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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nadaud - Nadeln.

schreiber, bewirkte nach dessen Tod Ferdinands von Österreich Wahl zum König und ward als Kommandant von Ofen 1529 nach hartnäckiger Verteidigung von den Türken gefangen genommen. Auf Verwendung Ludovicos Gritti bei Zápolya mit dem Tod verschont, hing er fortan diesem an und erhielt zum Lohn die Herrschaft Fogáras in Siebenbürgen als "Erbherr". Später (1534) wandte er sich wieder Ferdinand zu, ward 1554 zum Palatin erwählt und verwaltete dies hohe Amt so gut, daß er sich den Namen "der große Palatin" erwarb. Als Anhänger der Reformation hat er gleichfalls hervorragende Bedeutung. Er starb 2. Juni 1562. Im Nádasdyschen Palais zu Pest wurde ihm eine Statue errichtet.

2) Franz, Urenkel des vorigen, Enkel des Generals Franz N. (1555-1603) und der Prinzessin Elisabeth Báthori (s. d.), der 1611 wegen ihrer grausamen Mädchenschlächtereien der Prozeß gemacht wurde, Sohn des Grafen Paul und der Gräfin Judith von Révay, Günstling des Kaisers, war oberster Kronrichter, ward als Teilhaber an einer Verschwörung des ungarischen Adels zur Aufrechthaltung ihrer Rechte und Freiheiten auf Kaiser Leopolds I. Befehl 30. April 1671 zu Wien enthauptet. Er gab das Werk des Grafen Petrus Révay: "De monarchia et S. corona regni Hungariae" in neuer vermehrter Auflage heraus (Frankf. 1659). Ihm selbst werden zugeschrieben: "Mausoleum regni apostolici hungarici regum et primorum ducum" (Nürnb. 1664); "Cynosura juristarum" (1668, Leutschau 1700).

3) Franz Leopold, Graf von, Enkel des vorigen, geb. 30. Sept. 1708 zu Radkersburg in Steiermark, wohnte schon als Oberst eines Husarenregiments von 1734 bis 1739 den Feldzügen in Italien, in Ungarn und am Rhein, sodann als Kavalleriegeneral dem österreichischen Erbfolgekrieg bei, entriß im November 1741 den Franzosen und Bayern Neuhaus in Böhmen, schlug 1743 bei Braunau die Bayern und leitete 1744 den meisterhaften Übergang des Heers des Prinzen Karl von Lothringen über den Rhein, worauf er sich der Linien von Lauterburg und Weißenburg bemächtigte. Im Mai 1745 verlor er zwar das Gefecht gegen Winterfeld bei Hirschberg, deckte aber später mit vieler Umsicht den Rückzug Karls von Lothringen und nahm während der Schlacht bei Soor (30. Sept. 1745) das preußische Lager. Nach Abschluß des Dresdener Friedens kam N. zur Armee nach Italien, bei welcher er ebenfalls mit Auszeichnung focht. 1754 ernannte ihn Maria Theresia zum General der Kavallerie und Kommandanten von Ofen und 1756 zum Ban von Kroatien. 1757 führte N. die kroatischen Nationaltruppen dem Heer Dauns zu, focht mit Auszeichnung bei Kolin, schlug Winterfeld 7. Sept. bei Moys und nahm Schweidnitz (12. Nov.). In der Schlacht bei Leuthen (5. Dez. 1757) war N. der erste, der das Manöver Friedrichs II. durchschaute, blieb aber zu lange ohne Unterstützung, um der Schlacht eine andre Wendung geben zu können. Er kehrte hierauf in sein Banat zurück und starb 22. März 1783 in Karlstadt.

