Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Niederländische Sprache

160

Niederländische Litteratur - Niederländische Sprache.

stianae" zugleich eine vorzügliche Apologie des Christentums gab. Allein der unselige Streit der Gomaristen und Remonstranten oder Arminianer (s. d.) über die Prädestinationslehre, in welchem erstere, die Verteidiger des strengen calvinistischen Lehrbegriffs, die Oberhand behielten, sowie kurz darauf der Streit der Jansenisten in den südlichen Niederlanden traten bald jedem unbefangenen wissenschaftlichen Fortschritt hindernd entgegen. Verdienstlicher war die stille Thätigkeit der Bollandisten (s. d.), welche die "Acta Sanctorum" herausgaben. Eine freiere und wissenschaftlichere Auffassung der Theologie begann erst gegen Ende des 18. Jahrh. sich Bahn zu brechen, vorzugsweise durch die Thätigkeit von H. A. Schultens, Bosveld und dem Dogmatiker van Voorst, denen sich im 19. Jahrh. Borger, van Hengel, Holwerda, van der Palm, Niermeyer, Muntinghe, Heringa etc. anschlossen. Seit den letzten Jahrzehnten haben sich in der reformierten Kirche drei Parteien gebildet: die orthodoxe oder altcalvinistische, welche, von Abr. Kuyper gegründet, in der Freien Universität ihren Stützpunkt hat; die Vermittelungspartei, welche in den Utrechter Professoren Doedes und van Oosterzee, und die sogen. moderne oder kritische Schule, welche in den Leidener Professoren Scholten und Kuenen ihre besten Wortführer fand; die sog. Groninger Schule, mit Pareau und Hofstede de Groot an der Spitze, hat ihren frühern Einfluß eingebüßt. Die vergleichende Religionsgeschichte fand in Tiele und La Saussaye Bearbeiter.

Die Pflege der Rechtswissenschaft blühte in Holland namentlich nach der Mitte des 17. Jahrh. und trug nicht wenig zu der Anziehungskraft bei, welche die holländischen Universitäten für die studierende Jugend des In- und Auslandes hatten. Gegenstand des Studiums war fast ausschließlich das römische Recht. Als die bedeutendsten Juristen jener Zeit sind Johann Voet (gest. 1714), Gerard Noodt (gest. 1725) nebst seinem Gegner Corn. van Bynkershoek (gest. 1743) und besonders Ant. Schulting (gest. 1754) zu nennen, von deren Schülern van de Keessel und der einer freiern, philosophischern Auffassung huldigende H. Const. Cras (gest. 1820) wieder Führer besonderer Schulen wurden. Das erste Handbuch des einheimischen Landrechts, das bis zum 19. Jahrh. als Leitfaden benutzt wurde, gab H. Grotius in seiner "Inleiding tot de hollandsche regtsgeleerdheid"; auch ward derselbe durch seine berühmten Werke: "De jure belli et pacis" und "Mare liberum" Begründer des Staats- und Völkerrechts. Als Lehrer des kanonischen Rechts erwarb sich van Espen (gest. 1728) europäischen Ruf. Als bedeutende Staatsrechtslehrer der neuern Zeit sind Thorbecke (gest. 1872), nächst ihm J. ^[Jeronimo] de Bosch Kemper in Amsterdam, G. W. Vreede in Utrecht und J. T. ^[Johannes Theodoor] Buys in Leiden, als Nationalökonomen besonders de Bruin Kops und Vissering zu nennen. Für die Pflege der ältern niederländischen Rechte hat sich ein Verein gebildet unter Fruin, Pols, S. Muller u. a., welchem viele schätzbare Arbeiten zu verdanken sind.

