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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Narrenkappe; Narrenkirchweih; Narrentracht; Narrheit; Narses; Narthecĭum; Narthex; Naruszewicz; Narvaez

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Narrenkappe - Narvaez.

turnalien (Calendae Januarii), bei denen die Diener von ihren Herren bedient wurden und die "verkehrte Welt" an der Tagesordnung war. Es ward, namentlich in Frankreich und Belgien, unter den ausgelassensten Aufzügen, üppigen Tänzen und Absingung unanständiger Lieder gefeiert und gipfelte in der Parodierung der gottesdienstlichen Handlungen in den Kirchen unter Vorsitz eines Narrenbischofs oder Narrenpapstes (vgl. Eselsfest). Man hatte besondere Zeremonienbücher oder Ritualien zu diesen Narrenfesten, von denen einzelne noch vorhanden sind. Schon seit 633 wurden sie von Päpsten, Bischöfen und Konzilen wiederholt verboten und verdammt; gleichwohl erhielten sie sich noch lange Zeit, und die theologische Fakultät zu Paris nahm sie sogar in Schutz. Erst 1544 erließ auch sie ein Verbot der Narrenfeste die in der Gesellschaft der Narrenmutter (confrérie ^[richtig: confrèrie] de la Mère folle) von Dijon fortlebten, worauf ein Parlamentsbeschluß zu Dijon 1552 dem Unfug vollends ein Ende machte. Vgl. Tilliot, Mémoires pour servir à l'histoire de la fête des fous (Lausanne 1741); Schneegans in Müllers "Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte" (1858).

Narrenkappe, s. Hofnarren.

Narrenkirchweih, s. Karneval.

Narrentracht, s. Hofnarren.

Narrheit (Fatuitas, Moria), s. v. w. Geistesschwäche, s. Idiotie.

Narses, Feldherr des Kaisers Justinian I., ein Armenier, Eunuch von kleinem Wuchs und schwachem Körper, aber von klarem, kräftigem Geist und großmütigem, uneigennützigem Charakter, kam als Kriegsgefangener in den Palast des Kaisers, schwang sich aber nach und nach zum Aufseher über die Archive, Oberkammerherrn, Privatschatzmeister und Günstling des Kaisers auf. Nachdem er sich schon beim Nika-Aufstand und in dem persischen Krieg ausgezeichnet, wurde er 538 mit 7000 Mann nach Italien gesendet, um Belisar (s. d.) gegen die Ostgoten zu unterstützen, entsetzte Ariminum, trennte sich aber, als Belisar Urbino belagerte, mit seinen Truppen von diesem, nahm Imola durch Überfall und eroberte einen Teil der Provinz Emilia. Als darauf infolge der Zwistigkeiten beider Feldherren Mailand an die Burgunder verloren ging, wurde N. 539 vom Kaiser zurückberufen, nach Belisars Abgang 552 aber aufs neue mit bedeutenden Streitkräften nach Italien geschickt, um den Fortschritten des Gotenkönigs Totilas Einhalt zu thun; er schlug diesen bei Tagina unweit Gubbio, nahm Spoleto, Narni, Perugia und Rom, besiegte 553 die Goten unter Tejas abermals in einer dreitägigen Schlacht am Laktarischen Berg in Kampanien und 554 die unter Buccelin und Leutharid in Italien eingefallenen Alemannen und Franken bei Casilinum, unterwarf seinem Kaiser die ganze Halbinsel und ward hierauf von Justinian zum Exarchen (Statthalter) Italiens ernannt. 567 durch Justinus II. dieser Stelle entsetzt, starb er bald darauf in Rom. Aus Rache gegen den Kaiser soll er die Langobarden unter Alboin, die 568 in Italien einfielen, herbeigerufen haben.

Narthecĭum Möhr. (Ährenlilie, Ährenrinse), Gattung aus der Familie der Liliaceen, Sumpfkräuter mit kriechendem Rhizom, zweizeiligen, schwertförmigen, reitenden Blättern, in Trauben stehenden Blüten mit einem seitlichen Vorblatt und vielsamiger, verkehrt-eilanzettlicher Kapsel. Vier Arten in der nördlichen gemäßigten Erdhälfte. N. ossifragum Huds. (Sumpfährenlilie, Knochenbrecher, Beinbrechgras, Beinheil), 10-30 cm hoch, mit innen gelben, außen grünen Blüten und glänzend rotgelben Kapseln, wächst ausdauernd in Europa auf Sumpfboden, besonders in den Heiden des nördlichen Deutschland, südlich auf Gebirgen und war früher als Wundmittel im Gebrauch. Für das weidende Vieh ist die Pflanze giftig.

