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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nassau (Städte) - Naßfäule.

auf erschienen die Preußen in Wiesbaden und Biebrich und mit ihnen der bisherige Landrat von Wetzlar, v. Diest, welcher zum Zivilkommissar für N. ernannt worden war. Die Bevölkerung brachte in ihrer überwiegenden Mehrzahl ihre Abneigung gegen die frühere Regierung zum Ausdruck. Am 3. Okt. verfügte ein Patent des Königs von Preußen die Annexion des ehemaligen Herzogtums N. Dasselbe bildet seitdem mit Hessen-Homburg und Frankfurt a. M. den Regierungsbezirk Wiesbaden in der neuen Provinz Hessen-N. 1867 erhielt N. ein besonderes Konsistorium, das vom preußischen Oberkirchenrat unabhängig bleiben sollte. Am 22. Sept. 1867 schloß Preußen mit dem ehemaligen Herzog einen Abfindungsvertrag, in welchem derselbe für die Aufgabe seiner Ansprüche auf N. durch 15 Mill. Guld. nebst einigen Schlössern entschädigt wurde. Auch bleibt dem Herzog von N. für den Fall des Erlöschens der oranischen Linie (s. oben, S. 1020) die Anwartschaft auf Luxemburg. Vgl. v. Witzleben, Geschichte und Genealogie des Fürstenhauses N. (Stuttg. 1855); Hennes, Geschichte der Grafen von N. bis 1255 (Köln 1843); v. Schütz, Geschichte des Herzogtums N. (Wiesb. 1853); Keller, Geschichte Nassaus (Bd. 1: "Von der Reformation bis zum Anfang des Dreißigjähr. Kriegs", das. 1864; nicht fortgesetzt); Schliephake, Geschichte von N. (fortgesetzt von Menzel, das. 1866-87, Bd. 1-7); Derselbe, Von dem Ursprung des Hauses N. (das. 1857); "Annalen des Vereins für nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung" (das. 1827-87, Bd. 1-20); "Codex diplomaticus nassoicus", bearbeitet von Sauer (das. 1885 ff.).

Nassau, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Unterlahnkreis, an der Lahn und der Linie Frankfurt a. M.-Oberlahnstein-Lollar der Preußischen Staatsbahn, hat eine Kaltwasserheilanstalt, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Bierbrauerei, Sägewerke, Blei- und Silberbergbau und (1885) 1733 meist evang. Einwohner. - N. ist Geburtsort des Freiherrn vom Stein, neben dessen ehemaligem Wohnhaus (jetzt dem Grafen von Kielmansegg gehörig) ein von Stein zur Erinnerung an die Befreiungskriege erbauter gotischer Turm steht. Dabei auf einem Berg die Ruinen der Burg N. (der Stammburg des Hauses N.) und am Fuß desselben die Ruinen der Burg Stein (zuerst 1138 erwähnt) mit der 1872 errichteten kolossalen Marmorstatue des Freiherrn vom Stein (von Pfuhl). - 2) Hauptstadt der Bahamainseln im brit. Westindien, an der Nordküste der Insel New Providence, mit vorzüglichem, durch Forts geschütztem Hafen, lebhaftem Handel (namentlich mit den Vereinigten Staaten) und 8000 Einw. N. hat 6 Kirchen, ein Kranken- und ein Armenhaus, ein großes Hotel etc. und ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Nassau-Dillenburg, Ludwig, Graf von, s. Ludwig 43).

