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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Niepce; Nieren

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Niepce - Nieren.

Biskuitbäckerei, Bierbrauerei und (1885) 7059 meist evang. Einwohner. N. wird schon 1025 erwähnt und gehörte seit dem 12. Jahrh. den Grafen von Hoya. Der befestigte Ort, der erst 1569 Stadtrechte erhielt, fiel 1582 bei dem Aussterben des Grafengeschlechts an das Haus Lüneburg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde N. 1627 von den Kaiserlichen unter dem Grafen von Anhalt erobert, jedoch 1634 an den Herzog Georg von Braunschweig übergeben. Im Siebenjährigen Krieg wurde es 1757 von den Franzosen besetzt, aber Februar 1758 vom Herzog Ferdinand von Braunschweig eingenommen. Nach dem Fall von Hameln ergab sich 25. Nov. 1806 die preußische Besatzung hier den Franzosen; die Wälle der Stadt ließ 1807 Napoleon I. schleifen. Vgl. Gade, Geschichte der Stadt N. a. d. Weser (1862).

Niepce (spr. ni-epps), 1) Joseph Nicéphore, Erfinder der Photographie, geb. 7. März 1765 zu Châlon sur Saône, diente seit 1789 in der französischen Armee, verwaltete 1795-1801 den Distrikt Nizza, widmete sich dann mit seinem Bruder in seiner Vaterstadt mechanischen und chemischen Arbeiten und seit 1811 der Lithographie. Seine photographischen Bemühungen begannen 1813, und 1824 war es ihm gelungen, die Bilder der Camera obscura zu fixieren. 1826 verband er sich mit Daguerre zur weitern Verfolgung seiner Erfindung, starb aber 3. Juli 1833 in Gras. Vgl. Isidore Niepce, Post tenebras lux. Historique de la découverte improprement nommée Daguerréotypie, etc. (Par. 1841); Fouque, La vérité sur l'invention de la photographie: Nic. N. (das. 1867).

2) Claude Marie François N. de Saint-Victor, Neffe des vorigen, geb. 26. Juli 1805 zu St.-Cyr bei Châlon sur Saône, besuchte die Militärschule in Saumur, trat als Offizier in ein Dragonerregiment, diente 1845-48 in der Pariser Munizipalgarde und wurde 1854 zweiter Kommandant des Louvre. In dieser Laufbahn verfolgte er eifrig die Arbeiten seines Onkels, besonders diejenigen, welche sich auf Heliographie bezogen; er war einer der ersten, welche die Photographie auf Glas versuchten, eröffnete dadurch der Photographie eine neue Ära und bereitete den Weg zur Anwendung des Kollodiums vor. Er brachte auch zuerst gewisse Farben auf der Photographie hervor, und es gelang ihm, denselben einige Beständigkeit zu geben. Er starb 7. April 1870. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Traité pratique de gravure héliographique" (Par. 1856); "Recherches photographiques" (das. 1855).

