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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Neokoren - Nepal.

Neokoren (griech., "Tempelwärter"), in Griechenland Beamte, welche die Aufsicht über einen Tempel führten; unter den römischen Kaisern, zu deren Vergötterung die N. als Priester eingesetzt wurden, war ihr Amt ein Ehrenamt. Auch ganze Städte, besonders im Orient, erhielten auf Münzen und in Inschriften den Titel N., wenn sie dem Kaiser bei sich einen Tempel errichtet hatten.

Neolithisches Zeitalter, s. Steinzeit.

Neologie (griech.), Sprachneuerung, besonders wenn sie in unnötiger Einführung neuer Wörter, Redensarten und Redewendungen (Neologismen) besteht; dann jede andre Neuerung, gewöhnlich mit der Nebenbedeutung des Unnützen oder Verderblichen.

Neophobie (griech.), Scheu vor Neuerungen.

Neophron, s. Geier.

Neophyten (griech., "Neugepflanzte"), die in einen Geheimbund, z. B. in die Eleusinischen Mysterien, neu aufgenommenen Mitglieder; in der alten Kirche die Neugetauften, welche nach der gewöhnlich in der Osterzeit vollzogenen Taufe bis zum Sonntag Quasimodogeniti weiße Kleider trugen; später die in einen Mönchsorden etc. Neuaufgenommenen.

Neoplásma, s. v. w. Neubildung, s. Geschwülste.

Neoplatonismus, s. Neuplatonismus.

Neoptolĕmos (Pyrrhos), Sohn des Achilleus und der Deidamia, wurde bei seinem Großvater Lykomedes auf der Insel Skyros erzogen und, nachdem der Wahrsager Helenos erklärt hatte, daß Troja ohne N. und Philoktet nicht erobert werden könne, von Odysseus herbeigeholt und mit den Waffen seines Vaters versehen. N. war nächst Memnon der schönste Held vor Troja, ein gewandter Redner und mutiger Kämpfer. Bei der Eroberung der Stadt tötete er den Priamos, stürzte den Astyanax vom Turm und opferte Polyxena auf dem Grab seines Vaters. Bei der Verlosung der Gefangenen fiel ihm Andromache zu. Nach Homer kehrte er mit den Myrmidonen in die Heimat zurück und vermählte sich mit des Menelaos Tochter Hermione (s. d.), ward aber in Delphi auf Befehl der Pythia oder auf Antrieb des Orestes erschlagen.

Neoptolĕmus (Morpho Neoptolemus L.), ein 16 cm breiter Schmetterling aus der Familie der Tagfalter, ist auf der Oberseite azurblau, metallglänzend und sehr lebhaft opalisierend, mit schwarzer Randeinfassung, auf der Unterseite braun mit gelblichgrauen Zackenlinien und weiß gekanteten Augenflecken. Zu dieser auf Südamerika beschränkten Gattung, welche durch sehr kleine, pinselförmige Vorderbeine beim Männchen, kurze, dünne Fühler mit zarter Keule, zusammengedrückte Taster mit kleinem, kegelförmigem Endglied und große, nackte Augen charakterisiert ist, gehören noch mehrere sehr glanzvoll gefärbte Arten von zum Teil mehr als 18 cm Flügelspannung, welche in den Lichtungen der brasilischen Wälder meist 6 m über dem Boden sich tummeln und höchstens nach Gewitterregen zur Erde kommen. S. Tafel "Schmetterlinge I".

Neorāma (griech.), zum Unterschied vom Diorama (s. d.) und vom Panorama (s. d.) diejenige Vorrichtung, wodurch man von einem Punkt in der Mitte aus ein Rundgemälde, das Innere eines Gebäudes darstellend, von Figuren belebt, bei wechselnder Beleuchtung sieht. Der Franzose Alleux erfand diese Vorrichtung und stellte 1827 das erste Bild dieser Art, das Innere der Peterskirche zu Rom, in einem eigens dazu errichteten Gebäude aus.

Neosho, Dorf im Südwesten des nordamerikan. Staats Missouri, inmitten eines Bleireviers, mit 1631 Einw.

Neotĕrismus (griech.), Neuerungssucht, besonders auf staatlichen und sprachlichem Gebiet; neoterisch, neuerungssüchtig, auf Neuerungen bedacht.

