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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Name; Namenaktie

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Name - Namenaktie.

Falk, Rothahn etc.) u. v. a. Vorzugsweise auf Ortsnamen beruhen die adligen Namen, die Stammsitze und Familiengüter bezeichnend, mit vorgesetztem von; doch ist das von auch bei bürgerlichen Namen, zur Bezeichnung der Herkunft, im 13. Jahrh. noch überaus häufig und wird erst im 14. und 15. Jahrh. bei nichtadligen Namen allmählich weggelassen. Unter den deutschen Taufnamen herrschten bis ins 15. Jahrh. ebenfalls die alten Personennamen sehr entschieden vor; dann wurden die Heiligennamen und die biblischen, letztere bei Protestanten, beliebt; in der Zeit der Renaissance drangen viele griechische (Philipp, Alexander etc.) und römische (August, Julius etc.), im 17. und 18. Jahrh. auch französische, englische, italienische Namen etc. ein. Daß die Frau bei der Verheiratung den Namen des Mannes annimmt, ist schon alte Sitte; in der Schweiz, im Elsaß, in Frankfurt etc. setzen umgekehrt verheiratete Männer den Mädchennamen ihrer Frau dem eignen bei, z. B. Vogt-Maier (d. h. Vogt, mit einer gebornen Maier verheiratet), während manche deutsche Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen und Sängerinnen in ähnlicher Weise bei der Verheiratung ihren Mädchennamen mit beibehalten, z. B. Schröder-Devrient etc. Bei den deutschen Juden wurden die Familiennamen erst im vorigen Jahrhundert ganz allgemein und gesetzlich eingeführt, woraus es sich erklärt, daß so viele derselben mit modernen Ortsnamen zusammengesetzt sind oder sonst einen modernen Anstrich haben. Charakteristisch ist dabei die Vorliebe für schön klingende Namen, wie Goldstein, Lilienthal etc., denen freilich andre (aufgedrungene) wie Pulverbestandteil, Kanalgeruch etc. gegenüberstehen.

Die Eigennamen der meisten übrigen europäischen Völker lassen sich ähnlich einteilen wie die deutschen. Sehr häufig kommen überall Familiennamen vor, welche die Abstammung bezeichnen. Die Russen und Serben führen bloß einen Taufnamen, aber die Russen außerdem einen vom Vornamen des Vaters gebildeten Namen, der für Knaben auf "itsch", für Mädchen auf "owna" endigt, z. B. Nikolaus Pawlowitsch (Pauls Sohn), Maria Pawlowna (Pauls Tochter), und in der erstern Form häufig Familienname geworden ist, wie die Serben ebenfalls viele Namen auf "witsch" haben. Die Normannen bedienten sich zur Ableitung vom Vatersnamen des Wortes Fitz (von filius), wie Fitzgerald etc. Die Schotten brauchen als Familiennamen den Vatersnamen mit vorgesetztem M' (Abkürzung für Mac, "Sohn"), ebenso die Irländer O', was nach einigen Sohn bedeuten, nach andern Abkürzung der englischen Präposition of ("von") sein soll, z. B. John M'Culloch, Daniel O'Connell. In England herrscht die Sitte, Familiennamen (besonders den Familiennamen der Mutter) als Taufnamen einem Sohn zu geben. Zur Ableitung vom Vatersnamen bedienen sich die Engländer eines angehängten "son" (wie Johnson), ebenso die Schweden (wie Erikson) und die Dänen (wie Martenson). Ebensolche Namen sind übrigens auch in Niederdeutschland häufig, z. B. Matthisson, Paulsen. Bei den Spaniern endigen sich die von den Vätern hergenommenen Namen auf "ez", z. B. Hernandez, Sohn Hernandos; jedoch erhalten die Söhne von Adligen zu dem väterlichen Namen auch noch Beinamen von dem Namen der Mutter. Von den altorientalischen Völkern hatten die beiden indogermanischen, Perser und Inder, ähnliche zusammengesetzte Namen wie die Griechen und Germanen, und wahrscheinlich ragen viele dieser Namen schon in die indogermanische Urzeit hinauf. Bei den Persern finden sich, charakteristisch für eine Reiternation, besonders mit aspa ("Pferd") zusammengesetzte Namen, z. B. Vistaspa (Hystaspes), "Pferde besitzend", Pourushaspa (N. von Zoroasters Vater), "pferdereich"; bei den Indern, die übrigens auch eigne Geschlechtsnamen hatten, ebenso wie bei den Hebräern besonders viele Namen mit religiösen Beziehungen, z. B. Kalidasa ("Knecht der Göttin Kali"), Obadja ("Knecht Gottes"), Elieser ("dem Gott Hilfe ist") etc. Hervorragend erfinderisch in Namen waren und sind die Araber. Sie haben Vornamen, meist mit Ebu ("Vater") gebildet, z. B. Ebu Mohammed, der "Vater Mohammeds"; unvererbliche Eigennamen, wie Hassan, auf welche gewöhnlich der N. des Vaters, Großvaters etc. mit einem dazwischenstehenden "ebn" oder "ben" (Sohn des) folgt, z. B. ebn Sina; Zunamen, von der Religion oder dem Hof hergenommen, wie Salah ed din ("Wohl der Religion", Saladin); Beinamen, nach Beschäftigung, Stamm, Geburtsort, Sekte etc. gewählt; Dichternamen, welche nur Dichter in ihren Gedichten zu führen pflegen; lobende oder tadelnde Spitznamen. Bei den Chinesen gibt es Vornamen, die jedoch nicht fest bestimmt sind und bei besondern Ereignissen nach Belieben gewechselt werden bis zu der Zeit, wo man in eine Unterrichtsanstalt eintritt oder ein öffentliches Amt erhält; Vornamen von dem Haus, aus dem man der männlichen Linie nach abstammt; Ehrennamen und Beinamen, jedoch nur bei ausgezeichneten Personen.

