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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Neidenburg; Neidhart von Reuenthal; Neidnagel; Neigung; Neinstedt; Neipperg

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Neidenburg - Neipperg.

gefertigt, welchem nach seiner Heimkehr eine Reihe mythologischer Darstellungen folgte, unter denen Psyche von Charon über den Styx geführt (1873, Museum zu Königsberg), Orpheus und Eurydice (1876) und Szenen aus der "Odyssee" für das Gymnasium zu Insterburg hervorzuheben sind. Eine völlige Umwandlung seiner bisherigen Richtung in der Wahl der Stoffe sowohl als in der koloristischen Behandlung bezeichnen zwei 1886 ausgestellte Genrebilder: am Orte der That (die Auffindung der Leiche eines Ermordeten) und die Lebensmüden, welche den Künstler erst in weitern Kreisen bekannt gemacht haben. Er ist Professor an der Kunstakademie zu Königsberg.

Neidenburg, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, an der Neide, 170 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine neue Synagoge, ein Ordensschloß, eine höhere Bürgerschule, ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt, Branntweinbrennerei, Maschinen- und Kupferwarenfabrikation, Dampfmahl- und Schneidemühlen und (1885) 4300 meist evang. Einwohner. N. erhielt 1353 Stadtrecht.

Neidhart von Reuenthal, einer der bedeutendsten und fruchtbarsten deutschen lyrischen Dichter des Mittelalters, Sprößling eines adligen Geschlechts aus Bayern, nachher aber in Österreich lebend, dichtete zwischen 1210 u. 1240 und war der Gründer der Art des Minnegesangs, welche Lachmann als "höfische Dorfpoesie" bezeichnet, indem er in seinen Liedern vornehmlich das hoffärtige Treiben und die derbere Liebesweise der Bauern mit geistreich humoristischer Laune schilderte. Mißbräuchlich wurde er später unter dem Namen Neidhart Fuchs als eine Art Hofnarr des österreichischen Herzogs Otto des Fröhlichen dargestellt, während überhaupt in lyrischer Form erzählte Bauernschwänke schlechthin den Namen Neidharte erhielten. Eine noch dem 13. Jahrh. angehörige Sammlung seiner Lieder befindet sich auf Schloß Riedegg und wurde von Benecke in den "Beiträgen zur Kenntnis der altdeutschen Sprache etc.", Bd. 2 (Götting. 1832), herausgegeben. Eine neuere kritische Ausgabe veranstaltete Haupt (Leipz. 1858). Vgl. v. Liliencron, Über Neidharts höfische Dorfpoesie (in Haupts "Zeitschrift für deutsches Altertum", Bd. 6, Leipz. 1848); Wilmanns (das., Bd. 21); Schmolke, Leben und Dichten Neidharts etc. (Programm, Potsd. 1875).

Neidnagel, s. Niednagel.

Neigung kommt mit der Begierde (s. d.) darin überein, daß sie, wie diese, auf ein Abwesendes gerichtet, mit dem Trieb (s. d.), daß sie, wie dieser, bleibend ist; sie unterscheidet sich aber von letzterm dadurch, daß der Grund ihres Beharrens nicht, wie bei diesem, natürlich (in der Natur des leiblichen Organismus gelegen, angeboren), sondern künstlich (durch wiederholte Befriedigung desselben Begehrens entstanden, erworben), von der Begierde dadurch, daß sie nicht selbst Begehren, sondern bloß vorhandene Disposition zu solchem ist. Wird die letztere so stark, daß sie von der Wirkung des Triebes nicht mehr zu unterscheiden ist, so geht die N. in Hang, verschmäht sie zur Befriedigung selbst unerlaubte Mittel nicht, in Sucht (s. Leidenschaft) über.

Neigung (Inclinatio), schiefe Stellung eines in die Höhe gerichteten Körpers, seitwärts gerichtete Senkung eines solchen; in der Mathematik Abweichung einer Ebene von der Horizontalen, die durch den Winkel, den die geneigte Ebene mit der horizontalen bildet (Neigungs- oder Böschungswinkel), gemessen wird; dann die nicht parallele Lage zweier gerader Linien in einer Ebene oder zweier Ebenen oder auch einer geraden Linie und einer Ebene gegeneinander. N. der Magnetnadel ist der Winkel, welchen die um eine horizontale Achse in der Ebene des magnetischen Meridians drehbare Nadel (Inklinationsnadel) mit der horizontalen Ebene bildet.

