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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nikon; Nikopol; Nikopŏli; Nikopŏlis; Nikotianīn; Nikotianismus; Nikotīn; Niksar; Nikschitz; Nil

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Nikon - Nil.

Reichs hergestellt. Er starb 74 und vermachte sein Reich den Römern, was mit dazu diente, Mithridates zum Wiederbeginn des Kriegs (des dritten Mithridatischen) aufzureizen.

Nikon, russ. Patriarch, geb. 1605 unweit Nowgorod, lebte eine Zeitlang als Mönch in einem Kloster am Weißen Meer, wurde 1647 Metropolit von Nowgorod und 1652 Patriarch von Rußland. Wegen seines unbeugsamen Charakters beim Zaren in Ungnade gefallen, wurde er 1666 durch Konzilsbeschluß seiner Würde entsetzt und starb 17. Aug. 1681 in Jaroslaw. N. ließ die slawischen Kirchenbücher nach den griechischen Originalen berichtigen, wodurch er den Abfall der sogen. Altgläubigen (Raskolniken, s. d.) von der russischen Kirche veranlaßte. Mit Unrecht wird ihm die von der Petersburger Akademie herausgegeben sogen. "Nikonsche Chronik" (Petersb. 1767-92, 8 Bde.) zugeschrieben, welche nur deshalb seinen Namen führt, weil er sie der Bibliothek des Woßkressenskischen Klosters schenkte. Vgl. Makarios, Der Patriarch N. (russisch, Mosk. 1881).

Nikopol (spr. -polj), Flecken im russ. Gouvernement Jekaterinoslaw, am Dnjepr, hat 2 Kirchen, eine Schiffswerfte, lebhaften Speditionshandel und 9706 Einwohner.

Nikopŏli, Kreisstadt in Bulgarien, früher im türkischen Wilajet Tuna (Donauprovinz), an der Donau, wenig unterhalb der Mündungen des Osem und der Aluta, hat ein jetzt verfallenes Schloß, eine interessante byzantinische Kirche und (1881) 4652 Einw., welche Landbau, Fischerei und Kleinhandel treiben. Schon 1810 waren seine Befestigungen von den Russen gesprengt und seitdem nie ordentlich wiederhergestellt worden; dagegen ist die natürliche Lage der Stadt überaus fest und von der Wasserseite fast unangreifbar. Auf der Höhe westlich liegen die Citadelle und das Fort Tuna-Kalé ("Donauschloß"), 1877 durch passagere Werke bedeutend verstärkt. Bei N., das erst im 7. Jahrh. n. Chr. von Kaiser Heraklios gegründet ist, schlug Bajesid 28. Sept. 1396 ein Heer von 100,000 Christen unter Siegmund von Ungarn (vgl. Köhler, Die Schlachten von N. und Warna, Bresl. 1882). Hier auch 1598 Sieg des Walachenfürsten Michael über die Türken. Am 27. Sept. 1810 ward N. von den Russen genommen und 18. Febr. 1829 hier von denselben eine türkische Flotte vernichtet. Am 25. Juli 1829 ward das befestigte Lager der Türken bei N. durch die Russen unter Gowarow erstürmt. Ebendieselben eroberten es 16. Juli 1877. Seit 1878 gehört N. zum Fürstentum Bulgarien.

Nikopŏlis (Aktia-N.), im Altertum Stadt auf der Südwestspitze von Epirus, 7 km nördlich vom heutigen Preveza, von Augustus, dessen Lager dort gestanden, zum Andenken an seinen Sieg über Antonius gegründet. Er erbaute daselbst einen Tempel des Neptun und stiftete zu Ehren des Apollon feierliche Kampfspiele. N. wurde Hauptstadt von Epirus, mit autonomer Verfassung nach griechische Weise, war jedoch schon zu Julians Zeiten teilweise verfallen. Von den Goten geplündert, wurde sie von Justinian wiederhergestellt, verschwindet aber im Mittelalter aus der Geschichte. Die ansehnlichen Ruinen (2 Theater, Wasserleitung, Stadium etc.) heißen jetzt Paleopreveza.

Nikotianīn (Tabakkampfer) C23H32N2O3^[C_{23}H_{32}N_{2}O_{3}], Bestandteil getrockneter (nicht frischer) Tabaksblätter: scheidet sich aus dem über Tabaksblättern destillierten Wasser in farblosen Kristallblättchen ab, riecht tabakartig, schmeckt bitterlich gewürzhaft, löst sich wenig in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, ist sehr flüchtig, gibt mit Kalilauge Nikotin, reizt die Zunge, den Schlund und die Nase und soll innerlich Kopfweh und Übelkeit erzeugen.

