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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nervenzellen - Nesselrode.

Längs- und Querkommissuren eine Art von Strickleiter entsteht. Meist haben Verschmelzungen der beiden nebeneinander, vielfach auch mehrerer hintereinander gelegenen Ganglien zu einer Masse statt; namentlich ist dies bei den Tieren mit einem Kopf der Fall. Man nennt dann die in letzterm gelegene größere Portion das Gehirn (s. d.), den Rest je nach seiner Lagerung im Körper Bauchmark (bei Würmern und Gliederfüßlern), resp. Rückenmark (bei Wirbeltieren). Bei letztern heißt Gehirn und Rückenmark zusammen, also das animale N., auch wohl Cerebrospinalsystem; indem vegetativen oder sympathischen System wird der Zentralteil ebenfalls von Ganglien, der peripherische von Nervenfasern gebildet (s. Sympathikus). Ganglienzellen und Nervenfasern faßt man auch unter dem Namen Nervengewebe zusammen und stellt dieses dem Haut-, Muskel- etc. Gewebe gegenüber. Über die nähere Zusammensetzung desselben s. Ganglien und Nerven.

Nervenzellen, s. Ganglien.

Nervi, Flecken in der ital. Provinz Genua, an der Riviera di Levante, 10 km von Genua, an der Eisenbahn nach Pisa, besuchte Gesundheitsstation, hat schöne Villen, ausgezeichnetes Klima, üppige Vegetation und (1881) 2887 Einw., welche Teigwarenfabrikation und Handel mit Südfrüchten betreiben. Vgl. Thilenius, N. und sein Klima (Wien 1874); Frühauf, Die klimatischen Winterkurorte Pegli, Arenzano und N. (2. Aufl., Leipz. 1886).

Nervier, kelt. Volk in Gallia belgica, zu beiden Seiten des Sabis (Sambre) wohnhaft, tapfer und kriegerisch und vor Cäsars Zeit so mächtig, daß es 50,000 Mann ins Feld stellen konnte, wurde in einem verzweifelten Kampf bei Maubeuge 57 v. Chr. von Cäsar fast ganz vernichtet. Es besaß nur kleinere Ortschaften, von denen Bagacum (Bavay) die bedeutendste war. S. Karte "Germanien".

Nervina (neulat.), s. Nervenmittel.

Nervös (franz. nerveux), eigentlich nervig, kraftvoll; dann die Nerven betreffend; jetzt meist s. v. w. mit Nervenschwäche (s. d.) behaftet.

Nervöse Fieber und Krankheiten, ältere Bezeichnung derjenigen Affektionen, bei welchen nervöse Symptome für gewöhnlich oder in dem einzelnen konkreten Fall in den Vordergrund treten. Dergleichen Symptome kommen aber bei allen schweren fieberhaften Krankheiten, vorzugsweise bei Typhus, Pocken, Scharlach, Kindbettfieber etc., sehr häufig vor, und sie können ebensowohl in einer Erhöhung wie in einer Verminderung der verschiedenen Arten der Gehirnthätigkeit bestehen. Selten läßt sich eine pathologische anatomische Veränderung des Gehirns als Ursache der nervösen Symptome ermitteln. Der anatomisch festzustellende Sitz der Hauptkrankheit kann dabei in allen möglichen andern Organen sein. Zu den nervösen Symptomen gehören die Delirien, Schwerbesinnlichkeit, Schlafsucht, Sinnestäuschungen, unwillkürliche Muskelbewegungen verschiedener Art, schwere Krämpfe, Sichdoppeltfühlen, Sehnenhüpfen, lallende Sprache, schwerbewegliche Zunge, Zusammensinken und Herabrutschen des Körpers im Bett, Untersichgehenlassen von Stuhl und Urin. Außer bei fieberhaften örtlichen wie allgemeinen Krankheiten kommen die genannten nervösen Symptome auch noch bei den verschiedensten Krankheiten des Gehirns und der Hirnhäute vor. Im allgemeinen ist das Auftreten der nervösen Symptome diagnostisch oft ohne Wert, prognostisch dagegen von großer und meist von schlimmer Vorbedeutung.

