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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Narcissus - Nares.

Narcissus L. (Narzisse), Gattung aus der Familie der Amaryllideen, Zwiebelgewächse mit linealen Blättern, blattlosem, ein- oder mehrblütigem Schaft, gestielten, von häutigem Deckblatt umgebenen Blütenstielen, nickenden Blüten, röhrigem oder trichterig glockigem Perigon mit regelmäßig sechsteiligem Saum, am Schlund mit röhren-, becher- oder schüsselförmiger Nebenkrone und kugelig dreikantiger Kapsel. N. Pseudonarcissus L. (gemeine Narzisse, gelbe Märzblume, Osterblume, gelber Jakobsstab), mit dünnschaliger, eiförmiger, brauner Zwiebel, zusammengedrückt-zweischneidigem, einblütigem Schaft und kurzgestielter, blasser oder dunkler gelber Blüte mit glockiger, am Rand welliger und ungleich gekerbter Nebenkrone, auf Bergwiesen im südlichen und stellenweise im mittlern Europa, wird in mehreren Varietäten in Gärten gezogen. Die bittere, schleimige Zwiebel war ehedem als Brechmittel in Anwendung. N. poeticus L. (weiße Narzisse, rotrandige Narzisse, Sternblume), mit ähnlicher, aber dünnerer, eiförmig-ellipsoidischer Zwiebel; zusammengedrückt-zweischneidigem, einblütigem Schaft und weißer, wohlriechender Blüte mit sehr kurzer, schüsselförmig ausgebreiteter, mit fein gekerbtem, scharlachrotem Rand versehener Nebenkrone, wächst im wärmern Europa wild, weiter nördlich in Grasgärten, stellenweise verwildert, variiert mit halb und ganz gefüllten, schneeweißen, größern und kleinern Blüten. Die Zwiebel benutzten die Alten als Brechmittel, äußerlich bei Wunden, Verbrennungen und Geschwüren. N. Jonquilla (Jonquille), in der Levante, in Italien, Spanien, in der Provence, mit brauner, länglichrunder Zwiebel, dunkelgrünen, schmalen, binsenartigen Blättern, vielblumigem Schaft und gelben, sehr wohlriechenden Blumen, wird, wie die vorige, in mehreren Varietäten kultiviert. N. italicus Kern (italienische Narzisse, frühblühende Marseiller Tazette), in Italien, Südfrankreich, mit linienförmigen, graugrünen Blättern, vielblumigem Schaft und schönen, sehr wohlriechenden Blumen, eignet sich vorzüglich zum Treiben. N. Tazetta L. (Tazette), in Südeuropa und Nordafrika, mit großer, länglich-eiförmiger, brauner Zwiebel, acht- bis zehnblütigem, stielrundlichem Schaft und sehr wohlriechenden, weißen Blüten mit becherförmiger, ganzrandiger, orangegelber Nebenkrone, kommt in vielen Spielarten vor. Vgl. Burbridge und Baker, The N., its history and culture (Lond. 1875).

Narcotĭca (lat.), s. v. w. Betäubende Mittel.

Narda, griech. Stadt, s. Arta 1).

Narde, bei den Alten Benennung mehrerer angenehm riechender Pflanzen, besonders aus der Familie der Baldriangewächse, sowie eines daraus bereiteten Öls; hierher gehören die keltische N. (Valeriana celtica), die kretische N. (V. italica) etc. Die arabische N. bestand wahrscheinlich aus dem Nardenbartgras (Andropogon Nardus), die italienische N. ist unser Lavendel, und die indische N. stammt von der auf den Gebirgen Ostindiens wachsenden, zur Familie der Valerianeen gehörenden echten N. (Nardostachys Jatamansi Dec.). Aus der Wurzel dieser Pflanze (Nardenwurzel, Spiek oder Spiekanard) wurden die Nardensalbe, als ein kostbares Aroma im ganzen Altertum hochgeschätzt und ein Gegenstand des Luxus, und das kostbare Nardenöl bereitet. Die Wurzel riecht stark gewürzhaft, schmeckt bitter gewürzhaft und ist in Ostindien ein geschätztes Heilmittel. Auch die Wurzel von V. celtica wird noch jetzt von Triest aus nach dem Orient exportiert, wo man sie zu einer bei Bädern beliebten Salbe benutzt. Wilde N., s. Asarum.

Nardenbartgras, s. Andropogon.

Nardenöl, s. v. w. Grasöl; s. auch Narde.

Nardensame, s. Nigella.

Nardenwurzel, s. Geum.

Nardīni, Pietro, Violinspieler und Komponist, geb. 1722 zu Fibiana im Großherzogtum Toscana, Schüler Tartinis zu Padua, war 1762-67 Mitglied der Kapelle des Herzogs Karl Eugen von Württemberg und starb 7. Mai 1793 als Konzertmeister in Florenz. Als Virtuose glänzte er vorzüglich durch seinen gesangreichen Vortrag des Adagio. Von seinen mehr durch anmutige Melodik als durch Gedankentiefe ausgezeichneten Kompositionen für sein Instrument sind mehrere Sonaten (mit Klavierbegleitung) in die von David, Alard u. a. veranstalteten Sammlungen älterer Violinwerke aufgenommen.

Nardò (das alte Neritum), Stadt in der ital. Provinz Lecce, Kreis Gallipoli, 7 km vom Meerbusen von Tarent, an der Eisenbahn Zollino-Gallipoli, ist Sitz eines Bischofs, hat eine Kathedrale, ein altes Schloß und Ringmauern, Wein-, Tabaks- und Olivenbau und (1881) 8662 Einw.

Nardoo, s. Marsilia.

Nardus L. (Borstengras), Gattung aus der Familie der Gramineen, steife Gräser mit unterirdischem, kriechendem Wurzelstock, knotenlosem Halm, einseitswendiger Ähre, ziemlich kleinen, einblütigen Ährchen ohne Hüllspelzen und zugespitzter Deckspelze. N. stricta L., in ganz Europa, perennierend, mit blaugrünen, borstenförmigen, starren, fingerhohen Blättern, die einen festen Büschel bilden, und 30 cm hohem Halm, wächst auf dürrem Sande, den es bindet, ist aber eins der schlechtesten Futtergräser und auf gutem Wiesengrund ein lästiges Unkraut.

Narénta (bei den Alten Naro oder Narbo, slaw. Neretva), Fluß in Dalmatien, kommt vom Ingliavagebirge in der Herzegowina, betritt Dalmatien bei Metkovic und ergießt sich unterhalb Fort Opus, der Halbinsel Sabbioncello gegenüber, mit mehreren Mündungen, welche ein sumpfiges Delta bilden, ins Adriatische Meer (Kanal der N.). Der Fluß wird auf der 30 km langen Strecke seines Laufs durch Dalmatien (im ganzen ist er 180 km lang) mit Seeschiffen bis zu 150 Ton. Last befahren. Seit 1881 wird die Regulierung des untern Laufs der N. und die Entsumpfung des Narentathals von der österreichischen Regierung ausgeführt.

Nares (spr. nehrs), Sir George Strong, brit. Marineoffizier und Reisender, geb. 1831, machte 1852-54 Belchers arktische Expedition mit, diente im Krimkrieg und dann in verschiedenen Meeren und erhielt 1872 die Leitung der Challenger-Expedition (s. d.), die er bis Hongkong führte, um dann an die Spitze einer Nordpolexpedition zu treten. Er unternahm dieselbe 1875-76 mit zwei Dampfern: Discovery (Kapitän Stephenson) und Alert (Kapitän Markham), fuhr direkt in den Smithsund hinein und kam darin bis ca. 82½° nördl. Br., dem höchsten je von einem Schiff erreichten Punkt, wo Alert bei Kap Sheridan überwinterte, während Discovery schon am Eingang in den Lady Franklin-Sund Halt gemacht hatte. Von März 1876 an untersuchte Beaumont die West- und Nordküste von Hallland, dem mutmaßlichen Nordende von Grönland; Coppinger und Leutnant Fulford forschten am Petermann-Fjord, Leutnant Archer am Lady Franklin-Sund, Leutnant Aldrich an der Nordküste von Grantland, dem mutmaßlichen Nordende von Grinnellland;