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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Niederwall; Niederwildungen; Niederzwönitz; Niedlich; Niednagel; Niedner; Niedrige Inseln; Nieheim; Niel; Niëllo

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Niederwall - Niëllo.

hauers Schilling, trägt auf einem durch Reliefs und allegorische Figuren geschmückten Sockel von 25 m Höhe die 10½ m hohe Gestalt der Germania aus Bronze (s. Abbildung bei "Germania"). Zum Denkmal führen von Rüdesheim und Aßmannshausen Zahnradbahnen hinauf. Die für den Tag der Enthüllung von den Anarchisten geplante Dynamitexplosion mißlang wegen des feuchten Wetters; die beiden Hauptschuldigen, Reinsdorf und Küchler, wurden im Februar 1885 in Halle hingerichtet. Vgl. Schrattenholz, Der N. mit dem Nationaldenkmal (Zürich 1885).

Niederwall (Faussebraie), s. Festung, S. 181.

Niederwildungen (Wildungen), Stadt u. besuchter Badeort im Fürstentum Waldeck, Ederkreis, an der Linie Wabern-N. der Preuß. Staatsbahn, 228 m ü. M., hat 2 Kirchen (eine mit schönen Denkmälern der Grafen Samuel, Josias und des Fürsten Karl), ein Schloß (Wohnsitz des Prinzen Heinrich zu Waldeck und Pyrmont), eine höhere Bürgerschule, ein Waisenhaus, ein Kreisamt, ein Amtsgericht, eine Forstinspektion, Versand von Mineralwasser und (1885) 2615 meist evang. Einwohner. Die hiesigen Mineralquellen, fünf an der Zahl, sind alkalisch-erdige Eisensäuerlinge von 10-11,5° C. Temperatur und werden vorzugsweise bei Krankheiten der Harnwerkzeuge, namentlich bei Nierensteinen und Blasenkatarrh, mit Erfolg gebraucht. Am häufigsten werden der Stadt- oder Trinkbrunnen (Viktorsquelle) und der Salzbrunnen (Helenenquelle) getrunken. Das Bad liegt 20 Minuten vom Städtchen entfernt. Vgl. Stöcker, Bad Wildungen (8. Aufl., Arolsen 1884); "Führer für das Bad Wildungen" (Wildungen. 1887).

Niederzwönitz, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Chemnitz, an der Zwönitz und der Linie Chemnitz-Aue-Adorf der Sächsischen Staatsbahn, hat Weberei, Strumpfwirkerei, Spitzenklöppelei, Pappenfabrikation und (1885) 2532 evang. Einwohner.

Niedlich heißt das Schöne, wenn es auch bei großer Schönheit klein, hübsch dagegen, wenn auch bei großen Dimensionen seine Schönheit gering ist.

Niednagel (Neidnagel), abgelöste schmale Hautstreifchen zur Seite der Nägel, werden bisweilen schmerzhaft und können Entzündungen veranlassen; man beseitigt sie durch scharfes Abschneiden hart an der Haut.

Niedner, Christian Wilhelm, namhafter Kirchenhistoriker, geb. 9. Aug. 1797 zu Oberwinkel bei Waldenburg, widmete sich zu Leipzig dem Studium der Theologie, ward hier 1829 Professor derselben, privatisierte von 1850 bis 1859 in Wittenberg, folgte dann einem Ruf als Professor der historischen Theologie und Konsistorialrat nach Berlin, wo er 12. Aug. 1865 starb. Sein Hauptwerk ist die "Geschichte der christlichen Kirche" (Leipz. 1846; 2. Aufl., Berl. 1866). Seit 1845 war er Vorsteher der Leipziger Historisch-theologischen Gesellschaft und Herausgeber der "Zeitschrift für historische Theologie".

Niedrige Inseln, s. Tuamotuinseln.

Nieheim, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Minden, Kreis Höxter, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine Dampfziegelei, Gerberei, Käsebereitung und (1885) 1719 meist kath. Einw.

