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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: New York

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New York (Wohlthätigkeits-, Bildungsanstalten, Verwaltung, Umgegend; Geschichte).

nächst der Battery und längs der beiden die Stadt bespülenden Flüsse, in welche zahlreiche Anländen vordringen. Docks hat N. noch nicht, wohl aber bestehen solche in Brooklyn und New Jersey. Im J. 1886 besaß der Zollbezirk N. (zu welchem auch die gegenüberliegenden Städte und Newark gehören) 3955 Schiffe von 918,668 Ton. Gehalt (darunter 1030 Dampfer von 354,991 T.). 1886-87 liefen 5991 Schiffe von 6,087,110 T. vom Ausland in den Hafen ein, wovon nur 1654 Schiffe von 987,677 T. unter amerikanischer Flagge segelten. Den Wert der Einfuhr (an Waren) schätzte man 1875 auf 341 Mill. Doll., 1885-86 auf 419 Mill. und 1886-87 auf 457 Mill. Doll., denjenigen der Ausfuhr bez. auf 324, 314 und 316 Mill. Doll., wobei in letzterer Summe ausländische Produkte im Wert von 9½ Mill. Doll. eingeschlossen sind. Dazu kommen noch (1886-87) für 41 Mill. Doll. Gold und Silber bei der Einfuhr und 18 Mill. Doll. bei der Ausfuhr. Bei der letztern spielen Rohprodukte die Hauptrolle. Im J. 1885-86 kamen von inländischen Produkten zur Ausfuhr: Getreide und Mehl für 47 Mill. Doll., Baumwolle (173 Mill. kg) für 39 Mill., Petroleum (1790 Mill. Lit.) für 35,1 Mill., Tabak (84 Mill. kg) für 16,4 Mill., Baumwollzeuge für 11 Mill., Zucker (68 Mill. kg) für 10 Mill., Rindfleisch für 7,5 Mill., Leder für 4,3 Mill., und Ölkuchen für 3,6 Mill. Doll. Außerdem verdienen Erwähnung: Vieh, Brot und Zwieback, Oleomargarin, Öl, Speck, landwirtschaftliche Maschinen, Nähmaschinen und Bücher. Die Einfuhr besteht vorwiegend aus Kaffee, Thee, Zucker, Wein, Spirituosen und europäischen Manufakturwaren. Sieben mächtige Dampfschiffahrtsgesellschaften verbinden N. mit Liverpool, Bremen, Hamburg und Havre, während der Eriekanal und zahlreiche Eisenbahnen ihm die Produkte des Westens und Südens zuführen. Wie rege der Verkehr ist, ersieht man daraus, daß 1886-87: 446,937 vom Ausland kommende Reisende im Hafen von N. landeten, unter welchen 376,005 Einwanderer waren, die sich von hier aus über alle Teile der Union zerstreuten. N. ist Sitz eines deutschen Berufskonsuls.

