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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ni fallor; Nièvre; Nifen; Niflheim; Nigauderie; Nigde; Nigella; Niger

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Nièvre - Niger.

(Flor. 1867, 2 Bde.; deutsch von I. ^[Isolde] Kurz, Leipz. 1877, 2 Bde.; auch bei Heyse, s. oben), eine Art historischen Romans, der die Geschichte Italiens von 1775 bis 1858 mit künstlerischer Hand zur Darstellung bringt, wobei drei denkwürdige Episoden: der Sturz der venezianischen Oligarchie, die Belagerung von Genua und die neapolitanische Revolution von 1820, besonders hervortreten. Auch in lyrischen Produkten (gesammelt u. d. T.: "Poesie di Ippolito N.", Flor. 1883) bethätigte sich das eigentümliche und bedeutende Talent des Dichters.

Nièvre (spr. njähwr), Departement in Zentralfrankreich, gebildet aus der alten Provinz Nivernais und Teilen von Orléanais und Gâtinais, grenzt im Norden an die Departements Loiret und Yonne, im O. an Côte d'Or und Saône-et-Loire, im S. an Allier und im W. an Cher (von letzterm durch Loire und Allier getrennt) und hat einen Flächenraum von 6816 qkm (123,8 QM.). Das Land ist bergig, besonders im O. durch das Morvangebirge, die Wasserscheide zwischen Loire und Seine (im Prénelay 850 m hoch); im S. und W. fließt die Loire, welche hier rechts den Aron, die 53 km lange Nièvre, welche dem Departement den Namen gibt, und den Nohain, links den schiffbaren Allier aufnimmt. Zum Flußgebiet der Seine gehört die Yonne, welche hier ihren Ursprung hat. Das Klima ist in den Thälern gemäßigt und gesund, dagegen auf den Plateaus des Morvan kalt und feucht. Die Bevölkerung beläuft sich auf (1886) 347,645 Seelen (51 auf 1 qkm). Der Boden ist im allgemeinen dem Ackerbau nicht sehr günstig, durch fleißige Bearbeitung aber selbst in den Gebirgsgegenden ziemlich ergiebig gemacht. Von der Gesamtfläche kommen (1882) auf Äcker 332,594, Wiesen 102,023, Weinberge 11,270, Wälder 200,426, Heide- und Weideland 5078 Hektar. Die Produktion an Getreide beträgt durchschnittlich 2,5-3 Mill. hl, hauptsächlich Weizen und Hafer, sodann Gerste und Roggen; doch genügt dieselbe für den Bedarf des Departements nicht. Andre Bodenerzeugnisse sind: Kartoffeln, Hülsenfrüchte, sehr viel Rüben, Hanf, Raps, Äpfel und Wein von mittlerer Qualität (1882 nur noch 104,558 hl). Die ausgedehnten Forsten liefern viel Bau- und Brennholz, das nach Paris geflößt wird. Die Viehzucht (204,723 Stück Vieh) ist ziemlich bedeutend; eines besondern Rufs erfreuen sich die Ochsen der Nivernaisrasse, dann die Schafe (199,846), welche zwar klein sind, aber schmackhaftes Fleisch und feine Wolle liefern. Auch die Pferde sind wegen ihrer Ausdauer geschätzt. Von höchster Bedeutung für das Departement sind der Bergbau und die darauf gegründete metallurgische Industrie. Ersterer liefert vor allem Steinkohlen, wovon in den Bergwerken von Décize 1885: 191,500 Ton. gefördert wurden, dann Eisenerz, Kalkstein und Gips. Von den Mineralquellen sind die von Pougues, St.-Honoré und Parizé le Châtel die besuchtesten. Die metallurgische Industrie umfaßt mehrere große Eisen- und Stahlwerke (darunter die zu Fourchambauld, La Chaussade und Nevers). Andre Industriezweige von größerm Umfang sind die Fabrikation von Porzellan, Fayence und Glas. Der lebhafte Handel hat Eisen- und Holzwaren, Kohlen und Wein zu Hauptgegenständen und wird durch ein reiches Netz von Verkehrswegen gefordert. Auch fehlt es nicht an Wasserstraßen, denn außer den schiffbaren Flüssen Loire und Allier und dem Seitenkanal der erstern geht der Kanal von Nivernais, welcher die Loire durch den Aron und die Yonne mit der Seine verbindet, mitten durch das Departement. Von Eisenbahnen durchziehen das Departement die Linien Paris-Nevers-Lyon, dann Nevers-Auxerre, Nevers-Autun und Clamecy-Cercy la Tour. In administrativer Beziehung wird das Departement eingeteilt in die vier Arrondissements Château-Chinon, Clamecy, Cosne und Nevers; Hauptstadt ist Nevers. Vgl. Soultrait, Dictionnaire topographique du département de la N. (Par. 1865); Jullien, La N. à travers le passé (das. 1886).