Nervosität (franz.), s. Nervenschwäche.

Nervus (lat.), der Nerv; in der botanischen Terminologie die meist äußerlich sichtbaren Gefäßbündel, welche die Blattmasse durchziehen (s. Blatt, S. 1014). N. probandi, der Hauptbeweisgrund; N. rerum, der "Nerv der Dinge", die Hauptsache, d. h. das Geld.

Nerz, s. v. w. Nörz.

Neschawa (poln. Nieszawa), Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Warschau, an der Weichsel und der Eisenbahn Skierniewice-Alexandrow, hat ein Zollamt, bedeutenden Handel mit Cerealien und (1882) 2326 Einw.

Nescias, quod scis, si sapis, lat. Sprichwort: Wisse nicht, was du weißt, wenn du klug bist, d. h. plaudere nichts aus.

Nescio (lat.), ich weiß nicht; Neszienz (nescientia), das Nichtwissen, Unwissenheit.

Neshin, Stadt, s. Njeshin.

Nesle (spr. nähl), Stadt im franz. Departement Somme, Arrondissement Péronne, an der Nordbahn, mit (1881) 2353 Einw.; wurde 1472 von den Burgundern erstürmt, worauf Karl der Kühne die ganze Besatzung hinrichten und die Stadt niederbrennen ließ.

Nesologie (griech.), Insellehre, Teil der physikalischen Geographie.

Nespel, s. Mespilus.

Ness, in brit. Lokalnamen s. v. w. Landspitze.

Neß, Fluß im nördlichen Schottland, fließt durch den 35 km langen, 241 m tiefen, durch den Caledoniakanal mit dem Moray Firth und dem Loch Oich verbundenen gleichnamigen See (Loch N.) und mündet bei Inverneß in den Moray Firth.

Nesse, Fluß in Thüringen, entspringt nordwestlich von Erfurt, durchfließt das Herzogtum Gotha und einen Teil des weimarischen Kreises Eisenach und mündet bei Eisenach rechts in die Hörsel.

Nessel, Pflanzengattung, s. Urtica.

Nesselausschlag, s. Nesselsucht.

Nesselfieber, s. Nesselsucht.

Nesselfriesel, s. Nesselsucht.

Nesselorgane, s. Cölenteraten.

Nesselpflanzen, s. Urticeen.

Nesselrode, eine Eiscreme aus Rahm, Eidotter, Zucker, Maronenpüree, Zitronat und Rosinen.

Nesselrode, niederrhein. Adelsgeschlecht, das schon im 10. Jahrh. erwähnt wird, und dessen Stammhaus Nesselroth an der Wupper bei Solingen liegt. Die ältere Linie N.-Landskron, welche 1710 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, ist erloschen; die jüngere, N.-Ereshoven, erhielt 1705 die Reichsgrafenwürde; jetziges Haupt dieser Linie ist Graf Maximilian Bertram von N., geb. 20. Dez. 1817, Oberhofmeister der Kaiserin Augusta und Mitglied des Herrenhauses. Ein Zweig derselben kam um 1740 nach Rußland, und der berühmteste Sprößling derselben ist Karl Robert, Graf von N., einer der bedeutendsten Diplomaten der Neuzeit, geb. 14. Dez. 1780 zu Lissabon, wo sein Vater Max Julius Wilhelm Franz, Graf von N. (geb. 24. Okt. 1728, gest. 8. März 1810 in Frankfurt), damals russischer Gesandter war, erhielt seine Bildung zu Berlin, widmete sich frühzeitig der diplomatischen Laufbahn und war zuerst 1802 bei der russischen Gesandtschaft in Berlin, dann bei der in Stuttgart, 1805-1806 als Legationssekretär und Chargé d'affaires im Haag, 1807 als Gesandtschaftsrat in Paris thätig. In dem Krieg Rußlands gegen Frankreich 1813-14 schloß er viele Verträge ab und entwarf fast alle damals von den verbündeten Mächten erlassenen Noten und Erklärungen, auch den Pariser Frieden vom 30. Mai 1814.