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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: New Germany; New Hampshire; Newcastle under Lyme; Newcastle upon Tyne; Newcomb; Newel; Newfoundland; Newgate

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Newcastle under Lyme - New Hampshire.

der und Forsten erhielt, 1846 aber zum Obersekretär für Irland ernannt wurde. Da sein Vater seine Wirksamkeit für freihändlerische Reformen mißbilligte, verlor er seinen ersten Parlamentssitz, ward aber von dem schottischen Distrikt Falkirk wieder gewählt. Im Juli 1846 zog er sich mit Peel von der Regierung zurück, übernahm im Ministerium Aberdeen 1853 das Departement der Kolonien und 1854 das des Kriegs, trat aber 1855, der mangelhaften Verpflegung der Krimarmee beschuldigt, zurück. Von 1859 bis 1864 war er wieder Kolonialminister und begleitete in dieser Eigenschaft den Prinzen von Wales auf seiner Reise nach Nordamerika. Nachdem er aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt hatte, starb er 18. Okt. 1864. Den Titel eines Herzogs von N. führt seit 22. Febr. 1879 sein Enkel Henry Pelham Archibald Douglas Pelham-Clinton, geb. 28. Sept. 1864.

Newcastle under Lyme (spr. njukássl önnder leim), Stadt in Staffordshire (England), westlich von Stoke, mit Stiefel- und Hutfabriken, großem Eisenwerk (Silverdale), Papiermühlen und (1881) 17,508 Einw.

Newcastle upon Tyne (spr. njukássl öponn tein), Hauptstadt der engl. Grafschaft Northumberland, am Tyne, 12 km oberhalb seiner Mündung in die Nordsee, an und auf einem Hügel, ist mit dem am andern Flußufer liegenden Gateshead durch zwei Brücken verbunden: eine steinerne, tief unten im Thal, und die 34,1 m hohe, 419 m lange, von Rob. Stephenson (dessen Denkmal beim Bahnhof) erbaute High Level Bridge, die sowohl dem Eisenbahn- als dem Wagenverkehr dient. Der untere Teil der Stadt ist der älteste und Hauptsitz des Verkehrs; er hat enge, schmutzige Straßen, während die obere Stadt stattliche Straßen zieren, wie die mit der Denksäule des Grafen Grey geschmückte Grey Street. Von dem alten Schloß Wilhelms des Eroberers stehen noch das Burgverlies (keep) und zwei Thore, und auch von den alten Stadtmauern sind noch Reste vorhanden. Im NW. der Stadt liegt ein öffentlicher Park, der Town Moor. Unter den Bauwerken verdienen Beachtung: die St. Nicholaskirche aus dem 14. Jahrh., deren 59,3 m hohe Turmspitze von Strebepfeilern getragen wird; die neue katholische Kathedrale mit 69 m hohem Turm; die Gildhalle vom Jahr 1658; das neue Rathaus, die Börse, Markthalle und das Theater. N. hat (1881) 145,359 Einw.; es verdankt seine Bedeutung den ergiebigen Kohlengruben in seiner Umgegend, und "Kohlen nach Newcastle tragen" ist eine sprichwörtliche Wendung gleich dem griechischen "Eulen nach Athen tragen". Außerdem aber hat die Stadt bedeutende Industrie und zwar (mit Gateshead) Maschinenwerkstätten (5414 Arbeiter), Eisen- und Stahlwerke (5443 Arb.), Glashütten (912 Arb.), Töpfereien, chemische Fabriken und Schiffswerften. Weltbekannt sind Sir W. Armstrongs Stahl- und Eisenwerke in der westlichen Vorstadt Elswick. Außerordentlich lebhaft sind Handel und Schiffahrt. Der Wert der Einfuhr vom Ausland belief sich 1886 auf 6,197,356 Pfd. Sterl., derjenige der Ausfuhr auf 3,668,538 Pfd. Sterl. Zur Ausfuhr kommen namentlich Steinkohlen (für 1,679,242 Pfd. Sterl.), Eisen, Alkali, Maschinen. Unter den Bildungsanstalten sind zu nennen: eine bedeutende Bibliothek und das Museum der Philosophischen Gesellschaft, die Altertümersammlung im Schloß, eine Bergbauschule, Arzneischule, ein botanischer Garten und eine Sternwarte. Die Stadt ist Sitz eines anglikanischen und eines kath. Bischofs sowie eines deutschen Konsuls. N. ist das Pons Oelii der Römer und war eine Feste des Piktenwalles (s. d.). Unter den Angelsachsen hieß der Ort Monkchester, d. h. Mönchburg, und war ein beliebter Wallfahrtsort.