Niel (spr. ni-ell), Adolphe, franz. Marschall und Kriegsminister, geb. 4. Okt. 1802 zu Muret (Obergaronne), erhielt seine Bildung 1821-27 auf der polytechnischen Schule zu Paris und der Applikationsschule zu Metz, ward 1827 Leutnant, 1831 Hauptmann bei den Genietruppen, ging 1836 nach Afrika und erwarb sich bei dem Sturm auf Konstantine den Rang eines Bataillonschefs. Seit 1846 Oberst, leitete er bei der römischen Expedition 1849 die Belagerungsarbeiten, infolgedessen er zum Brigadegeneral ernannt wurde. Darauf übernahm er im Kriegsministerium die Genieabteilung, ward zum Staatsrat im außerordentlichen Dienst und 1853 zum Divisionsgeneral ernannt, leitete in dem Kriege gegen Rußland als Kommandant des Geniekorps der Ostsee-Expedition den Angriff auf die Festung Bomarsund (11.-16. Aug. 1854) und ging, inzwischen zum Adjutanten des Kaisers ernannt, im Januar 1855 in die Krim, um über die Geniearbeiten vor Sebastopol zu berichten. Im April zum Oberbefehlshaber des gesamten Geniewesens der französischen Belagerungsarmee ernannt, hatte er wesentlichen Anteil am endlichen Fall Sebastopols (vgl. seine Schrift "Siége de Sébastopol", Par. 1858). 1857 ward er zum Senator ernannt. Während des italienischen Feldzugs 1859 zeichnete er sich als Kommandant des 4. französischen Armeekorps bei Magenta, besonders aber bei Solferino, wo er den rechten Flügel befehligte, so aus, daß er noch im Juni d. J. zum Marschall von Frankreich ernannt wurde. Im August 1859 erhielt er das Kommando in Toulouse. Als Napoleon III. nach 1866 zu einer Reorganisation der Armee schreiten mußte, wurde N. 20. Jan. 1867 zum Kriegsminister ernannt und brachte trotz der starken Opposition, welche die Erhöhung der Opfer an Geld und Menschen beim Gesetzgebende Körper fand, das neue Armeegesetz, allerdings nicht ohne bedenkliche Änderungen, durch. Auch führte er in der Ausrüstung, im Exerzitium etc. durchgreifende Neuerungen ein, beschaffte das Chassepotgewehr in kürzester Frist, ergänzte die Vorräte und erweiterte die Befestigungen von Metz. Ehe er aber noch die Reorganisation des Heers vollendet hatte, starb er 14. Aug. 1869 an den Folgen einer Operation.

Niëllo (ital., v. lat. nigellus, schwärzlich), Verzierung auf Silber, seltener auf Gold, in neuerer Zeit auch auf Kupfer und Bronze, welche in eingravierten oder durch Stahlplatten eingepreßten, mit einer Art schwarzer Farbe ausgefüllten Zeichnungen besteht. Für die schwarze Masse schreibt Cellini 1 Unze Silber, 2 Unzen Kupfer und 3 Unzen Blei vor, der ältere Theophilus 4/7 Silber, 2/7 Kupfer, 1/7 Blei. Die Menge des Schwefels wird nicht genau angegeben. Nach Plinius sollen die Ägypter diese Masse aus Silber und Schwefel zu gleichen Teilen und ⅓ Kupfer dargestellt haben. Diese Bestandteile sind wiederholt zusammenzuschmelzen, bis die beim Erkalten in Kügelchen zerfallende schwarze Masse gleichmäßiges Gefüge zeigt. Dann wird sie zerstoßen und das zu niellierende Metall, welches durch Wasser mit ein wenig Borax angefeuchtet wurde, gänzlich damit bedeckt. Über glühenden Kohlen wird nun das N. aufgeschmolzen, nach dem Erkalten aber weggeschabt, so daß bloß die vertieften Stellen der Platte noch davon erfüllt bleiben. Endlich wird das Ganze abgeschliffen und poliert. Galvanoplastisches N. erzeugt man auf die Weise, daß man die Metallgegenstände mit Ätzgrund überzieht, in letztern Zeichnungen graviert und diese durch Ätzen vertieft. Man bringt dann den Gegenstand in den galvanoplastischen Apparat, bis durch das niedergeschlagen Kupfer die Züge ausgefüllt sind, wäscht den Ätzgrund ab und schleift und poliert die Oberfläche. Das N. war besonders im Mittelalter beliebt, ein hervorragender Meister war Finiguerra (s. d.) in Florenz um 1450. Da die Goldschmiede von solchen Gravierungen Abdrücke aus Schwefel oder Papier nahmen, um den Fortschritt