Nieren (Harndrüsen, Renes), die drüsigen Organe zur Absonderung des Harns oder zur Abscheidung gewisser für den Körper unbrauchbarer Stoffe aus dem Blut in flüssiger oder fester Form. Ursprünglich höchst wahrscheinlich als Hautdrüsen nahe der Oberfläche der äußern Haut gelegen, kommen sie doch bei den meisten Tieren tief im Innern des Körpers, in der Leibeshöhle, vor. Außer ihrer eigentlichen Funktion übernehmen sie häufig auch noch die Fortleitung der Geschlechtsstoffe (Samen, Eier). In den einzelnen Abteilungen des Tierreichs sind sie von sehr verschiedener Form, meist röhrig und oft von ungemeiner Länge, daher in viele Schleifen aufgewunden (sogen. Schleifenkanäle) bei Würmern, ebenfalls röhrig und lang bei den Insekten (sogen. Malpighische Gefäße), meist sehr unansehnlich bei den Krebsen, wiederum stark entwickelt, aber in Form eines Sackes, bei den Mollusken etc. Bei den Wirbeltieren stellen die N. in ihrer einfachsten Form (sogen. Urniere der Cyklostomen) einen langen, geraden Kanal (Urnierengang) dar, welcher vorn durch mehrere trichterförmig Öffnungen mit der Leibeshöhle in Verbindung steht, hinten in der Nähe des Afters durch eine besondere Öffnung, den sogen. Bauchporus, nach außen mündet und von Strecke zu Strecke seitliche Harnkanälchen abgibt, von denen jedes ein einzelnes Nierenbläschen (s. unten) bildet. Bei den Fischen erstreckt sich die Niere durch den ganzen Leib hindurch, manchmal bis zum Kopf hin, liegt dicht unter der Wirbelsäule und läßt in dem hintern Abschnitt zwei Gänge, die Harnleiter, aus sich hervorgehen, welche, gewöhnlich vereint und häufig zu einer Art von Harnblase erweitert, hinter dem After ausmünden. Auch ist an diesem Gang bei vielen Fischen ein besonderer seitlicher Zweig mit einer weiten Öffnung nach der Leibeshöhle zu ausgestattet und nimmt aus ihr die reifen Geschlechtsstoffe auf, so daß also die Harnleiter wenigstens in ihrem untern Teil zugleich als Samen-, resp. Eileiter fungieren. Diese Verbindung von Harn- und Geschlechtsorganen in ihren Ausführungsgängen ist in ähnlicher Weise bei allen übrigen Wirbeltieren vorhanden (näheres s. bei "Geschlechtsorgane"). Der absondernde, vordere Teil der N. ist übrigens bei den Fischen ein kompaktes Organ. Bei den Amphibien hingegen bleibt nur der hintere Abschnitt der Urniere als Drüse thätig; für ihn bilden sich alsdann besondere Harnleiter aus, während der Urnierengang samt dem vordern Teil der Urniere in nähere Beziehung zu den Geschlechtsorgane tritt. Bei den höhern Wirbeltieren ist es ähnlich, doch liegt die Niere in der Leibeshöhle stets sehr weit nach hinten, ist bei den Reptilien und Vögeln lang und schmal, bei den Säugetieren vielfach rundlich, öfters aber auch in einzelne Lappen geteilt, von denen jeder eine Niere im kleinen darstellt. Diese Nierenlappen enthalten jeder eine Anzahl Nierenbläschen nebst den aus ihnen hervorgehenden Harnkanälchen, welche auf besondern Papillen (Nierenwärzchen) ausmünden; um letztere zieht sich zur Aufsammlung des hervorquellenden Harns eine trichterförmig Wand, der Nierenkelch. Solcher Lappen sind z. B. bei den Walen gegen 200 vorhanden, meist jedoch viel weniger; verbinden sie sich unvollständig miteinander, so bleibt die Oberfläche der nun einheitlichen Niere höckerig, verschmelzen sie mehr, so wird, wie beim Menschen, die Oberfläche glatt, doch kann alsdann die Trennung im Innern noch bestehen und in der Menge der Nierenkelche ausgedrückt bleiben. Letztere treten aber dann wieder zu einem größern trichterförmigen Rohr, dem Nierenbecken, zusammen, welches den Anfang des Harnleiters bildet. Dieser mündet in die Harnblase (s. d.) ein. Die Urniere, hier auch als Wolffscher Körper, und der Urnierengang, auch als Müllerscher Gang bezeichnet, fungieren nicht weiter im Dienste der Harnbereitung (s. Geschlechtsorgane).

Die N. des Menschen (s. Tafeln "Eingeweide I" und "Blutgefäße") sind zwei bohnenförmige, rotgraue Drüsen von je etwa 10 cm Länge, 5-7 cm Breite, 3½-4½ cm Dicke und 120-170 g Gewicht. Sie liegen (und zwar die rechte etwas tiefer als die linke) in der Lendengegend, dicht an der Wirbelsäule, und werden vom Bauchfell nicht überzogen, dagegen von einer Schicht fettreichen Bindegewebes (Nierenfett) eingehüllt, jedoch nicht so fest, daß nicht infolge mechanischer Einwirkungen (z. B. Druck benachbarte Geschwülste, starkes Schnüren bei Frauen) Lageveränderungen einer oder beider N. eintreten könnten (sogen. wandernde N.). Darunter folgt dann eine weißliche, dünne, aber feste Haut, welche der Niere selbst angehört. Schneidet man eine Niere der Länge