Nadaud (spr. -doh), Gustave, franz. Volksdichter und Komponist, geb. 20. Febr. 1820 zu Roubaix (Departement Nord), erhielt seine Bildung im Collège Rollin zu Paris und war dann in dem Handelsgeschäft seines Vaters zuerst in Roubaix, später in Paris beschäftigt, bis er demselben den Rücken kehrte, um sich ganz seiner Liebhaberei, der Poesie und der Musik, zu widmen. Seine Lieder ("Chansons", 1849, 6. Aufl. 1870; "Encore des chansons", 1873; "Chansons inédites", 1876), die er meistens selbst in Musik setzte, auch selbst sang, schlagen alle Saiten des menschlichen Gemüts an, die heitern wie die ernsten; das Quartier latin liefert ihm so gut wie die Politik den Stoff dazu, und Sentimentalität, Melancholie und Leichtfertigkeit finden sich darin vertreten; das Gepräge aber ist echt volkstümlich und erinnert an Béranger. Daneben hat N. auch kleine Operetten, welche in den Pariser Salons ungemeinen Beifall fanden ("Le docteur Vieuxtemps", "La volière", "Porte et fenêtre"), einen Sittenroman: "Une idylle" (1861), und einen Band "Contes, scènes et récits" in Versen (1878) verfaßt. Gesammelt erschienen seine "Chansons" 1879-80 in 3 Bänden.

Nadelbräune der Fichten, s. Hysterium.

Nadeleisenerz, s. Goethit.

Nadelfeilen, aus ungehärtetem Stahl oder aus Eisen bestehende Feilen, welche ihrer Biegsamkeit halber zur Bearbeitung vertiefter Oberflächen, namentlich von Bijouterieartikeln, dienen.

Nadelfisch (Syngnathus Gthr.), Familie aus der Ordnung der Büschelkiemer, Tiere mit ungemein gestrecktem, meist deutlich siebenkantigem Körper, großer Rückenflosse, deutlich ausgebildeter Schwanzflosse und beim Männchen mit einer Schwanztasche, in welcher sich die Eier entwickeln. Man kennt etwa 50 Arten aus allen Meeren. Die Seenadel (Trompete, S. acus L.), 30-90 cm lang, mit dünnem, abgerundetem Rüssel, hinten abgerundeter Schwanzflosse, auf blaßbraunem Grunde dunkelbraun gebändert, lebt im östlichen Atlantischen Ozean von Nordeuropa bis zum Kap, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, fehlt in der Ostsee. Sie hält sich besonders in seichten Strandgewässern zwischen Seegras etc. auf, schwimmt langsam und nährt sich von allerlei Kleingetier. Das Weibchen legt seine Eier in die Schwanztasche des Männchens, in welche die Jungen bei Gefahr zurückkehren sollen.

Nadelgeld (Spillgeld), jährliche Summe Geldes, welche der Frau aus dem Einkommen ihres Mannes zur Bestreitung ihrer kleinen Ausgaben für Kleidung, Putz und Leibwäsche ausgesetzt wird, wie dies namentlich bei dem Abschluß von Ehen des hohen Adels üblich ist. In manchen Ländern sind die Unterthanen verpflichtet, bei der Vermählung des Landesherrn der Gemahlin (ähnlich der Prinzessinsteuer) gewisse Nadelgelder auszusetzen, deren Betrag verfassungs- oder observanzmäßig feststeht.

Nadelhölzer, s. Koniferen.

Nadelkap, s. Agulhas.

Nadelkohle, s. Braunkohle, S. 356.

Nadeln. 1) Nähnadeln werden aus Stahldraht gemacht, der auf einem Haspel von 5-6 m Umfang gehaspelt wird, um ihm die starke Biegung, die er in den käuflichen Ringen besitzt, zu nehmen. Ein solcher Ring aus etwa 100 Windungen wird dann mit einer Schere erst an zwei diametral gegenüberliegenden Stellen, dann in kurze Stücke (Schachte, Schafte) von der doppelten Länge der herzustellenden N. zerschnitten. Öfter noch zieht man den Draht in dem Richtholz gerade, das aus einem Stück harten Holz besteht, in das sieben runde Eisenstifte so eingeschlagen sind, daß der zu richtende Draht, durch die Stifte gezogen, eine ganz schwach gekrümmte Schlangenlinie bildet. Um die noch etwas gekrümmten Drähte völlig gerade zu richten, werden 5-15,000 Schachte dicht zusammen in zwei eiserne Ringe gesteckt, schwach zwischen Holzkohlenfeuer geglüht und zwischen einer horizontalen festliegenden und einer darübergelegten beweglichen Platte (Streicheisen, Streicher) gerollt. Das Streicheisen ist mit Nuten