Newcomb (spr. njúhkom), Simon, Astronom, geb. 12. März 1835 zu Wallace in Neuschottland, kam früh nach den Vereinigten Staaten, wurde 1857 Rechner für den Nautical Almanac in Washington, 1861 Professor der Mathematik an der Marinesternwarte, 1877 Superintendent der American Ephemeris and Nautical Almanac office, 1884 unter Beibehaltung dieser Stellung Professor der Mathematik und Astronomie in Baltimore. N. leitete die Konstruktion und Aufstellung des Washingtoner Riesenrefraktors, welcher lange Zeit der größte der Erde war, und war Mitglied der Kommission zur Beobachtung der Venusdurchgänge; er lieferte bedeutende theoretische Arbeiten über die Bewegung des Mondes und der großen Planeten und fand für die Lichtgeschwindigkeit den Wert von 299,860 km in der Sekunde. Große Verbreitung fand seine "Popular astronomy" (deutsch von Engelmann, Leipz. 1881).

Newel, Kreisstadt im russ. Gouvernement Witebsk, am gleichnamigen See, mit 4 Kirchen und (1885) 7310 Einw. (meist Juden).

Newfoundland (spr. njúhfaundländ), s. Neufundland.

Newgate (spr. njúhgēt), ältestes Gefängnis in London.

New Germany (spr. nju dschérmäni), s. Neudeutschland.

New Hampshire (spr. nju hämmpschir, abgekürzt N. H.), einer der nordöstlichsten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, liegt zwischen 42° 40'-45° 18' nördl. Br. und 70° 40'-72° 35' westl. L. v. Gr. und grenzt im N. an Kanada, im O. an Maine und den Atlantischen Ozean, im S. an Massachusetts und im W. an den Staat Vermont, von dem es durch den Fluß Connecticut getrennt ist. Im ganzen ist das Land hügelig und bergig; an der Küste, die von kleinen Buchten eingeschnitten ist und nur für kleine Seeschiffe Hafenplätze bietet, ist es etwa 30 km landeinwärts von der See eben, mit sandigem, wenig fruchtbarem Boden. Die Haupthöhenkette, welche zwischen den Flüssen Connecticut und Merrimac anfängt und sich nordwärts an den Quellen des Merrimac hinzieht, kann als eine Fortsetzung der Alleghanyketten angesehen werden. Einige dieser Berge erheben sich zu beträchtliche Höhe: Mount Monadnock (Grafschaft Cheshire) ist 1131 m, der Moose Hillock, weiter nördlich, 1460 m hoch. Noch weiter gegen Norden erheben sich die White Mountains (s. d.) mit dem Mount Washington, dem höchsten Berg der Vereinigten Staaten östlich vom Mississippi, bis zu 1900 m. N. hat reiche Bewässerung, aber mehr durch große Landseen als durch große Flüsse. Der größte Fluß ist der Connecticut, der die ganze westliche Grenze bildet. Der Merrimac fließt südlich durch die Mitte des Staats nach Massachusetts, und nur der Piscataqua mündet direkt in den Atlantischen Ozean, und seine Mündung bildet den einzigen guten Hafen des Staats. Die Schiffahrt auf den Flüssen wird vielfach durch Wasserfälle und Stromschnellen unterbrochen, sie liefern indes eine willkommene Betriebskraft für die zahlreichen Fabriken des Staats. Unter den Seen ist der Winnipiseogee (158 m ü. M.) der größte und schönste. Eine Gruppe von kleinen Inseln im Atlantischen Ozean, ungefähr 30 km von der Küste, die Isles of Shoals genannt, gehören noch zu N. Das Klima ist streng; der Winter hält lange an, ist aber nicht so häufigem Wechsel unterworfen wie in den andern nördlichen Staaten unter tiefern Breitengraden. Schon im November fällt Schnee und frieren die Flüsse zu, und der Schnee bleibt im süd-^[folgende Seite]