Nikotianismus, Vergiftung durch Tabak.

Nikotīn C10H14N2^[C_{10}H_{14}N_{2}], Alkaloid, findet sich in Blättern und Samen des Tabaks an Zitronen- und Äpfelsäure gebunden. Ordinärer Tabak enthält 7-8, Havanatabak gegen 2 Proz.; doch steht der Gehalt in keinem erkennbaren Verhältnis zur Güte des Tabaks. Es wird erhalten, wenn man Tabak mit stark verdünnter Schwefelsäure auszieht, die Lösung auf die Hälfte verdampft, mit Kalilauge destilliert und dem Destillat das N. durch Schütteln mit Äther entzieht, welcher es nach dem Verdunsten zurückläßt. Es bildet ein farbloses Öl vom spez. Gew. 1,048, riecht stark nach Tabak, in verdünntem Zustand ätherartig, schmeckt scharf und brennend, mischt sich mit Wasser, Alkohol und Äther, erstarrt nicht bei -10°, siedet bei 250° unter teilweiser Zersetzung, verflüchtigt sich aber leicht bei gewöhnlicher Temperatur und ist im Wasserstoffstrom bei 150-200° unzersetzt destillierbar. Es reagiert alkalisch und bildet mit Säuren leicht lösliche, sehr scharf schmeckende, schwer kristallisierbare Salze. N. ist höchst giftig und wirkt etwa 16mal stärker als das ähnliche Coniin. Wegen seiner Flüchtigkeit geht es auch in den Tabaksrauch und in den Tabaksaft der Pfeifen über. Vgl. Weidel, Zur Kenntnis des Nikotins (Wien 1873).

Niksar, Stadt im türk. Wilajet Siwas in Kleinasien, am Kelkid (Lykos), mit 9500 Einw. (davon ¼ Christen) und einer alten sarazenischen Burg. N. ist das alte Neocäsarea, wo 314 eine denkwürdige Kirchenversammlung gehalten wurde.

Nikschitz, fast im Mittelpunkt des jetzigen Montenegro 650 m hoch gelegene Stadt, im obern Thalbecken der (unterirdisch abfließenden) Zeta, mit 2000 Einw., früher wichtige Festung und Hauptstützpunkt der Türken in ihren Kämpfen gegen Montenegro, wurde 8. Sept. 1877 von den Montenegrinern erobert und 1878 an sie abgetreten.

Nil (Anil), Pflanze, s. Indigofera.

Nil, der bedeutendste der afrikanischen Ströme, nicht nur weil er der längste von allen, sondern auch weil er der historisch wichtigste ist. Unter den großen Strömen der Erde überhaupt steht er an Länge nur dem Missouri-Mississippi nach; während dieser 7050 km Länge hat, mißt der N., soweit wir nach unsrer jetzigen Kenntnis eine Berechnung aufstellen können, 7000, der Amazonenstrom 6000 km. Die Frage nach seinem Ursprung beschäftigte bereits die alten Griechen und Römer, und "caput Nili quaerere" ("die Quelle des Nils suchen") war zu einer sprichwörtlichen Redensart geworden. Bis 1863 aber konnte man den Ursprung des Nils nur auf Ptolemäischen Karten studieren. Schon Eratosthenes beschreibt uns vortrefflich den Strom mit seinen Krümmungen von Meroe, von 17° nördl. Br. bis zur Mündung, und auf den Karten des Agathodämon zu den Tafeln des Ptolemäos erhalten wir ein getreues Bild von der S-förmigen Wendung des Stroms in Nubien. Ptolemäos wußte, daß der rechte Hauptarm des Flusses, der Blaue N., aus dem abessinischen Tanasee stammt; Strabon kannte den Sobat (Asta-Sobas), den rechten Nebenfluß des Weißen Nils, unter 9° nördl. Br. Dem Äquator noch näher rückten die Kenntnisse der Alten durch die Expedition, welche Kaiser Nero ausrüstete, und die auf dem Weißen N. bis etwa in die Region des heutigen Sees No gelangte, wo der Gazellenfluß mit dem N. sich vereinigt. Ptolemäos (125 n. Chr.) wußte endlich, daß der Weiße N. auf der südlichen Erdhälfte aus Seen entspringe