Narthex (griech.), eine hoch wachsende Doldenpflanze (s. Ferula) mit knotigem und markerfülltem Stengel, in welchem Prometheus nach dem Mythus die Feuerfunken vom Himmel holte. Auch hießen so (Narthekion) die Kästchen oder Büchsen, welche zur Aufbewahrung wertvoller Gegenstände dienten; endlich im Mittelalter der Vorraum einer Kirche, wo Katechumenen, Büßende, Ketzer etc. ihren Platz hatten.

Naruszewicz (spr. -schéwitsch), Adam Stanislaw, poln. Dichter und Historiker, geb. 20. Okt. 1733 in Litauen, trat nach Beendigung seiner Studien auf der Universität Wilna 1748 in den Jesuitenorden, bereiste dann Deutschland, Frankreich und Italien und ward nach seiner Rückkehr Professor in Wilna, dann Vorsteher des Jesuitenkollegiums in Warschau. Nach Aufhebung seines Ordens wurde er zum Bischof von Smolensk, später (1790) von Luzk ernannt. Er starb 3. Juli 1796 in Janow am Bug. Sein Hauptwerk ist die freilich nur bis zum Aussterben der Piasten reichende "Geschichte des polnischen Volks" (1782-86; neue Ausg., Leipz. 1836, 10 Bde.). Außerdem veröffentlichte er eine Biographie des litauischen Feldherrn Chodkjewicz (1781; neue Ausg., Warsch. 1805, 2 Bde.) und eine Geschichte der Tataren. Unter seinen Dichtungen (neueste Aufl., Leipz. 1835, 3 Bde.) zeichnen sich nur die Idylle und Satiren durch poetischen Schwung aus.

Narvaez (spr. -wāeds), Don Ramon Maria N., Herzog von Valencia, span. Staatsmann, geb. 4. Aug. 1800 zu Loja in Andalusien als Sprößling eines altadligen Geschlechts, trat 1814 in die königliche Garde, schlug sich nach der Revolution von 1820 auf die Seite der Liberalen, wurde unter Mina in Katalonien verwundet und trat erst nach Ferdinands VII. Tod wieder in die Armee. Er that sich im Karlistenkrieg hervor, namentlich 1836 bei der Verfolgung des karlistischen Generals Gomez; bereits 1836 wurde er Brigadier, 1838 Generalkapitän von Altkastilien und Oberbefehlshaber einer Reservearmee. Bis 1840 stand er auf seiten Esparteros, zerfiel aber um diese Zeit mit ihm und schloß sich ganz der von der Königin Christine protegierten absolutistischen Kamarilla an, als deren eigentlicher Führer er zwei Jahrzehnte hindurch gelten konnte. Nach dem vergeblichen Versuch, Espartero 1841 durch Insurgierung des südlichen Spanien zu stürzen, mußte er nach Frankreich flüchten, von wo es ihm erst 1842, nachdem er in Valencia gelandet, glückte, sein Ziel zu erreichen und nach Madrid zurückzukehren. Nachdem er die Progressistenpartei, welche ihm beim Sturz Esparteros behilflich gewesen, beseitigt hatte, wurde er im Mai 1844 Ministerpräsident und Herzog von Valencia. An der Spitze der Moderados führte er nun ein reaktionäres Regiment ein. Indes wurde er doch schon 10. Febr. 1846 gestürzt und als spanischer Botschafter nach Paris gesandt. Kurze Zeit darauf wurde er wieder nach Madrid zurückberufen und an die Spitze des Ministeriums vom 4. Okt. 1847 gestellt. Jedoch die Königin Christine entzog ihm aufs neue ihre Huld, so daß N. sich genötigt sah, sein Portefeuille niederzulegen (10. Jan. 1851), um sich nach Frankreich zu begeben. Darauf war er vom Oktober 1856 bis Oktober 1857 und vom September 1864 bis Juni 1865 wieder Ministerpräsident. Bei dem Militäraufstand, der im Juni 1866 zu Madrid stattfand, kämpfte N. an