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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nasenbremse; Nasendouche; Nasenlaute; Nasenpolyp; Nash; Nashorn

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Nasenbremse - Nashorn.

Blutverluste herbeiführt; oder das N. ist habituell zur Zeit der Mannbarkeit und wird als Vorbote späterer Tuberkulose gefürchtet. In allen Fällen sind kleine Blutverluste leicht zu ertragen, man bekämpft sie am besten mit kalten Kompressen auf Stirn und Nase oder steckt einen Wattepfropf, mit reiner Gerbsäure bestreut, in jedes Nasenloch, hält den Kopf möglichst wenig vornüber, sondern gerade aufrecht. Bei größern Blutungen und namentlich, wenn diese erfahrungsmäßig oft wiederkehren, ist sofort durch einen Chirurgen die Tamponade (Verstopfung der Nasenhöhle) mittels der Bellocqschen Röhre vorzunehmen. Bei manchen Krankheiten, z. B. Typhus, Lungenentzündung, wird öfters der kritische Abfall von N. begleitet; dasselbe ist dabei als günstiges Symptom zu deuten und bedarf keiner Behandlung.

Nasenbremse, s. Bremen, S. 384.

Nasendouche, ein wassergefülltes Blechgefäß mit Gummischlauch und einem Ansatzrohr, welches ziemlich den Umfang eines Nasenlochs haben und am freien Ende abgerundet sein muß, um nicht zu verwunden. Bei der Anwendung der N. wird dies Rohr ins eine Nasenloch gebracht und der Kopf nicht ganz rechtwinkelig vornüber gebeugt. Die Stärke des Strahls ist bequem durch Heben und Senken des Gefäßes zu modifizieren; das einströmende Wasser fließt bei richtiger Kopfhaltung durch das andre Nasenloch ab. Die N. wird benutzt zum Ausspülen der Nase, zur Entfernung eingetrockneter katarrhalischer Sekrete oder, um direkt auf die frisch katarrhalisch affizierte Schleimhaut zu wirken. Am besten wählt man Wasser von 30° C., dem man etwa 1 Proz. Kochsalz zugesetzt hat, da reines und besonders destilliertes Wasser oft einen empfindlichen Reiz ausübt. Bei unvorsichtigem Gebrauch, z. B. beim Schreien oder Sprechen während des Douchens, kann Wasser in das Mittelohr geraten und krankhafte Prozesse hierhin übertragen. In der Ohrenheilkunde wird anstatt der N. daher meist ein größerer Gummiballon benutzt, durch welchen in ein Nasenloch, während das andre zugedrückt wird, mit Kraft ein Luftstrom eingeblasen wird. Während des Einblasens läßt man den Kranken das Gaumensegel anheben, indem man ihn Wörter wie Klara, Klapperstorch etc. laut aussprechen läßt.

Nasenlaute (Nasale), s. Lautlehre.

Nasenpolyp, eine weiche Geschwulst, aus Schleimgewebe bestehend, welche von der untern Nasenmuschel oder dem mittlern Nasengang auszugehen pflegt, daselbst mit einem Stiel aufsitzt und durch Behinderung der Atmung sowie durch starke Beeinträchtigung des Sprechens die operative Entfernung erheischt. Diese gelingt meist durch Herausziehen der weichen Masse und Abreißen von dem Mutterboden (vgl. Polyp).

Nash (spr. näsch), Thomas, engl. Dichter, geboren um 1564 zu Lowestoft in Suffolkshire, studierte auf dem St. John's College in Cambridge, führte dann in London ein joviales und ungebundenes Dichterleben und starb daselbst um 1600. Er hat sich vorzugsweise durch beißende Satiren (auf den Dichter G. Harvey und die Puritaner), außerdem durch dramatische, teils in Versen, teils in Prosa abgefaßte Dichtungen hervorgethan. Wir nennen von seinen zahlreichen Werken: "Return of the renowned cavaliero Pasquil of England" (1589); "Martin Month's mind" (1589); "Pasquil's apology" (1590); "The terrors of the night" (1594); die Komödie "Summer's last will and testament" (1592 aufgeführt); die mit Marlowe gemeinsam abgefaßte Tragödie "Dido" (1594); das (ungedruckte) satirische Stück "Isle of dogs", das ihm Gefängnisstrafe zuzog; "Pierce Penniless, his supplication to the devil" (1592, neue Ausg. 1842); "Christ's tears over Jerusalem" (1593, neuer Abdruck 1815) etc.

