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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nolens volens - Nominalelenchus.

Nōlens vōlens (lat.), "nicht wollend (oder) wollend", d. h. gleichviel ob gutwillig oder nicht.

Nolet de Brouwere van Steeland (spr. nolä de brauere), Johann Karl Hubert, vlämischer Dichter, geb. 23. Jan. 1815 zu Rotterdam, studierte auf der Universität zu Löwen und ließ sich dann als Privatmann in Brüssel nieder. N. ist seit 1849 Mitglied der dortigen Akademie und wurde bei den Versammlungen des Sprachkongresses und Sprachverbandes wiederholt zum Präsidenten gewählt. Seine erste größere Dichtung war "Noami" (Löwen 1840); ihr folgten: "Ambiorix" (das. 1841; 2. Aufl., Brüss. 1846), "Dichtluimen" (Löwen 1842), "Ernst en boert" (Brüssel 1847), "Zwart op wit" (Amsterd. 1853), "Het groote dietsche vaderland" (Brüssel 1857) u. a., welche in der Gesamtausgabe seiner Gedichte (Amsterd. 1859, 2 Bde.; ein weiterer Band 1871) enthalten sind. Mit etwas derbem Humor ist sein Prosawerk "Een reisje in het Noorden" (Löwen 1843) geschrieben. Früher ein eifriger Verehrer und Förderer alles Deutschen, schlug er nach 1866 zum erbitterten Gegner Preußens und Deutschlands um, wie seine in der Akademie gehaltene Rede: "Du pan-germanisme et de ses influences sur la littérature flamande" (1868) bewies. Gesammelt erschienen noch (in den "Œuvres complètes", 1859-84, 7 Bde.) seine frühern Prosawerke (1873, 2 Bde.); seine neuern als: "Poëzij en proza" (1877) und "Poëzij en lettercritiek" (1884).

Noli, Dorf in der ital. Provinz Genua, Kreis Savona, am Golf von Genua und der Eisenbahn Genua-Nizza, welche das felsige Ufer mit mehreren Tunnels und Galerien durchbricht, mit Schloßruinen, einem Fischerhafen und (1881) 1316 Einw.

Noli me tangĕre (lat., "rühre mich nicht an"), Name der Sinnpflanze oder Sensitive (s. Mimosa); auch s. v. w. Impatiens noli tangere (s. Impatiens). In der Malerei (nach Joh. 20, 17) die Darstellung der Szene, wo Christus nach der Auferstehung der Magdalena erscheint (z. B. Fiesole, Correggio, Tizian etc.).

Nolinsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wjatka, an der schiffbaren Woja (Nebenfluß der Wjatka), mit 4 Kirchen und (1885) 3987 Einw.

Noli turbāre circŭlos meos (lat., "störe meine Kreise nicht"), Ausspruch des Archimedes, mit dem er den auf ihn eindringenden Feind, der ihn in seinen mathematischen Betrachtungen störte, zurückwies.

Nolla, Zufluß des Hinterrheins (s. d.).

Nollendorf, Dorf in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Aussig, mit (1880) 452 Einw. Bei N. entschied 30. Aug. 1813 General von Kleist die Niederlage Vandammes in der Schlacht von Kulm (s. d.) und wurde dafür zum Grafen von N. erhoben.

Noma (griech. nomē), s. Wasserkrebs.