Neinstedt, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Aschersleben, an der Bode und an der Linie Wegeleben-Thale der Preußischen Staatsbahn, hat eine schöne, neue Anstalts- und eine alte Kirche, eine große Blödsinnigenanstalt (Elisabethstift), eine Rettungsanstalt (Lindenhof) für verwahrloste Kinder und (1885) 1240 evang. Einwohner.

Neipperg, altes, ehemals reichsunmittelbares Rittergeschlecht in Schwaben, dessen Stammschloß N. im ehemaligen Kraichgau liegt, ward 1734 von Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben und erhielt 1766 Sitz und Stimme in dem schwäbischen Grafenkollegium, besitzt gegenwärtig die Standesherrschaft Schwaigern und mehrere andre Güter unter württembergischer und badischer Hoheit, hat standesherrliche Rechte und den Titel Erlaucht. Vgl. Klunzinger, Die Edeln von N. (Stuttg. 1840). Die Fürsten von Montenuovo (Neuberg) sind ein Seitenzweig der N. Die namhaftesten Sprößlinge des Geschlechts sind:

1) Wilhelm Reinhard, Graf von, geb. 27. Mai 1684, Sohn des kaiserlichen Feldmarschalls Freiherrn Eberhard Friedrich von N. (1655-1725), trat 1702 in kaiserliche Dienste und ward 1717 Oberst eines Infanterieregiments, zeichnete sich im Türkenkrieg 1716 bei Temesvár und 1717 bei Belgrad aus, ward 1723 Generalmajor und Erzieher des Herzogs Franz Stephan von Lothringen, nachherigen Kaisers Franz I., und nachmals dessen vertrauter Freund. 1730 wurde er Kommandant von Luxemburg, machte 1733 als Feldmarschallleutnant den Krieg in Italien mit, ward 1735 Feldzeugmeister, 1737 Gouverneur von Temesvár und focht im Türkenkrieg. Am 1. Sept. 1739 schloß er ohne Vollmacht übereilterweise den ungünstigen Frieden von Belgrad ab, ward dafür zu Festungshaft verurteilt, erhielt dann 1741 den Oberbefehl in Schlesien gegen Friedrich II., verlor aber 10. April die Schlacht bei Mollwitz, worauf er abberufen ward. 1743 wohnte er zwar der Schlacht bei Dettingen bei, begab sich aber bald wieder nach Wien und ward 1753 kommandierender General in Österreich, 1755 Hofkriegsratspräsident; starb 26. Mai 1774 in Wien.

2) Adam Albert, Graf von, Enkel des vorigen, Sohn des Erfinders der Kopiermaschine, Grafen Leopold Jos. von N. (1728-92), geb. 8. April 1775, wurde auf der Karlsschule in Stuttgart erzogen, trat 1790 in den österreichischen Militärdienst und focht im französischen Revolutionskrieg in der Rheinarmee bei Jemappes und Neerwinden, wurde 14. Sept. 1794 bei Doelen schwer verwundet, nahm an dem Angriff auf die Mainzer Linien (Okt. 1795) teil und zeichnete sich sodann in Italien 1796-1801 vor Mantua, in Tirol, bei Cassano, Novi, Marengo und am Mincio aus; 1805 kämpfte er in Italien, stand 1809 bei dem Korps des Erzherzogs Ferdinand und avancierte zum Generalmajor. Von 1811 bis 1813 war er österreichischer Gesandter am schwedischen Hof. 1813 focht er an der Spitze einer Brigade bei Reichenberg, bei Stolpen und bei Leipzig und ward 20. Okt. 1813 zum Feldmarschallleutnant befördert. Im Dezember ging er nach Neapel, schloß daselbst 14. Jan. 1814 den Allianztraktat mit König Murat, rückte am 23. in die Lombardei ein und erhielt 20. Juni eine Division in der Gegend von Pavia. Seit Juli begleitete er die