[Wohlthätigkeits- und Bildungsanstalten.] Trotz seines Reichtums ist N., ganz wie unsre europäischen Städte, ein Sitz der Armut geworden. Mit der Armut sind indes auch die wohlthätigen Anstalten zahlreicher geworden, so daß jetzt von 300 wohlthätigen Vereinen jährlich 4 Mill. Doll. verausgabt werden. Abgesehen von seinen aus der Stadtkasse unterhaltenen wohlthätigen Anstalten besitzt N. (1886) 36 Krankenhäuser, 47 Anstalten, an welchen ärztlicher Rat erteilt wird, 7 Irrenanstalten (3211 Irre), 3 Blindenschulen, 3 Taubstummenanstalten, 104 Waisenhäuser, Versorgungshäuser und Asyle. Die drei Inseln im East River (Blackwell's, Ward's und Randall's) sind ausschließlich den öffentlichen Anstalten der Stadt gewidmet. Auf ihnen liegen 8 Krankenhäuser, 4 Arbeitshäuser, ein Versorgungshaus, 2 Irrenanstalten, ein Zuchthaus, ein Asyl für verwahrloste Kinder, eine Anstalt für Blödsinnige und ein Asyl für Trunkenbolde. Die sämtlichen Gebäude sind durch Sträflinge in Granit aufgeführt worden. Für den Volksunterricht ist durch zahlreiche städtische Freischulen in genügender Weise gesorgt. Schüler, welche sich auszeichnen, können in das 1848 gegründete städtische "College" eintreten, eine Art von Realgymnasium und technischer Schule. An höhern Anstalten verdienen noch Erwähnung: das 1754 gegründete Columbia College mit Rechts- und Bergbauschule und großer Bibliothek, die 1831 gegründete städtische "Universität" (in gotischem Prachtbau), 25 theologische Seminare, 10 medizinische Schulen, ein Lehrerseminar (Normal College), eine Seemannsschule, das von den Jesuiten geleitete College St. Francis und Xavier und Rutgen's College für junge Damen. Ferner gibt es 3 Konservatorien der Musik, eine gut geleitete Kunstschule (Academy of design), 1823 gegründet, und eine Gewerbeschule (Cooper Union). Unter den 38 öffentlichen Bibliotheken zählen 5 über 50,000 Bände, nämlich die 1853 von einem Deutsch-Amerikaner gegründete Astor Library (192,547 Bände), die Kaufmännische Bibliothek (192,016 Bde.), die New Yorker Vereinsbibliothek (80,000 Bde.), die Bibliothek des Historischen Vereins und die Freibibliothek für Lehrlinge (63,000 Bände). Das Metropolitan-Kunstmuseum besitzt in Cesnolas auf Cypern gesammelten Altertümern einen wertvollen Schatz. Ein naturhistorisches Museum steht beim Central Park. Von gelehrten Gesellschaften sind zu nennen: die Historische Gesellschaft, der Geographische Verein, ein Naturwissenschaftlicher Verein u. a., die übrigens nicht von hervorragender Bedeutung sind. Der im Central Park befindliche zoologische Garten entspricht selbst mäßigen Ansprüchen nicht. Für das Vergnügen sorgen 19 Theater (die hervorragendsten die Academy of Music, die Große Oper und Booth's), Konzerthallen und zahlreiche sogen. Biergärten. Von den 12 Klubhäusern können einige mit denen Londons rivalisieren.

[Verwaltung.] N. ist in 22 Wards (Quartiere) eingeteilt und hat die übliche amerikanische Municipalverfassung. Der Mayor wird von den Bürgern auf zwei Jahre, die Ratsherren werden jährlich gewählt. Der Mayor bezieht einen Gehalt von 10,000 Doll. Bei den Wahlen spielt das irische Element der Bevölkerung eine bedenkliche Rolle, und diesem Umstand darf man es zuschreiben, daß sich die Stadt durch die Unredlichkeit ihrer Vertreter auszeichnet. Noch im J. 1885 wurden einige Stadträte angeklagt, daß sie sich von einer Gesellschaft durch Summen von 20-30,000 Doll. bestechen ließen, eine Konzession für den Bau einer Pferdebahn zu erteilen. 1886 hatte N. eine Schuldenlast von 125,317,939 Doll., und die städtischen Einnahmen beliefen sich 1885-86 auf 34,838,070 Doll., die Ausgaben auf 31,545,682 Doll. Die städtische Polizei zählte 3040 Mann. Die Nationalgarde bildet 82 Kompanien mit 5400 Mann. Die Umgebung der Stadt (s. den Plan) ist reizend, und namentlich sind die herrlichen Ufer des Hudson, längs deren sich freundliche Landsitze hinziehen, sehr malerisch. Beliebte Ausflugsorte sind die Seebäder auf Coney Island und Staten Island. Brooklyn, Jersey City und andre benachbarte volkreiche Orte bilden gewissermaßen Vorstädte von N., obgleich breite Flüsse sie von demselben trennen. Brooklyn (s. d.) insbesondere verdient Beachtung, weil es die schönsten städtischen Friedhöfe enthält.

[Geschichte.] N. wurde 1612 von den Holländern gegründet, die sich dort des Pelzhandels wegen niederließen und neben einem kleinen Fort (bei der heutigen Battery) eine Niederlassung bauten, welche sie Neuamsterdam nannten. 1616 zählte diese Ansiedelung nur 30 Einw.; aber 1623 kauften die Holländer den Indianern die ganze Insel Manhattan ab, wofür sie Waren im Wert von etwa 24 Doll. zahlten. 1642 baute man die erste Kirche, und 1656 zählte die Stadt bereits 120 Häuser und ungefähr 1000 Einw. 1664 wurde sie den Engländern übergeben und kam in den Besitz des Herzogs von York, von dem sie den Namen erhielt. 1700 war die Bevölkerung auf 6000 Seelen gestiegen; 1711 wurde daselbst ein Sklavenmarkt in