Ni fallor (lat.), wenn ich mich nicht irre.

Nifen (Neifen), s. Gottfried von Neifen.

Niflheim, s. Nordische Mythologie.

Nigauderie (franz., spr. -goh-), Albernheit, Pinselei.

Nigde, Hauptstadt eines Liwa im türk. Wilajet Konia in Kleinasien, mit geräumigen Bazaren, schöner Moschee, vielen alten Architekturresten und 6000 bis 7000 Einw. In der Umgegend viel Weinbau.

Nigella L. (Schwarzkümmel), Gattung aus der Familie der Ranunkulaceen, einjährige Kräuter mit zwei- bis dreifach fiederteiligen, schmalzipfeligen Blättern, von denen die obersten bisweilen zu einer dicht unter der terminalen Blüte stehenden laubigen Hülle zusammengedrängt sind. Die Frucht ist eine langgeschnäbelte, vielsamige Balgkapsel. Zehn Arten in den Mittelmeerländern und Westasien. N. damascena L. (Gretchen im Busch, Braut oder Jungfer in Haaren, Kapuzinerkraut), 30-60 cm hoch, kahl, mit hellblauer, von fein geteilter, grüner Hülle umgebenen Blüten und kahlen, blasig aufgetriebenen Balgkapseln, unter den Saaten in den Küstenländern des Schwarzen Meers wachsend, wird in Gärten in verschiedenen Varietäten als Ziergewächs kultiviert. Die Samen riechen beim Reiben deutlich erdbeerartig. N. sativa L. (schwarzer oder römischer Koriander, Nardensame, Nonnennägelein), mit behaartem Stengel, blauen Blüten ohne Hülle, drüsig rauhen Balgkapseln und eiförmigen, dreikantigen, netzaderigen Samen, in Kleinasien und Südeuropa, wird hier und da, z. B. bei Erfurt, kultiviert. Die besonders beim Zerreiben kajeputartig riechenden und ebenso schmeckende Samen wurden früher arzneilich und werden jetzt noch in Ägypten und im Orient als Gewürz angewandt.

Niger (richtiger Nigir, "Fluß"), der dritte Strom Afrikas hinsichtlich der Länge, der zweite hinsichtlich der Wassermasse, entspringt ca. 1000 m ü. M. und nur 250 km von der Pfefferküste als Tembi unter 10° 13' westl. L. v. Gr. und 8° 36' nördl. Br. und vereinigt sich nach 140 km langem Lauf mit dem nicht weit von seiner Quelle unter 10° 15' westl. L. und 8° 45' nördl. Br. entspringende Faliko. Nun nimmt der Fluß den Namen Dscholiba an, vertauscht bald die bisherige südnördliche Richtung mit einer nordöstlichen und bildet auf dieser Strecke die Grenze von Französisch-Senegambien, das nur einmal ein wenig auf das östliche Ufer hinübertritt. Darauf beschreibt der Fluß eine gewaltige S-Krümmung, die bereits südlich vom 14.° nördl. Br. und unter 6° westl. L. v. Gr. beginnt und unter 0° westl. L. und südlich vom 18.° nördl. Br. endigt, da, wo der Fluß sich scharf nach SO. wendet. Auf dieser Strecke nimmt der N. von rechts den großen Bachoi oder Ulu-ulu auf, der ihm mit mehreren weit aufwärts schiffbaren Zuflüssen (Fambine oder Mahel Bodewel, Mahel Danewel u. a.) den nördlichen Abfluß des Konggebirges zuführt. Der N. selbst wird von Baguinta an schiffbar. Weiter nördlich geht ihm noch der Abfluß der Seen Njangai und Do Sukurara (16° nördl. Br.), zahlreiche Inseln bildend, zu, von denen wir nur die Insel Kora (südlich von Timbuktu) kennen. Weit gewaltiger ist die Verzweigung und Insel-^[folgende Seite]