Neotragus, Windspielantilope, s. Antilopen, S. 639.

Nepal (Nipal), unabhängiges Reich im Himalaja und an dessen südlichem Abhang gelegen (s. Karte "Ostindien"), einer der Himalajastaaten (s. d.), der sich in einer Länge von über 700 und einer Breite von 125 km zwischen 26° 25'-30° 17' nördl. Br. und 80° 6'-88° 14' östl. L. v. Gr. hinzieht und im Norden von Tibet, im O. von Sikkim, im übrigen von den britisch-indischen Provinzen Bengalen und Nordwestprovinzen und Audh begrenzt wird, umfaßt 247,000 qkm (2670 QM.) mit einer Bevölkerung, die verschieden, auf 2-5,6 Mill., geschätzt wird. Das mächtige Rückgrat des Himalaja begleitet N. an seiner nördlichen Grenze, und hier reihen sich die höchsten Berge des Systems (Kantschindschinga 8582, Gaurisankar 8839, Dhawalagiri 8176 m) dicht aneinander, während fast der ganze Gebirgszug über die Grenze des ewigen Schnees hinausreicht. Nach W. zu ist es eine dem Hauptkamm parallele Kette, welche die Grenz- und Wasserscheide gegen das Gebiet des Sanpu fortsetzt. Sämtliche Flüsse, unter denen die Gandak und die Maha Koschi die wichtigsten sind, fließen zum Ganges ab. Das Relief des Bodens zeigt die gewaltigsten Unterschiede, welche wir auf der Erde kennen; die vertikale Entfernung zwischen den höchsten Berggipfeln und den niedrigst gelegenen Regionen übersteigt 8000 m. Diese niedrigen Gegenden sind das sumpfige, dicht bewaldete und höchst ungesunde Tarai, welches die Grenze gegen Britisch-Indien in einer Breite von 20-50 km begleitet. Das Klima ist bei der großen Verschiedenheit der Höhenlage naturgemäß kein einheitliches, das der Hauptstadt Kathmandu (1327 m ü. M.) und andrer ähnlich gelegener Orte gleicht dem von Neapel (16,5° C.), das Tarai dagegen hat feuchte Hitze. Die Vegetation ist ebenso mannigfaltig; in den Bergen wachsen Eichen, Walnußbäume, Kastanien, Tannen, Fichten, in der Ebene die harten und wertvollen Bauhölzer Indiens. Kirsch-, Birn-, Lorbeerbäume, die Theepflanze und der Oleander wachsen wild. Ackerbau wird zwar eifrig, aber ohne den Pflug, nur mit Hacke und Spaten, betrieben. An den steilern Bergen sind mit großer Mühe Terrassen angelegt worden, deren jede ihre besondere Ernte trägt. Je nach der Lage baut man Ananas, Zuckerrohr, Mohn zur Opiumgewinnung, Tabak, Reis (die Hauptnahrung), Pfeffer, Ingwer, Mais oder Weizen, Kartoffeln, Gerste, Hirse. Nicht selten gewinnt man drei Ernten im Jahr. Die Tierwelt ist vertreten durch Tiger, Leoparden, Rhinozerosse (im Tarai), Elefanten, Hirsche u. a.; gezüchtet werden viele Schafe von bedeutender Größe und mit feiner Wolle, die in Herden regelmäßig die Sommerweiden mit den Winterweiden vertauschen. Der Mineralreichtum des Landes scheint sehr bedeutend zu sein; Kupfer- und Eisenerze von großer Reinheit findet man nahe der Oberfläche und verarbeitet das daraus gewonnene Metall zu allerlei Geräten (auch großen Glocken), namentlich in Patan und Bhatgaon, und exportiert davon nach Tibet. Schwefel wird aus zahlreichen Quellen gleichfalls gewonnen. Auch Blei, Silber und Gold kommen vor. Die Bevölkerung ist eine sehr gemischte. Als die ältesten Ansiedler sind die Bewohner der ungesunden Thäler und Schluchten zu betrachten, Reste der Urbewohner Vorderindiens, welche diese Plätze erst einnahmen, als ihnen der Kulturgrund von stärkern Rassen entzogen worden