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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Neuenahr; Neuenburg

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Neuenahr - Neuenburg.

besteht aus 17 Inseln und Gruppen: Torres-, Banksinseln, Espiritu Santo, Lepers, Aurora (Maiwo), Pentecost, Mallicollo, Ambrym, Api (Tasiko), Sandwich (Vaté), Erromanga, Immer (Nina), Tanna, Erronan (Futuna), Aneitum, Matthew- und Hunterinsel, zusammen 13,227 qkm (240 QM.). Die Inseln sind hoch; thätige Vulkane finden sich auf Ambrym, Matthew und Tanna. Der Boden ist mit Ausnahme von Erromanga, das jedoch viel Sandelholz liefert, meist sehr fruchtbar und die Vegetation, im ganzen der nördlichen melanesischen, im S. aber mehr der neuseeländischen verwandt, sehr üppig. Die Fauna schließt sich der auf den indischen Inseln an, ist aber ärmer. Die Bewohner, ca. 70,000, sind Melanesier (s. Tafel "Ozeanische Völker", Fig. 8) und zerfallen in viele kleine, durch beständige Kriege getrennte Stämme, die oft ganz verschiedene Sprachen sprechen. Mit ihnen haben auf einigen Inseln (Maiwo, Futuna, Mori) hierher verschlagene Polynesier sich vermischt. Die Bewohner stehen den nördlicher wohnenden Melanesiern an Bildung nach, übertreffen diese aber durch Mut, Kampflust und Grausamkeit. Das Christentum hat in Sandwich, Tanna, Aneitum Eingang gewonnen; auf Erromanga wurde der Missionär Williams, der "Apostel der Südsee", mit einem Gefährten von den kannibalischen Bewohnern getötet und verzehrt. Das Fällen des Sandelholzes, noch mehr aber die Entführung von Eingebornen für die Pflanzungen in Queensland hat die Beziehungen zwischen Europäern und Eingebornen sehr verschlimmert. Die Inseln wurden 1774 von Cook genau erforscht. In neuester Zeit machte Frankreich, dessen Kolonisten von Neukaledonien aus Pflanzungen auf der Gruppe anlegten, den Versuch, die Inseln zu annektieren, wogegen England auf Drängen seiner australischen Kolonisten jedoch Einspruch erhob. Die französischen Beamten und Soldaten wurden darauf zurückgezogen. Vgl. Le Chartier, La Nouvelle Calédonie et les Nouvelles Hébrides (Par. 1884); Lemire, Voyage en Nouvelle Calédonie et description des Nouvelles Hébrides (das. 1884).

Neuenahr, Bürgermeisterei und Bad im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Ahrweiler, an der Ahr, an der Linie Remagen-Ahrweiler der Preußischen Staatsbahn und am Fuß des 326 m hohen Basaltkegels N. gelegen, 87 m ü. M., hat (1885) 2017 meist kath. Einwohner. N. hat fünf alkalische Thermen von 21-40° C. Temperatur, deren Wasser gegen chronische Katarrhe, namentlich des Kehlkopfes, des Magens, der Gallenwege und der Blase, gegen Menstruationsstörungen, Eierstocksentzündung, Gicht, Rheumatismus, Hautkrankheiten etc. angewendet wird. Die Frequenz belief sich 1886 auf 5676 Personen. Das Bad besteht seit 1856, nachdem zwei Jahre zuvor drei der Quellen (darunter die Augusta- und Viktoriaquelle) erbohrt worden waren, und ist Eigentum einer Aktiengesellschaft; später wurde noch der Mariensprudel erbohrt, und 1861 brach durch Eruption der Neue oder Große Sprudel (40° C.), in mächtigen Strahlen bis 16 m Höhe einige Stunden lang emporsteigend, hervor. Unfern die Burgruine Landskron auf einem Basalthügel. Vgl. Prässar, Das Mineralbad N. (Ahrw. 1867); Schmitz, Erfahrungen über Bad N. (5. Aufl., Bonn 1887).

