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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nobilis Farbenringe - Nocktakel.

Nobilis Farbenringe, schöne, verschiedenfarbige Gürtel, welche man nach Nobili (1826) erhält, wenn man eine horizontal auf den Boden eines Gefäßes gelegte, mit dem positiven Pol einer galvanischen Batterie verbundene Silberplatte (silberplattierte Kupferplatte) mit einer Lösung von essigsaurem Blei (Bleizucker) übergießt und in die Lösung einen mit dem negativen Pol verbundenen vertikalen Platindraht eintaucht; der Sauerstoff, welcher sich durch Elektrolyse an der positiven Platte abscheiden sollte, oxydiert das Blei der Lösung zu Bleisuperoxyd, welches sich auf der Platte als dünner, durchsichtiger Überzug absetzt, der unmittelbar unter dem negativen Platindraht am dicksten ist und von da, ringsum nach außen hin dünner werdend, in immer weitern Kreisen sich ausbreitet. Diese dünne Schicht zeigt nun Interferenzfarben (Farben dünner Blättchen, Newtons Farbenringe), welche, weil jeder andern Dicke ein andrer Farbenton entspricht, als bunte, kreisförmige Ringe den durch den Platindraht bezeichneten Mittelpunkt konzentrisch umgeben. Man benutzt solche mit Interferenzfarben prangende Überzüge, um allerlei kleine Metallgegenstände, wie Aschenbecher, Tischglocken etc., durch Elektrolyse zu schmücken, und nennt dieses Verfahren Galvanochromie oder Metallochromie (s. Galvanische Färbung). In neuester Zeit hat Guébhard kompliziert derartige Ringsysteme dargestellt, indem er der verschiedenartig begrenzten Metallplatte Pole in verschiedener Anzahl und Gruppierung gegenüberstellte. Die farbigen Kurven, die man jedesmal erhält, sind die Linien gleicher Dichte der aus der Flüssigkeit in die Metallplatte eintretende Strömung; sie sind in ihrem Aussehen ähnlich den Linien gleicher Spannung (gleichen Potenzials), welche sich in der Metallplatte ergeben würden, wenn die Poldrähte unmittelbar auf dieselbe ausgesetzt würden.

Nobilissimus (lat.), unter den römischen Kaisern Titel der Mitglieder der kaiserlichen Familie, namentlich des Mitregenten und Thronfolgers; daher Nobilissimatus, s. v. w. Inhaberschaft dieses Titels.

Nobilĭtas (lat.), Adel (s. Nobilität); N. codicillaris, Briefadel; N. realis, Inbegriff der vormals mit dem Besitz adliger Güter verbundenen Rechte etc.

Nobilĭtät (lat. nobilitas), in Rom die Gemeinschaft derjenigen Familien, auf welche sich seit dem zweiten Punischen Krieg die höhern Ehrenstellen allmählich fast ausschließlich beschränkt hatten, also eine Art Amtsadel, der sich gegen die Außenstehenden ebenso abzuschließen suchte, wie es ehedem die Patrizier gegen die Plebejer gethan hatten, so daß nur ausnahmsweise und selten ein nicht zu ihm Gehöriger zu den höchsten Ehrenstellen, namentlich zum Konsulat, gelangte. Die Mitglieder dieser Familien hießen Nobiles, auch Optimates, Boni viri; diejenigen, welche diesem geschlossenen Kreis nicht angehörten (Ignobiles), wurden, wenn sie dennoch die höchsten Ehrenstellen erreichten, Homines novi genannt.

Nobilitieren (neulat.), in den Adelstand erheben.

Nobility (engl.), die Gesamtheit des englischen und schottischen hohen Adels, d. h. der Dukes (Herzöge), Marquesses (Marquis), Earls (Grafen), Viscounts (Vikomten) und Lords im engern Sinn (Barone). Der N. (den Noblemen) schließt sich die Gentry an, welche nicht nur die Baronets und titellose Söhne des hohen Adels, sondern auch die großen, aus alter Familie stammenden Grundbesitzer (die sogen. County-Families) umfaßt. Gentry entspricht somit im wesentlichen unserm niedern Adel. Die Stufen der N. werden in der Regel durch königliches Patent verliehen, welches auch die Weise der Vererbung (gewöhnlich auf den ältesten Sohn) bestimmt. Dieser Adel ist nicht an Besitz gebunden und gilt nur für das Haupt der Familie. Der Titel, den die Söhne im gesellschaftlichen Leben führen, wird in gerichtlichen Urkunden nicht gebraucht. Vgl. Gneist, Adel und Rittertum in England (Berl. 1851).

