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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nemausus - Nemours.

Nemausus, Stadt, s. Nîmes.

Neméa, kleines Thal in Argolis, südwestlich von Korinth, zwischen Kleonä und Phlius, im Altertum berühmt durch das Heiligtum des nemeischen Zeus, in dessen Hain in jedem zweiten Jahr (Nemeade), und zwar im Frühling des zweiten und im Herbste des vierten Jahrs jeder Olympiade, die Nemeischen Spiele (Nemeen) gefeiert wurden. Die Zählung der Nemeaden beginnt mit dem Jahr 576 v. Chr.; doch führte die Sage die Stiftung der Nemeen schon auf die Sieben gegen Theben oder auf Herakles zurück, der hier den nemeischen Löwen überwunden hatte, dessen angebliche Höhle noch jetzt gezeigt wird. Die Einrichtung der Spiele scheint sich von der der berühmtern Olympischen und Isthmischen nicht unterschieden zu haben; der Siegeskranz war von Eppich. Die Leitung derselben hatte Kleonä, später Argos, nach welcher Stadt unter römischer Herrschaft die ganze Feier übertragen wurde, abwechselnd mit Korinth. Vgl. Krause, Die Pythien, Nemeen und Isthmien (Leipz. 1841); Droysen im "Hermes" (Bd. 14, S. 1 ff.).

Nemertinen (Schnurwürmer), s. Platoden.

Nemesĭanus, Marcus Aurelius Olympius, röm. Dichter aus Karthago, lebte um 280 n. Chr. Wir besitzen von ihm die ersten 425 Verse eines Gedichts über die Jagd: "Cynegetica" (hrsg. von Haupt, Leipz. 1838), und vier Eklogen, in welchen er den Calpurnius (s. d.) stark ausgenutzt hat. Ausgaben von Weber (Götting. 1842), Bährens (in "Poetae latini minores", Bd. 3, Leipz. 1881) und Schenkl ("Calpurnii et Nemesiani opera", Prag 1885); Übersetzung von Müller (Leipz. 1832).

Nemesĭos, Bischof von Emesa in Phönikien, um 400 Verfasser einer Schrift "Über die Natur des Menschen", in welcher er die Präexistenz der Seele (nach Platon) und die Ewigkeit der Welt (nach Aristoteles) lehrt und die Annahme der Willensfreiheit gegen den Fanatismus verteidigt, herausgegeben Antwerpen 1565, von Matthäi (Halle 1802) und lateinisch von Holzinger (Prag 1887), deutsch von Osterhammer (Salzb. 1819).

Nemĕsis (griech.), dem Wortsinn nach s. v. w. Rechtsgefühl; dann in der Mythologie als Personifikation die Göttin des Gleichmaßes, welche darüber wacht, daß das Gleichgewicht der sittlichen Weltordnung nicht gestört, sondern Glück und Unglück dem Menschen nach Gebühr zugeteilt werde. Hieraus entsprang später (bei den Tragikern) die Vorstellung von einer Rächerin und Bestraferin aller menschlichen Frevel und Verbrechen, wodurch N. mit Ate (s. d.) und den Eumeniden oder Erinnyen (s. d.) verwandt wird. Adrastos sollte ihr das erste Heiligtum errichtet haben, weshalb sie Adrasteia hieß. Am berühmtesten war ihr Kult zu Rhamnus in Attika. Von der bildenden Kunst wurde die N. je nach der Auffassung verschieden dargestellt. In älterer Zeit ist ihr eine an Aphrodite erinnernde Gestalt gegeben worden, so in der berühmten Marmorstatue des Agorakritos zu Rhamnus in Attika. Auf ihre Bedeutung als die milde Göttin des Gleichmaßes aller Dinge spielte der erhobene, das Gewand am Zipfel fassende Arm an, womit das Ellenmaß bezeichnet wurde. Als die strenge Rächerin menschlicher Frevelthaten dagegen fährt sie geflügelt auf einem von Greifen gezogenen Wagen daher, ein Schwert oder eine Geißel haltend. Auch auf dem Kapitol war ihr eine Statue errichtet. Vgl. Walz, De Nemesi Graecorum (Tübing. 1852).