Neuenburg (franz. Neuchâtel), ein Kanton der Schweiz, grenzt im Norden an den Kanton Bern, im S. an Waadt und im W. an Frankreich, während ihn im SO. die Thièle und der Neuenburger See von Bern, Freiburg und Waadt trennen. Sein Flächeninhalt beträgt 808 qkm (14,7 QM.). Der Kanton ist ein jurassisches Bergland, welches aus der schmalen Küstenebene am Neuenburger See sich in Rücken und Hochthälern aufbaut und dann zur tiefen Thalfurche des Doubs abstürzt; daher die vulgäre Zweiteilung in den flachern, mildern, weinreichen Bas (Unterland) oder Vignoble (Weinland) und in die Montagnes, die rauhen Berge und Hochthäler der Jurahöhen. Während das Niveau des Neuenburger Sees 432 m ü. M. liegt, steigt schon das von der Areuse durchflossene Val de Travers von 719 zu 933 m (Verrières) an, und der Thalkessel des Val de Ruz, das Gebiet des Seyon, liegt bei Vallengin, seinem untersten Punkt, 655 m ü. M., während andre Ortschaften noch 100-200 m höher liegen, Les Hauts Geneveys sogar 956 m hoch. Noch höher liegen die übrigen Jurathäler mit Brévine-Bémond (1062 m), Chaux du Milieu (1077 m), La Sagne (1025 m), La Chaux de Fonds (1034 m), Le Locle (921 m), von welch letzterm die Paßstraße des Col des Roches und neuerdings auch die Eisenbahn zu dem vom Doubs gebildeten Lac des Brenets (740 m) hinunterführt. Als die höchsten Rücken des Jura (s. d.) sind zu nennen: die Tête de Rang (1423 m) und der Creux du Vent (1465 m), während der 1172 m hohe Chaumont am zugänglichsten und für die Umschau am lohnendsten ist. Hydrographisch gehört N. größernteils zum Gebiet der Thièle (Neuenburger See, Areuse und Seyon), kleinernteils zum Gebiet des Doubs. Die Einwohnerzahl des Kantons beträgt (1880) 103,732. Ursprünglich durchaus französischer Abkunft, hat in neuern Zeiten die Bevölkerung, wenigstens mancher Orte, fast einen gemischten Charakter angenommen. 23,6 Proz. der Bewohner reden deutsch, eine Folge der Einwanderung deutscher Uhrmacher und Arbeiter. Diese Mischung vollzieht sich auch mehr und mehr auf konfessionellem Gebiet, denn während das durch Farel (s. d.) reformierte Ländchen nur 3 kath. Gemeinden mit etwa 1600 Einw. enthielt, ist jetzt der Gesamtanteil der Katholiken (11,651) auf 11,2 Proz. gestiegen. Nur die Bezirke Boudry und Val de Ruz sind noch immer fast rein protestantisch. Außerdem gibt es 689 Juden. An dem Wechsel der politischen Gestaltung haben die Montagnards, die sich durch rascheres Wesen und tief eidgenössischen Sinn wie durch Betriebsamkeit auszeichnen, den meisten Anteil. Die Seeanwohner des Vignoble sind von kälterm, reservierterm Charakter und zählen die meisten Aristokraten. Überall aber erscheint die Bevölkerung ausgezeichnet durch schönen, kräftigen Körperbau, treffliche Geistesbegabung und Bildung, sehr arbeitsam und geschickt, solid und bieder und im Durchschnitt von großem Wohlstand sowie von feiner, geselliger Sitte.

Ebenso zweigeteilt wie nach dem Terrain erscheint das klimatische Verhalten u. danach der wirtschaftliche Charakter. 49,1 Proz. des Areals entfallen auf Äcker, Wiesen und Weiden, 1,54 Proz. auf Weinland, 20,1 Proz. auf Wald. Während am See Feld-, Garten- und Weinbau florieren, waren die spät, zum Teil erst im 13. u. 14. Jahrh. besiedelten Montagnes von der Natur auf Alpenwirtschaft und Holzarbeit angewiesen. In diesen Hochthälern ist das Klima rauh, der Boden dürftig an nährendem Erdreich oder moorig, aber trotzdem die Bevölkerung so zahlreich, daß wohl doppelt soviel Getreide eingeführt werden muß, als die Produktion beträgt. Kaum daß genug Kartoffeln und Gemüse wachsen. Wein wird viel und in vorzüglicher Qualität erzielt; die Ausfuhr, auch an künstlichem Champagner, ist bedeutend. Ausgezeichnet ist besonders das rote Gewächs; die geschätztesten Weine wachsen um Cortaillod, Boudry und Neuchâtel. Obst muß