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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Neïth; Neithard; Neiva; Neiwa; Nekrassow; Nekrobiose; Nekrokaustie; Nekrolatrie; Nekrologien; Nekromantie

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Neith - Nekromantie.

Güter in Preußen für Staatseigentum erklärt worden sind, bildet das Fürstentum mit 1240 qkm (22,5 QM.) die Kreise N. und Grottkau des Regierungsbezirks Oppeln. Der österreichische Teil des Fürstentums, 880 qkm (16 QM.), ist noch im Besitz des Bischofs von Breslau und das Städtchen Jauernig nebst dem dabei gelegenen Schloß Johannisberg Sitz der fürstbischöflichen Regierung.

Neïth (Neïtha), ägypt. Göttin, in den Inschriften "Urmutter der Sonne", "Mutter der Götter" genannt, wurde vorzüglich in Sais verehrt und von den Griechen mit Athene verglichen. Sie wird mit der unterägyptischen Krone dargestellt, mitunter trägt sie Bogen und Pfeile. Sie hatte ohne Zweifel mit Ptah (s. d.) verwandte Bedeutung, indem sie in weiblicher Form das Prinzip der schaffenden Naturkraft vertrat. Ihr zu Ehren wurde alljährlich in einer bestimmten Nacht das von Herodot geschildert Lampenfest gefeiert, bei welchem brennende Lampen durch ganz Ägypten leuchteten, vielleicht eine Symbolisierung der Geburt des Lichts aus dem Dunkel.

Neithard (Neithardt), Heinrich August, Komponist, geb. 10. Aug. 1793 zu Schleiz, erhielt seine musikalische Ausbildung durch den dortigen Hoforganisten Ebhardt und wurde 1816, nachdem er den französischen Krieg als Freiwillige mitgemacht, zum preußischen Militärkapellmeister ernannt. Als solcher wirkten an verschiedenen Regimentern äußerst erfolgreich bis 1840, wo er den Militärdienst verließ. Mittlerweile war er durch seine Komposition des Liedes "Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?" so populär geworden, daß ihm Friedrich Wilhelm III. den Musikdirektortitel verlieh. Noch mehr wurde N. von dessen Nachfolger durch die Ernennung zum Direktor des 1843 begründeten Berliner Domchors geehrt, der sich unter seiner Leitung glänzend entwickelte. N. starb 18. April 1861. Von seinen zahlreichen Vokal- und Instrumentalkompositionen hat nur das erwähnte Lied Verbreitung gefunden.

Neiva (Concepcion del Valle de N.), Hauptstadt des Departements Tolima der südamerikan. Republik Kolumbien, am Magdalenenstrom, 437 m ü. M., hat eine höhere Schule, ein Lehrerseminar und (1870) 8332 Einw., welche Hüte, Hängematten, Zeug- und Töpferwaren verfertigen und Handel mit Landesprodukten treiben. Seit 1875 befährt der Dampfer Moltke den Magdalenenstrom unterhalb N. bis zu den Stromschnellen.

Neiwa (Newja), Fluß im russ. Gouvernement Perm, entspringt am östlichen Abhang des Urals, auf dem Berg Bakaljskaja, durchströmt im obern Lauf eine Reihe von Seen und verbindet sich nach 268 km langem, gewundenem Lauf mit dem Resh, mit dem zusammen sie die Nizza (System des Tobol) bildet. Bekannt ist die N. durch die vielen an ihren Ufern gelegenen Eisenwerke und Gießereien.

