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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Neuron - Neuschottland.

in ihrem äußern Teil reizbar, in dem innern dagegen kontraktil sein und so Nerv und Muskel in sich vereinigen sollen. Man glaubte sie bei solchen Tieren gefunden zu haben, denen ein eignes Nervensystem noch abginge, also z. B. bei den Korallpolypen, Medusen etc. In der That ist aber ein solches neuerdings entdeckt worden, so daß man die N. wohl nur als in der Haut gelegene Muskelfasern zu betrachten hat.

Neuron (griech.), der Nerv; häufig in Zusammensetzungen, z. B. Neuroparalyse, Nervenlähmung; Neuropathie, Nervenkrankheit; Neuropathologie, Lehre von den Nervenkrankheiten.

Neuroptēren (Neuroptera) s. Netzflügler.

Neuroretinītis (griech.), s. Stauungspapille.

Neurōsen (griech.), Funktionskrankheiten des Nervensystems, s. Nervenkrankheiten.

Neurotomīe (griech.), Durchschneidung eines Nervs bei hartnäckigen Neuralgien.

Neuruppīn, Stadt, s. Ruppin.

Neurussische Kosaken, s. Kosaken, S. 109.

Neurußland (russ. Noworosissky krai), Bezeichnung des Teils von Südrußland, welcher zwischen Kleinrußland und dem Schwarzen und Asowschen Meer liegt, im W. an den Dnjestr, im O. an das Land der Donischen Kosaken grenzt, somit die Gouvernements Jekaterinoslaw, Cherson und Taurien umfaßt. Die offiziell jetzt nicht mehr bestehende Benennung N. entstand im vorigen Jahrhundert. Die Kaiserin Elisabeth, welche sich viel um die Kolonisation der ungeheuern Steppen bemühte, begünstigte die Einwanderung der österreichischen Serben, denen sich später auch Moldauer, Walachei, türkische Serben, Ungarn, Polen, Zigeuner, Armenier u. a. anreihten. Die den Kolonisten angewiesenen Ländereien wurden 1752 in zwei Distrikte geteilt: Neuserbien und Slawjänoserbien. Aus diesen Landstrichen, mit Zugabe eines Teils der Ukraine, bildete Katharina II. 1764 das "neurussische Gouvernement", das die jetzigen Gouvernements Jekaterinoslaw und Cherson umfaßte. Nach der Einverleibung der Krim und der Grenzumgestaltung der Gouvernements dehnte sich der Name N. allmählich auf den ganzen oben bezeichneten Landstrich aus.

Neu-Sale, Stadt, s. Rabat.

Neusalz, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Freistadt, an der Oder, Knotenpunkt der Linien Breslau-Stettin, N.-Sagan und N.-Reisicht der Preußischen Staatsbahn, 69 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen (eine der Herrnhutergemeinde gehörig), eine höhere Privatschule, ein Amtsgericht, Flachsspinnerei, Eisenhütten und ein Emaillierwerk, Pappe-, Kartonagen-, Maschinen- und Mühlsteinfabrikation, Dampfmahl- und Schneidemühlen, eine Holz- und Lohbereitungsanstalt, Bierbrauerei, Schiffbau, Schifffahrt und (1885) 7716 meist evang. Einwohner.

Neusalza, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Löbau, an der Spree und der Linie Bischofswerda-Zittau der Sächsischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine große Buch- und Steindruckerei, Seifenfabrikation, Bleicherei, Syenitbrüche und (1885) 1217 meist evang. Einwohner. Unmittelbar dabei liegt das Dorf Spremberg mit Weberei und 1997 Einw.

Neu-Santander, Stadt in Mexiko, s. Victoria.

Neusatz (ungar. Ujvidék), königl. Freistadt im ungar. Komitat Bács-Bodrog, an der Donau, Peterwardein gegenüber (wohin eine Schiffbrücke führt), hat 5 griechische, 2 katholische, eine armenische und 2 evang. Kirchen, eine Synagoge, (1881) 21,325 Einw. (meist griechisch-nichtunierte Serben, außerdem Ungarn und Deutsche), vorzüglichen Obst-, Garten- und Weinbau und lebhaften Handel. Es ist Sitz des Komitats, des Bácser griechisch-nichtunierten Bischofs, eines Gerichtshofs, Tabaksmagazins und Tabakseinlösungsamtes und hat ein kath. Staats- und ein griechisch-nichtuniertes Obergymnasium und eine Musikschule, ferner eine Dampfmühl- und Weinhandelsgesellschaft. Am 11. Juni 1849 wurde N. von den kaiserlichen Truppen unter Jellachich mit Sturm genommen. In der Nähe Überbleibsel einer Römerschanze.