Nemet (ungar.), "deutsch", kommt in vielen ungarischen Ortsnamen vor.

Nemi, Dorf in der ital. Provinz Rom, in reisender Gegend auf einem Vorberg des Albanergebirges über dem Lago di N., an der Stelle eines im Altertum berühmten Tempels der Diana gelegen, von welchem durch Ausgrabungen in neuester Zeit Baureste bloßgelegt worden sind, hat ein altes Schloß der Frangipani und (1881) 917 Einw. Der See füllt einen Krater aus, liegt 325 m ü. M. und hat eine Fläche von 280 Hektar. N. ist nach einem der Diana geweihten Hain (nemus) genannt.

Nemirow (poln. Niemirow), Flecken im russ. Gouvernement Podolien, Kreis Braclaw, hat eine lutherische, eine griechisch-katholische und eine römisch-kath. Kirche, eine Gymnasium, etwas Tuchfabrikation und 5419 Einw. In der Nähe das Nikolajewsche Nonnenkloster und 1 km weiter die ein Viereck bildenden Erdwälle der alten Stadt Mirow. Hier im Juni und Juli 1737 Kongreß zwischen den Russen und Österreichern einer- und den Türken anderseits.

Nemo (lat.), niemand; ein N., s. v. w. ein unbedeutender Mensch.

Nemo ante mortem beātus (lat.), "Niemand ist vor dem Tode glücklich", Ausspruch, den nach Herodot Solon vor Krösos gethan haben soll.

Nemonīen, Fluß im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, entsteht in den Waldungen der Tilsiter Niederung, wird 14 km unterhalb Petricken schiffbar, vereinigt sich mit der ebenfalls schiffbaren Laukne (im Oberlauf Arge genannt) und mündet, 125 m breit, bei dem Dorf N. in die südöstliche Ecke des Kurischen Haffs. Er ist wichtig als schiffbares Verbindungsglied zwischen Memel (Gilge) und Pregel (Deime), da von der Gilge der Seckenburger Kanal und von der Deime der Große Friedrichsgraben zu ihm führen.

Nemophĭla Benth. (Triftenfreund), Gattung aus der Familie der Hydrophyllaceen, einjährige Kräuter in Kalifornien, von denen mehrere Arten und Spielarten als Zierpflanzen kultiviert werden, z. B. N. maculata Benth., mit weißen, inwendig schwarz punktierten Blumen; N. insignis Lindl., mit großen, himmelblauen, im Grund weißen Blumen, die schönste Art.

Nemoralĭen (lat.), Wald- und Hainfeste.

Nemorhoedus, s. Antilopen, S. 639.

Nemours (spr. nömuhr), 1) Stadt im franz. Departement Seine-et-Marne, Arrondissement Fontainebleau, am Loing, dem Loingkanal und an der Eisenbahn Paris-Nevers, mit altem Schlosse, Stadthaus mit Bibliothek, Hutfabrikation, Messerschmieden und (1881) 4268 Einw. Geschichtlich denkwürdig ist N. durch die hier 7. Juli 1585 zwischen König Heinrich III. und der Liga geschlossene Übereinkunft gegen die Hugenotten, das Edikt von N. genannt. 1404 ward die Stadt N. nebst Gebiet zu gunsten der Grafen von Evreux zum Herzogtum und zur Pairie erhoben. Nachdem die Besitzungen 1425 wieder an die Krone gekommen waren, stellte König Ludwig XI. die Herzogswürde von N. zu gunsten Jacques' d'Armagnac, Grafen von La Marche, wieder her (1461). Im J. 1503 fiel N. abermals der Krone zu, worauf Ludwig XII. das Herzogtum 1507 seinem Vetter Gaston von Foix und nach dessen Ableben (1512) Julian von Medici, dem Gemahl seiner Tante Philiberte von Savoyen, gab. 1528 schon wieder erledigt, ward es von Franz I. an Philipp von Savoyen, den Bruder seiner Mutter, verliehen. Die weiblichen Nachkommen des in männlicher Linie 1659 ausgestorbenen Hauses Savoyen-N. verkauften es 1666 an Ludwig XIV., welcher es der Familie Orléans verlieh,