Die überaus glänzenden Leistungen, deren sich die Niederländer endlich auf dem Gebiet der Naturwissenschaften und der Mathematik nebst den verwandten Disziplinen zu rühmen haben, fallen im wesentlichen außerhalb des Rahmens einer litterargeschichtliche Darstellung. Nur um auf einige der bedeutendsten Erscheinungen hinzuweisen, erinnern wir an Vesalius, den Begründer der neuern Anatomie (gest. 1567), und die lange Reihe holländischer Anatomen, die, vom 17. bis ins 19. Jahrh. fortsetzend, sich durch wichtige Entdeckungen (wie z. B. Swammerdam und Leeuwenhoek durch ihre mikroskopischen Beobachtungen) verdient gemacht haben; an den Reformator der Medizin, H. Boerhaave (gest. 1738), zu dessen berühmtesten Schülern van Swieten und der Schweizer Haller gehörten; an die zahlreichen und schätzenswerten Arbeiten der Holländer auf dem Felde der Naturgeschichte (Botanik und Zoologie) namentlich im 18. Jahrh.; an die Mathematiker Ludolf van Ceulen (gest. 1610), der die sogen. Ludolfsche Zahl bestimmte, und Snell (gest. 1626), der die trigonometrische Methode der Meridianmessung erfand und das Gesetz der Strahlenbrechung entdeckte; an Christian Huygens (gest. 1695), gleich groß als Mathematiker, Astronom und Physiker, und van Swinden (gest. 1823), den Mitbegründer des metrischen Maßsystems; an G. Mercator (gest. 1594), der die nach ihm benannte geographische Projektion entwarf; an Jansen (am 1590), den Erfinder des Fernrohrs, und Cunäus (1746), den Erfinder der Leidener Flasche, etc.

Vgl. außer den oben angeführten ältern litterargeschichtlichen Werken: J. ^[Johannes] van Vloten, Geschiedenis der nederlandsche letteren (3. Aufl., Tiel 1885); Jonckbloet, Geschiedenis der middennederlandsche dichtkunst (Amsterd. 1851-59, 3 Bde.); Derselbe, Geschiedenis der nederlandsche letterkunde (3. Aufl., Groning. 1881-86, 6 Bde.; deutsch, Leipz. 1870-72, 2 Bde.), und dessen kleinern Abriß (3. Aufl. 1886); Alberdingk Thijm, De la littérature néerlandaise à ses différentes époques (Amsterd. 1854); L. Schneider, Geschichte der niederländischen Litteratur (Leipz. 1887); te Winkel, Geschiedenis der nederlandsche letterkunde (Haarl. 1887 ff., 3 Bde.); Mone, Übersicht der niederländischen Volkslitteratur älterer Zeit (Tübing. 1838); Hoffmann von Fallersleben, Übersicht der mittelniederländischen Dichtung (2. Aufl., Hannov. 1857); v. Hellwald, Geschichte des holländischen Theaters (Rotterd. 1874); Luc. Müller, Geschichte der klassischen Philologie in den Niederlanden (Leipz. 1869).

Niederländische Sprache, die in den heutigen Niederlanden geltende Schriftsprache, eine Unterabteilung der niederfränkischen Dialekte (s. Deutsche Sprache, S. 786). Man versteht darunter aber auch die Gesamtheit der in den Niederlanden und den deutschen Teilen von Belgien gebrochenen Mundarten. Aus der ältesten Periode dieser Sprachen besitzen wir nur ein Bruchstück einer Psalmenübersetzung (aus dem 9. Jahrh.). Erst im 13. Jahrh. entwickelt sich eine reiche Litteratur, das sogen. Mittelniederländische. Charakteristisch für die Sprache ist die Dehnung vieler ursprünglich kurzer Stammsilben, die schon mittelniederländisch vollzogen ist, während im gleichzeitigen Oberdeutschen die Kürze noch erhalten ist. Im Mittelniederländischen sind drei Hauptgruppen von Dialekten zu unterscheiden: die holländischen, flandrischen, brabantischen. Seit dem Ausgang des 16. Jahrh. gewinnt die Sprache von Holland das Übergewicht und wird die Grundlage der heutigen Schriftsprache. Dies Ergebnis ist zum Teil der Amsterdamer Kammer der Rederijker (s. Niederländ. Litteratur, S. 156) zu verdanken u. besonders den Bemühungen von Dirk Koornhert, Roemer Visscher u. Hendrik Spieghel. Von diesen Männern veranlaßt, erschien 1584 eine Grammatik des Holländischen, die in der Folge großen Einfluß übte. Von wichtigen sprachlichen Schriften vor dieser Grammatik sind zu erwähnen: Plantins "Thesaurus theutonicae linguae: