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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nikolaus

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Nikolaus (Rußland).

nators und Chefs der Leibgarde, Peter Wukotitsch, die ihm 30. Juni 1871 auch einen Erbenden Prinzen Danilo Alexander, gebar.

9) N. Pawlowitsch, Kaiser von Rußland, der dritte Sohn des Kaisers Paul I. von dessen zweiter Gemahlin, Maria Feodorowna (Sophia Dorothea von Württemberg), geb. 6. Juli (25. Juni) 1796 im Schloß Gatschina bei Petersburg, wurde mit seinem jüngern Bruder, Michael (geb. 1798), von seiner vortrefflichen Mutter sorgfältig und streng erzogen und genoß einen guten Unterricht. Während der Regierung des ältern Bruders, Alexander, blieb er gänzlich von den Geschäften des Staatslebens entfernt. 1814-15 bereiste er mehrere Länder Europas. Nachdem er sich 13. Juli 1817 mit Charlotte (Alexandra), ältester Tochter König Friedrich Wilhelms III. von Preußen, vermählt hatte, lebte er zurückgezogen im häuslichen Kreis im Anitschkowschen Palast in Petersburg. Sein Geschäftskreis beschränkte sich auf bloßen Garnisondienst, wobei er den Rang eines Oberinspektors beim Geniewesen bekleidete. Nach Alexanders I. Tod (1. Dez. 1825) fiel ihm infolge der geheimen und ihm selbst unbekannten Resignation des ältern Bruders, des Großfürsten Konstantin, die Krone von Rußland zu. Aber erst als Konstantin seine Entsagung bestätigt hatte, übernahm N. 24. Dez. formell die Regierung und wurde 3. Sept. 1826 in Moskau gekrönt. Eine seit Jahren vorbereitet Militärverschwörung (der Dekabristen), welche 26. Dez. 1825 zum Ausbruch kam, unterdrückte er mit großem persönliche Mute. Dies Ereignis sowie die Wahrnehmung einer gewissen innern Zerrüttung, welche das milde, schwankende Regiment Alexanders I. zurückgelassen, übten sicherlich bedeutenden Einfluß auf die Regierungspolitik des neuen Herrschers, der, wenn er auch anfangs die Minister seines Bruders beibehielt, allmählich ein autokratisches Regiment errichtete, das sich auf eine zahlreiche unbedingt ergebene Büreaukratie, vor allem aber auf ein zahlreiches Heer stützte. Die Bevorzugung des Militärs zeigte sich schon in der massenhafte Vermehrung der militärischen Umgebung seiner Person; die Berechtigung der Generaladjutanten, bei allen Behörden Einsicht in die Akten, Rechenschaft über die Verwaltung, Vorlegung der Rechnungen etc. fordern zu können, stellte alle Zivilverwaltung unter militärische Aufsicht. Die Aufhebung der Leibeigenschaft lehnte N. 1826 entschieden ab. Zwar befahl ein Ukas den verschiedenen Lokalbehörden, darüber zu wachen, daß die Leibherren "nichts Übermäßiges" von ihren Bauern fordern sollten; aber bei der Bestechlichkeit der Behörden blieb der Ukas wirkungslos, und selbst die Gesetze, welche später zur Erleichterung der Leibeigenschaft gegeben wurden, verbesserte das Wesen der Eigenhörigkeit nur wenig. Die äußere Politik des Kaisers war in den ersten Jahren seiner Regierung vorzugsweise auf Asien und die Eroberung der Türkei gerichtet. Der persische Krieg brachte in dem Frieden von Turkmantschai (28. Febr. 1828) Rußland einen bedeutenden Zuwachs an Ländergebiet. 