Neuschönefeld, stadtähnliches Dorf in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Leipzig, unmittelbar nordöstlich an Leipzig stoßend, hat zahlreiche Fabriken der verschiedensten Art und (1885) 6131 Einw.

Neuschottland (engl. Nova Scotia), eine Provinz der britischen "Dominion of Canada" in Nordamerika, besteht aus der Halbinsel N., welche durch den 20 km breiten Isthmus von Cobequid oder Chignecto mit Neubraunschweig zusammenhängt, und der Insel Cape Breton (s. d.), welche an der Ostseite durch die schmale Meerstraße Gut of Canso davon getrennt ist. Die steilen Küsten der Halbinsel werden von zahlreichen fjordähnlichen Baien tief eingeschnitten, und unter 26 größern Häfen ist derjenige von Halifax wohl der schönste und sicherste in ganz Nordamerika. Steile Basaltfelsen bilden die Küsten an der Fundybai, das Innere wird von den Cobequid- (s. d.) und andern Hügeln durchzogen, die 335 m Höhe nicht übersteigen. Die dem offenen Atlanischen ^[richtig: Atlantischen] Ozean zunächst liegende Gegend ist kahl und unfruchtbar; dahingegen gilt der das obere Ende der Fundybai umgebende Landstrich für einen der gesegnetsten Amerikas, dessen Hügel Wälder tragen, Steinkohlen und Eisenerz bergen, während in dem ebenen Lande, dem "Garten Acadias", alle Getreide- und Obstarten gedeihen. Das Klima ist feucht, mit kurzem Frühling, sehr heißem Sommer und vier Monate langem Winter (Halifax: Januar -3,9, August 17,6, Jahr 6,4° C.). N. hat ein Areal von 56,281 qkm (1022,1 QM.) mit 1871: 310,651, 1881 aber 441,973 Bewohnern, mit Einschluß von 1401 Indianern. Wesentliche Elemente derselben sind die Nachkommen französischer Akadier und amerikanische Royalisten, zu denen später namentlich schottische Einwanderer traten. Etwa 26,5 Proz. sind katholisch. Für den Unterricht sorgen (1884) 2032 öffentliche Schulen mit 85,378 Schülern sowie eine Universität und zahlreiche Privatschulen. Die Landwirtschaft beschäftigt 54 Proz. der Bevölkerung, und die Aufmerksamkeit wendet sich in jüngerer Zeit namentlich der Fabrikation von Käse und Butter zu. Angebaut waren 1881: 761,042 Hektar. An Vieh zählte man 1881: 57,167 Pferde, 325,603 Rinder, 337,801 Schafe und 47,256 Schweine. Sehr wichtig sind die Fischereien auf Kabeljaus, Makrelen, Schellfische, Heringe, Hummern, die 1886: 8,415,361 Dollar abwarfen. Von jagdbaren Tieren sind das Elen und das kanadische Renntier (Cariboo) die größten. Der Bergbau liefert namentlich Steinkohlen (1886: 1,300,000 Ton.), daneben findet man aber auch Eisen, Gold (1862-83: 10,908 kg), Kupfer, Salz und Petroleum. Die Industrie mit Ausnahme des Schiffbaus ist noch unbedeutend. Bemerkenswert ist die 1885-86 erbaute Schiffseisenbahn über die Landenge von Chignecto, 28 km lang. Die Ausfuhr (1886: 8,071,513 Doll.) besteht wesentlich aus Steinkohlen, Fischen, Bauholz, Vieh und Butter; die Einfuhr (7,540,244 Doll.) aus Mehl, Thee, Zucker etc. An der Spitze der Verwaltung steht ein von der Krone ernannter Gouverneur, ihm zur Seite ein exekutiver