu rechteckigen Probeblättchen.

Musterschule, s. Normalschule.

Musterschutz, die ausschließliche Berechtigung des Urhebers eines neuen Warenmusters, dasselbe während einer bestimmten Schutzfrist ganz oder teilweise nachzubilden. Der Ursprung des Musterschutzes ist in Frankreich zu suchen, wo schon 1744 die Nachahmung fremder Seidenmuster durch die Lyoner Fabrikreglements untersagt wurde. Als mit dem Zunftzwang die Fabrikreglements aufgehoben wurden, behielt man den M. in der richtigen Erkenntnis bei, daß der Wetteifer in der Erzeugung geschmackvoller Muster erlöschen würde, falls dem Urheber nicht die Frucht seiner Arbeit gesichert werde. Durch das Dekret vom 18. März 1806 wurde die Hinterlegung der Muster bei dem Gewerberat gestattet, womit der Fabrikant sich das Recht der ausschließlichen Benutzung auf 1-5 Jahre oder auf immer gegen eine Abgabe von 1-10 Frank vorbehalten kann. In England wurden zuerst durch die Akte von 1787 Muster zum Zeugdruck für die Dauer von zwei Monaten vom Tag der ersten Ausgabe des Musters an geschützt. In Deutschland hatte der M. in den Rheinlanden schon seit 1806 durch die französische Gesetzgebung Eingang gefunden. Die allgemeine Einführung desselben erfolgte aber erst durch das Reichsgesetz vom 11. Jan. 1876, betreffend das Urheberrecht an Mustern und Modellen, nachdem die Erfahrung gelehrt hatte, daß die mit schweren Opfern gegründeten Musterzeichenschulen nur der fremden Industrie zu gute gekommen waren, da alle auf den deutschen Schulen ausgebildeten Zöglinge in fremde Ateliers übergegangen waren, um dort einen angemessenen Lohn für ihre Leistungen zu finden. Der M. erstreckt sich auf äußere Formen und Farben an Gegenständen