1828 begann er den Krieg gegen die Türkei, an dem er, obwohl er nicht den Oberbefehl führte, selbst teilnahm, und der Rußland 1829 im Frieden von Adrianopel die Ostküste des Schwarzen Meers, den freien Verkehr auf der Donau, im Schwarzen und Mittelländischen Meer und als weitere Folge die Gründung des griechischen Königreichs einbrachte. Die polnische Erhebung, die 1831 erst nach neunmonatlichem verheerenden Kampf unterdrückt werden konnte, weckte die leidenschaftlichste Rache des Zaren, der sich fortan als den Hort der Legitimität und des Rechts gegen die Revolution betrachtete. Rußland selbst ward mehr und mehr von der westlichen Welt abgeschlossen, und ein verderbliches Polizei- und Spionennetz verbreitete sich namentlich über die westlichen Provinzen. Mit der Russifizierung der verschiedenen Nationalitäten gingen Versuche systematischer Bekehrung der Protestanten und Katholiken zur orthodoxen Kirche Hand in Hand; selbst die griechisch-unierte Kirche mußte 1840 ihre Vereinigung mit der orthodoxen geschehen lassen. Der wachsende Einfluß Rußlands im Orient zeigte sich besonders, als sich Sultan Mahmud II. im Vertrag von Hunkiar Skelessi 1833 N. in die Arme warf und von ihm Hilfe gegen den rebellischen Pascha von Ägypten erflehte. In den politischen Stürmen von 1848 und 1849 bewahrte N. eine zuwartende Haltung, bis sich die günstige Gelegenheit fand, seinen Einfluß nach allen Seiten hin wieder zu sichern. So knüpfte seine Intervention in Ungarn die österreichische Politik an sein Interesse, und das Scheitern der deutschen Sache befestigte seinen Einfluß in Dänemark, während er sich in dem österreichisch-preußischen Zerwürfnis 1850 zum Schiedsrichter aufwarf. Sein Einfluß auf Friedrich Wilhelm IV., dem seine schroffe Energie und sein entschlossenes Auftreten gegen alles, was er Revolution nannte, imponierten, war sehr groß, und die reaktionär-pietistische Partei in Preußen verehrte ihn als ihren Vater. Die Herstellung des Napoleonischen Kaisertums in Frankreich förderte das festere Anschließen der nördlichen Mächte an den Zaren und gewährte die Aussicht auf die Isolierung oder gar Bundesgenossenschaft Englands. Dennoch erwiesen sich die gewonnenen Beziehungen als unzureichend, als N. 1853 zur Ausführung des längst vorbereiteten Plans gegen die Türkei schritt. England und Frankreich traten gegen ihn in den Kampf, und Österreich nahm eine mehr feindliche als freundliche Stellung ein. N. stand allein den vereinigten Feinden gegenüber; die Heeresorganisation Rußlands zeigte sich ungenügend, der Einfall in die Türkei mißlang, die Krim wurde von den Verbündeten angegriffen und die russische Armee an der Alma und bei Inkerman geschlagen. N. wurde aufs höchste davon erschüttert, und noch war der Kampf nicht beendet, als er 2. März (18. Febr.) 1855 starb. N. war unzweifelhaft ein Charakter von schärfster Prägung und die hervorragendste Herrscherpersönlichkeit seiner Zeit. Er war eine stattliche, schöne Erscheinung; in dem Ausdruck des Antlitzes herrschten Strenge und Majestätsbewußtsein vor, die nur selten und nur für Augenblicke einem mildern Ausdruck wichen. Aus seiner sehr glücklichen Ehe gingen hervor: Alexander II. (s. Alexander 18), sein Nachfolger; Großfürsten Maria, geb. 18. (6.) Aug. 1819, vermählt mit dem Herzog von Leuchtenberg, gest. 21. Febr. 1876; Großfürstin Olga, geb. 11. Sept. (30. Aug.) 1822, vermählt mit dem Kronprinzen, jetzigen König Karl von Württemberg; Großfürstin Alexandra Nikolajewna, geb. 24. (12.) Juni 1825, gest. 29. Juli (10. Aug.) 1844 als Gemahlin des Prinzen Friedrich von Hessen-Kassel; Großfürst Konstantin Nikolajewitsch, geb. 21. (9.) Sept. 1827 (s. Konstantin 12); Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch, geb. 8. Aug. (27. Juli) 1831; Großfürst Michael Nikolajewitsch, geb. 25. (13.) Okt. 1832 (s. Michael 2 [S. 580]). Vgl. Lacroix, Histoire de la vie et du règne de Nicolas I (Par. 1864-75, 8 Bde.; unvollendet); Korff, Die Thronbesteigung des Kaisers N. I. (Berl. 1858).

10) N. Nikolajewitsch, Großfürst von Rußland, dritter Sohn des vorigen, geb. 8. Aug. 1831, erhielt eine sorgfältige Erziehung, erwählte sich