Nekrassow, Nikolai Alexejewitsch, bedeutender russ. Dichter, geb. 22. Nov. (a. St.) 1821 im Gouvernement Podolien, Sohn eines Offiziers, kam mit 13 Jahren auf das Gymnasium in Jaroslaw und ging von hier 1839 nach Petersburg, um sich nach dem Wunsch des Vaters der militärischen Laufbahn zu widmen, zog es jedoch vor, zu studieren, und besuchte einige Jahre die Vorlesungen als freier Zuhörer. Da unterdessen einige von ihm veröffentlichte litterarische Versuche sich viel Beifall erworben hatten, widmete er sich ganz der litterarischen Laufbahn und erwarb in Gemeinschaft mit dem Schriftsteller Panajew 1847 das Journal "Der Zeitgenosse" ("Sovremmenik"), welches durch ihn zu der gelesensten Zeitschrift in Rußland erhoben wurde. Nach Unterdrückung desselben im April 1866 trat er (1868) in die Redaktion der Monatsschrift "Vaterländische Annalen", bei welcher er bis zu seinem nach schwerer Krankheit 27. Dez. (a. St.) 1877 erfolgten Tod verblieb. N. gehörte zu den Heroen der modernen russischen Litteratur; er war ein Lyriker von Gottes Gnaden, dessen durch hinreißende Tiefe der Empfindung ausgezeichnete Poesien in den 50er und 60er Jahren den sozialen Ideen und Bestrebungen der Nation zum gewaltigen Ausdruck gedient haben. Als besonders charakteristisch sind von seinen Dichtungen anzuführen: "Im Dorf", "Vor dem Regen", "Das vergessene Dorf", "Im Hospital", "Troika", "Ein sittlicher Mensch", "Die Heimat", "Letzte Gesänge" etc. sowie die größern Poeme: "Die Bauernkinder", "Die Korbflechter", "Russische Frauen", "Der Frost" und die "Helden der Zeit". Nekrassows Werke sind in mehreren Auflagen erschienen, zuletzt in einem Band (Petersb. 1884). Eine deutsche Übersetzung derselben begann A. Kocher (Leipz. 1885-88, Bd. 1 u. 2); eine Auswahl veröffentlichte Jessen ("Dichtungen von Graf Tolstoi und Nik. N.", russ. u. deutsch, Petersb. 1881). Vgl. Golubew, Nik. Alex. N. (russisch, Petersb. 1879).

Nekrobiose (griech.), alle diejenigen degenerativen Metamorphosen, welche die völlige Vernichtung der Zellen herbeiführen, wobei die abgestorbenen Teile in geschrumpftem und trocknem, der Fäulnis unzugänglichem Zustand im Gesunden liegen bleiben. Vgl. Urzeugung.

Nekrokaustie (griech.), Totenverbrennung.

Nekrolatrie (griech.), Totendienst.

Nekrologien (griech., "Totenbücher"), im Mittelalter die Kalender der geistlichen Stifter und Klöster, in welche die Sterbetage derjenigen Personen eingetragen wurden, deren Andenken man durch Einschließung in die öffentliche Fürbitte ehren wollte. Dazu gehörten außer den Heiligen und Märtyrern die Päpste, Kaiser und Könige, die Landesherrn, Metropolitan- und Diözesanbischöfe, die Äbte und Äbtissinnen, die Stiftspröpste und Ordensmitglieder etc.; die Hauptstelle aber nahmen die Stifter mit ihren Familien und die Wohlthäter (benefactores) ein, welche Schenkungen gemacht oder Seelenmessen gestiftet hatten. Eine der ältesten N. ist die der Abtei Lorch aus dem 8. Jahrh. In neuerer Zeit bezeichnet man mit Nekrolog die Biographie einer kürzlich verstorbenen Person von Bedeutung, insbesondere seit Schlichtegrolls (s. d.) Vorgang eine Sammlung solcher Biographien.

Nekromantie (griech., "Totenorakel"), im Altertum eine Art der Mantik (s. d.), bei welcher man Abgeschiedene zurückrufen zu können vorgab, um sie über die Zukunft zu befragen. So ließ König Saul den Schatten Samuels durch eine Zauberin aus dem Scheol heraufbeschwören (1. Sam. 28, 7 ff.), und im 11. Buch der "Odyssee" beschwört Odysseus den Geist des Sehers Teiresias aus der Unterwelt herauf. Bestimmte Örtlichkeiten, namentlich wilde Schluchten in vulkanischen Gegenden, die für Eingänge in die Unterwelt galten, mit heißen Mineralquellen oder Dunstgrotten, bei denen man Tempel des Hades und der Persephone errichtete, bildeten das Lokal für diese Totenorakel. Als Haupterfordernis galt bei der N. warmes Tierblut, von welchem die Schatten schlürften, um dadurch die Kraft zu erhalten, dem Fragenden Rede zu stehen. N. hieß bei den Griechen auch das zu diesem Zweck vollzogene Totenopfer. In Thessalien artete die N., auch Skiamantie und Psychomantie (Wahrsagen der Schatten oder ab-^[folgende Seite]