Nomāden (griech., Hirtenvölker), Bezeichnung solcher Völkerschaften, welche hauptsächlich Viehzucht treiben und der Ernährung ihrer Herden wegen von einem Ort zum andern ziehen. Ihre Wohnungen sind leicht aufzuschlagende und abzubrechende Zelte und Hütten. In der Kultur stehen die N. nicht höher als die Jäger- und Fischervölker, aber niedriger als die ackerbau- und gewerbtreibenden. Den N. fehlt Sinn für eine Heimstätte, ihren Regierungen Sorge für allgemeine Wohlfahrt. Seine Sonderinteressen gibt der Nomade niemals auf, nirgends ward er ein zuverlässiger Unterthan; im Urzustand war Raub, später Warentransport seine Hauptbeschäftigung. Wo immer N. Abgaben entrichten sollten oder durch andre Völker getrieben wurden, zogen sie aus und gaben in dichten Zügen bis in weit entfernte Gegenden Anlaß zu Völkerwanderungen und zu Staatenumwälzungen. Schnelligkeit der Bewegung und größte Barbarei, gepaart mit Ausdauer, Mut und dem Bewußtsein, nichts zu verlieren zu haben, machten früher Nomadenheere unwiderstehlich; erst die Gegenwart mit ihren auf dem Studium der Naturkräfte beruhenden großartigen Erfindungen erwies sich den Nomadenheeren gewachsen. Beispiele von Nomadenzügen sind: um 2300 v. Chr. in Ägypten der Einfall der (Mena oder Hyksos genannt) Hirtenvölker, die von den Ufern des Persischen Meerbusens kamen und ihrerseits von den aus NO. kommenden Ariern (s. d.) gedrängt sein mochten; im Wendepunkt des Altertums die Züge der Hunnen, im Mittelalter jene der Mongolen. Die meisten N. gibt es noch in Zentralasien; in Nordsibirien, Südafrika, Süd- und Nordamerika finden sich die Gewohnheiten der N. vereinigt mit denen der Jägervölker. Vgl. die statistische Übersicht bei Artikel "Bevölkerung" (mit Karte); Waitz, Anthropologie der Naturvölker, Bd. 1 (Leipz. 1859); Grigorjew, Die N. als Nachbarn und Eroberer zivilisierte Staaten (Petersb. 1875).

Nomarch (griech.), s. Nomos.

Nombre de Dios (Villa de N.), Stadt im mexikan. Staate Durango, in fruchtbarem Thal, 65 km östlich von Durango, hat 2 Baumwollfabriken, Mescalbrennerei und (1877) mit Gebiet 5722 Einw. 20 km davon die von Amerikanern bebauten Silbergruben Vaca San Marcus und Bismarck.

Nombres (franz., spr. nongbr), Zahlen, speziell in der kaufmännischen Buchführung s. v. w. Zinszahlen (s. Kontokorrent); daher Nombrerechnung, das besondere kaufmännische Verfahren der Zinsberechnung.

Nom de guerre (franz., spr. nong d' ghär, "Kriegsname"), ehemals Name, den jemand beim Eintritt in die Armee annahm oder erhielt, jetzt bei Schauspielern gebräuchlich, die dem Publikum gegenüber ihren Namen ändern; auch s. v. w. Spitzname.

Nomen (lat., Mehrzahl nomĭna), das Nennwort, s. Substantivum. ^[richtig: Substantiv.]

Nomenclātor (lat., "Namennenner"), zu den Zeiten der römischen Republik ein Sklave, der den Herrn auf seinen Ausgängen zu begleiten hatte, um ihm Namen und Verhältnisse derjenigen anzugeben, die er, vielleicht um ihre Stimme für eine Amtsbewerbung zu erbitten, ansprechen wollte. In der Kaiserzeit hatte der N. die ankommenden Besuche bei der Herrschaft anzumelden. Jetzt ist N. Titel von Büchern, welche die in einem Gebiet ausgezeichneten Männer mit Angabe ihrer Verhältnisse etc. namhaft machen.

Nomen et omen (lat.), "Name und (zugleich) Vorbedeutung", Citat aus Plautus' "Persa", IV, 4, 74.

Nomenklatūr (lat.), Namensverzeichnis gewisser Gegenstände ohne Erklärung, besonders ein auf gewissen Prinzipien und Einteilungsgründen beruhendes für eine Wissenschaft oder Kunst.

Noméntum, alte Stadt in Latium, später zum Sabinergebiet gerechnet, nordöstlich von Rom, war durch ihren Wein berühmt. Seneca und Martial, Ovid und Cornelius Nepos hatten Landhäuser daselbst. Hier schlug Quintus Servilius 435 v. Chr. die Fidenaten und Vejenter. Jetzt Mentana.

Nomĭna (lat., Mehrzahl von nomen), im Rechnungswesen s. v. w. Geld-, Schuldposten; N. activa, Außenstände, Forderungen; N. passiva, zu zahlende Posten, Schulden.

Nomināl... (lat.), den Namen betreffend, dem Namen nach, im Gegensatz zu Real...

Nominaldefinition, s. Definition.

Nominalelénchus (lat.-griech.), früher die vom Geistlichen vor versammelter Gemeinde über eine mit