In einem geordneten modernen Staatswesen sind genau geführte Zivilstandsregister (früher Kirchenbücher) im Interesse der Rechtssicherheit unentbehrlich. Über Führung falscher Namen s. Alias; vgl. Namensänderung. Auch die Wahl der Taufnamen ist überall durch die Sitte oder sogar das Gesetz beschränkt. In manchen Ländern müssen sie aus der Zahl der Kalenderheiligen genommen werden. In Frankreich war mit der Revolution unbedingte Freiheit hierin eingetreten; Napoleon I. befahl jedoch, daß man sich auf die in den Kalendern und in der alten Geschichte vorkommenden Namen zu beschränken habe. Russen und Serben werden auf den Namen des Heiligen ihres Geburtstags getauft, oder es wird einer unter den Namen der acht Tage vor und nach dem Geburtstag ausgewählt. In England ging unter den Puritanern die Sucht, recht bibelfeste Namen zu haben, ins Lächerliche; man wählte oft ganze Bibelstellen zu Vornamen (z. B. "Wenn Jesus Christus nicht für mich gestorben wäre, so wäre ich verdammt", abgekürzt in "Verdammt"). In Deutschland entstanden 1813 Vornamen wie "Blücherine", "Gneisenauette", "Landsturmine" etc.

Vgl. Pott, Die Personennamen (2. Aufl., Leipz. 1859); Fick, Die griechischen Personennamen (Götting. 1874); Mommsen, Römische Forschungen, Bd. 1 (2. Aufl., Berl. 1865); Abel, Die deutschen Personennamen (das. 1853); Förstemann, Altdeutsches Namenbuch (Nordhaus. 1854-61, 2 Bde.; 2. Bearbeitung des 2. Bds.: Ortsnamen, 1871); Vilmar, Deutsches Namenbüchlein (4. Aufl., Marb. 1865); F. Stark, Die Kosenamen der Germanen (Wien 1868); Steub, Die oberdeutschen Familiennamen (Münch. 1870); Andresen, Die altdeutschen Personennamen (Mainz 1873); Derselbe, Konkurrenzen in der Erklärung der deutschen Geschlechtsnamen (Heilbr. 1883); Keiper, Die Perser des Äschylos (Erlang. 1877); Nestle, Die israelitischen Eigennamen nach ihrer religionsgeschichtlichen Bedeutung (Haarl. 1876); Heinze, Die deutschen Familiennamen (Halle 1881); Beleze, Dictionnaire des noms de baptême (Par. 1863).

Namenaktie, s. Aktie und Aktiengesellschaft, S. 262.