Nobiskrug, noch im vorigen Jahrhundert Bezeichnung für Unterwelt, Hölle; "nach N. fahren", s. v. w. sterben. In der Altmark (wenn auch unverstanden) noch lokalisiert in Tradition und Gebrauch, insofern dort an der Grenze des Drömling ein Dorf N. (oder Ferchau, s. v. w. Seelenau) liegt und man den Toten (die sich dort versammeln sollen) ein Geldstück unter die Zunge legt (das alte Fährgeld). Das Wort "Nobis" ist noch nicht sicher erklärt; meist leitet man es von in abysso (davon ital. nabisso, "Hölle") her.

Noblemen (engl., spr. nōblmĕn), "Edelleute", d. h. Mitglieder der Nobility (s. d.).

Noblesse (franz.), s. v. w. Adel; auch Gesamtheit der Vornehmern an einem Ort; auch der äußere Ausdruck edler Denkungsart. N. oblige, "Adel legt Pflicht auf" (sich standesgemäß zu benehmen, edel zu handeln).

Noce (Nos, Nosbach), Fluß in Südtirol, welcher am Corno dei tre Signori (der Ortlergruppe) entspringt und bei San Michele in die Etsch mündet. Sein Thal heißt im obern Teil Sulzberg (Val di Sole), hat hier hochalpinen Charakter und verzweigt sich mit seinen Seitenthälern bis in die Eiswildnisse der Presanella- und Ortlergruppe; in seinem untern Teil heißt es Nonsberg (Val di Non) und ist hier eigentlich eine vom N. und seinen Zuflüssen tief durchfurchte Hochebene mit dichter Bevölkerung, Seidenzucht und Weinbau, vielen Schlössern und Burgruinen, gegen das Etschthal durch den vom N. durchbrochenen Engpaß Rocchetta gesperrt.

Nocera (spr. notschēra), 1) N.-Umbra, Stadt in der ital. Provinz Perugia, Kreis Foligno, an der Eisenbahn Rom-Ancona, Sitz eines Bischofs, hat mehrere Kirchen (darunter die Kathedrale mit schönem Altarbild von Alunno), eine eisenhaltige Sauerquelle und (1881) 1308 Einw. -

2) N.-Inferiore (das antike Nuceria Alfaterna), Stadt in der ital. Provinz Salerno, an der Bahnlinie Neapel-Metapont, ist Bischofsitz, hat eine Kathedrale, in geringer Entfernung außerhalb der Stadt die interessante altchristliche Taufkirche Santa Maria Maggiore (aus dem 5. Jahrh.), Baumwollspinnerei u. -Weberei u. (1881) 12,522 Einw. Vgl. Orlando, Storia di N. (Neap. 1884).

Nochgeschäft (Nachgeschäft), Geschäft "auf noch", "mit noch", ein Prämiengeschäft, bei welchem der Prämienzahler die Wahl hat, ob er die ursprünglich vereinbarte Menge oder mehr als diese liefern, bez. fordern will. Vgl. Börse (S. 238).

Noch ist Polen nicht verloren (poln. Jeszcze Polska nie zginęła), die Anfangsworte des sogen. Dombrowski-Marsches, welcher von der polnischen Legion gesungen wurde, die General Dombrowski 1796 in Italien unter Bonaparte gebildet hatte.

Nock, aus dem Niederländischen stammende Bezeichnung der äußersten über das Segel ragenden Enden einer Raa, auch der beiden obern Ecken eines vierkantigen Segels.

Nockbindsel, dünne Taue zum Festbinden der Segelnocken an den Raa- und Gaffelnocken.

Nocken, kleine Klöße aus Mehl, Grieß etc.

Nockgordinge, Taue am Seitenliek der Raasegel.

Nocktakel, an Raaen befestigtes Windezeug für das Lade- und Löschgeschäft und für das Aussetzen und Einholen der Boote.