Nassau-Siegen, 1) Karl Heinrich Nikolaus Otto, Prinz von, russ. Admiral, Urenkel des vorigen, geb. 5. Jan. 1745, trat schon in seinem 15. Jahr in die französische Armee, in der er bis zum Dragonerrittmeister aufrückte, begleitete 1766-69 Bougainville auf seiner Reise um die Welt, nahm mit dem Rang eines Obersten der Infanterie wieder französische Kriegsdienste und machte sich vornehmlich 1779 durch seinen verunglückten Versuch, die Insel Jersey zu nehmen, bekannt. Im Krieg zwischen Spanien und England befehligte er die neuerfundenen schwimmenden Batterien. Der König Karl III. von Spanien erhob ihn zum Granden erster Klasse. Nach dem Frieden (1783) ging der Prinz nach Rußland, ward von Katharina II. zum Vizeadmiral ernannt und mit dem Kommando einer kleinen gegen die Pforte bestimmten Flottille auf dem Schwarzen Meer betraut, mit welcher er im Juni 1788 bei Otschakow die weit überlegene türkische Flotte fast vernichtete. 1789 erhielt er den Oberbefehl über die russische Flotte in der Ostsee, schlug mit dieser das schwedische Geschwader unter Gustav III. am 13. (24.) Aug. 1789 bei Smensksund und dann wieder am 22. Juni (3. Juli) 1790 an der Küste von Finnland, wurde aber durch einen unvorhergesehenen Angriff der Schweden schließlich mit Verlust zurückgeschlagen (9. Juli 1790). Die Kaiserin sandte ihn nach dem Frieden von Werälä an den Rhein, wo er den Kampf gegen das revolutionäre Frankreich organisieren helfen sollte. Nach Katharinas Tod begab er sich auf Reisen und kehrte nach dem Frieden von Amiens nach Frankreich zurück, wo er sich vergebens Napoleon zu nähern suchte. Hier starb er 10. April 1808.

2) Johann Moritz, Graf von, s. Johann 12).

Nassauischer Zivil- und Militärverdienstorden Adolfs von Nassau, gestiftet vom Herzog Adolf von Nassau 8. Mai 1858, mit Großkreuzen, Komturen erster und zweiter Klasse, Rittern und Inhabern vierter Klasse. Die Dekoration ist ein weiß emailliertes Kreuz mit acht Spitzen und der Herzogskrone, im weißen Mittelschild ein altdeutsches A mit der Kaiserkrone, umschlungen von goldenem Kranz und der Devise: "Virtute", auf der Rückseite: 1292 und 1858. Die Großkreuze und Komture erster Klasse tragen einen achtspitzigen Silberstern, die Militärpersonen erhalten den Orden mit Schwertern. Das Band ist blau mit Orangeeinfassung. Der Orden wurde 1866 aufgehoben.

Nasse, Erwin, Nationalökonom, geb. 2. Dez. 1829 zu Bonn, habilitierte sich 1854 daselbst als Privatdozent. Ostern 1856 zum Professor in Basel ernannt, wurde er im Herbst d. J. nach Rostock und von da 1860 nach Bonn berufen. Seine litterarischen Arbeiten gehören vornehmlich den Gebieten des Bank- und Steuerwesens, dann der Agrargeschichte an. Wir nennen: "Bemerkungen über das preußische Steuersystem" (Bonn 1861); "Die Preußische Bank" (das. 1866); "Über die mittelalterliche Feldgemeinschaft in England" (das. 1869); "Geld- und Münzwesen", in Schönbergs "Handbuch der politischen Ökonomie" (2. Aufl., Tübing. 1886); "Agrarische Zustände in England", in den "Schriften des Vereins für Sozialpolitik" (Bd. 27). 1869-78 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, in welchem er der freikonservativen Partei angehörte. Seit 1874 ist er Vorsitzender des Vereins für Sozialpolitik.

Nasser Weg, in der Chemie und chemischen Technik, auch in der Mineralogie das Verfahren, bei welchem mit Lösungen gearbeitet wird, im Gegensatz zum trocknen Weg, bei welchem man das Ziel durch Erhitzung, Rösten und Schmelzen mit oder ohne Zuschläge erreicht.

Naßfäule (Rotz), eine Krankheit der Kartoffel, bei welcher dieselbe schon im Acker oder in den Aufbewahrungsräumen einen weichen, breiartigen, höchst übelriechenden gelben Inhalt besitzt. Bei trockner Aufbewahrung der Kartoffeln kann der von einem nur kleinen Herd ausgehende Verjauchungsprozeß sistiert werden, die eintrocknende Kartoffel enthält dann Löcher, welche häufig mit gelben oder violetten Pilzmassen ausgekleidet sind, und das fest gebliebene Gewebe wird zunderartig locker, während sich auf der Schale weißliche, dichte, etwas fleischige Pilzpolster zeigen. Derartige Knollen heißen trockenfaul, und die N. ist daher nur der nasse Zustand der Trockenfäule (s. d.).