Nashorn (Rhinoceros L., hierzu Tafel "Nashorn"), Säugetiergattung aus der Ordnung der unpaarzehigen Huftiere, welche allein die Familie der Nashörner (Nasicornia) repräsentiert, große, plumpe Dickhäuter mit schmalem, auffallend gestrecktem Kopf, unverhältnismäßig kleinem Maul, auffallend kleinem Auge, mäßig großem Ohr und einem oder zwei hintereinander stehenden Hörnern auf dem vordern Gesichtsteil. Der Hals ist kurz, stärker als der Kopf, der Leib kräftig, in eine panzerartige Haut gehüllt, fast ganz oder größtenteils unbehaart. Die kurzen, wie beim Dachshund gekrümmten Beine sind ziemlich schmächtig, an den vorn und hinten dreizehigen Füßen ist der mittlere Huf etwa doppelt so breit als die beiden seitlichen. Der Schwanz ist kurz. Die Haut zerfällt oft in mehrere durch tiefe Falten getrennte Schilder, welche nur durch diese Falten eine gewisse Beweglichkeit erhalten. Die Hörner enthalten keinen Knochenkern, sondern ruhen nur auf der dicken Haut. Das Gebiß besteht aus sieben Backenzähnen in jedem Kiefer; Eckzähne fehlen, und die Schneidezähne durchbrechen entweder das Zahnfleisch gar nicht, oder fallen sämtlich oder zum Teil zeitig aus. Das indische N. (R. indicus Cuv.), 3,15 m lang, mit 60 cm langem Schwanz, 1,7 m hoch, mit verhältnismäßig kurzem Kopf, einem 55 cm hohen, mit der Spitze zurückgebogenen, kräftigen Horn, langen, spitzen, aufrecht stehenden Ohren und durch tiefe Falten in Schilder geteiltem, dunkel graubraunem, nacktem Hautpanzer, der mit hornartigen Warzenschildern bedeckt ist, bewohnt Vorderindien. Auf Java lebt ein kleineres, einhörniges, auf Sumatra ein großes, zweihörniges N. mit minder stark entwickelten Hautfalten. Auch Hinterindien und Malakka besitzen eine eigentümliche zweihörnige Art. Das afrikanische N. (R. africanus Camp.) ist 3,4 m lang, mit 60 cm langem Schwanz, 1,6 m hoch, hat eine glatte, dunkelbraune Haut und zwei Hörner, von denen das größere vordere 60-80 cm lang, nach rückwärts gebogen und zugespitzt ist. Es bewohnt Mittelafrika vom 18.° nördl. Br. bis 24.° südl. Br., und außer ihm kommen noch zwei Arten in Afrika vor. Alle Nashörner sind mehr oder weniger an das Wasser gebunden und leben am häufigsten in Wäldern in der Nähe von Sümpfen und Flüssen, an deren Ufern sie sich täglich im Schlamm wälzen. Sie schlafen am Tage, gehen nachts weit in die Steppen und Wälder hinein und brechen, gleich den Elefanten, durch die verschlungensten Dickichte schnurgerade Wege. Sie schweifen nicht wie die Elefanten umher, sondern verändern nur notgezwungen ihren Standort. Das N. frißt sehr große Mengen Kraut, Gras, Blätter, Zweige und Wurzeln. Es lebt meist einzeln oder in kleinen Trupps, bewegt sich zwar plump, aber ziemlich schnell und ausdauernd und schwimmt vortrefflich. Von Natur harmlos, zeigt es sich, wo es häufig verfolgt wurde, ungemein bösartig. Es flieht vor Hunden, aber gereizt, stürzt es in blinder Wut auf jeden Feind und wird dann durch seine furchtbare Körperkraft höchst gefährlich. Bei seiner großen Reizbarkeit fürchtet man es im allgemeinen mehr als den Elefanten, obwohl durchaus nicht alle Arten gleich bösartig sind. Das N. wirft nur ein Junges, welches eine rötliche, faltenlose Haut besitzt und erst nach acht Jahren Mittelgröße erreicht. Die Mutter säugt das Junge zwei Jahre und verteidigt es mit beispiellosem Grimm. Ein Vogel, der Madenhacker, ist der fort-^[folgende Seite]