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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nordpol; Nordpolarländer

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Nordpol - Nordpolarländer.

je eine Schleuse. Der Vorteil, welchen dieser Kanal für die Schiffahrt bietet, wird sehr bedeutend sein. Ganz abgesehen davon, daß in Zukunft der Weg durch den Kanal ein weit sichererer sein wird als durch das unruhige, wegen seiner vielen Schiffbrüche berüchtigte Skagerrak, ist er von der Ostsee vor allen Dingen nach allen südlich von Newcastle an der englischen Ostküste liegenden Häfen ein kürzerer und beträgt z. B. von der Insel Bornholm nach der Themsemündung 200 Seemeilen weniger, von den deutschen Nordseehäfen nach der Ostsee nahezu das Doppelte; die Abkürzung für Lübeck beträgt 570, für Wismar 530 und für Rostock 510 Seemeilen. Die Kosten, welche das Deutsche Reich trägt, sind auf 156 Mill. Mk. veranschlagt. Von dieser Summe hat Preußen 50 Mill. Mk. unter Verzicht auf jede Verzinsung voraus übernommen. Die Bauzeit ist auf acht Jahre berechnet. Am 3. Juni 1887 wurde durch Kaiser Wilhelm bei Holtenau der Grundstein gelegt und damit ein Werk begonnen, dessen Ausführung schon seit Jahrhunderten geplant war, und welches nach der Einigung Deutschlands entschieden als das großartigste und wichtigste nationale Unternehmen gelten muß. Vgl. Sympher, Der N. (Berl. 1886); Jahn, Karte des Nordostseekanals (Kiel 1887).

^[Abb.: Karte des Nordostseekanals.]

Nordpol, s. Pol und Magnetismus.

Nordpolarländer (hierzu Karte "Nordpolarländer"), die innerhalb des Polarkreises gelegenen Länder, sowohl die den Festlandsmassen angehörigen als die von ihnen getrennten Inseln. Vom europäischen Festland gehören folglich dazu: Lappland und ein Teil Nordrußlands, vom asiatischen das ganze nördliche Sibirien, vom amerikanischen das ganze vom Arktischen Ozean bespülte Küstengebiet. Unter den Nordpolarinseln nimmt Grönland (s. d.) den ersten Rang ein. Zwar findet im Norden Grönlands den neuern Entdeckungen zufolge eine bedeutende Annäherung der Küsten statt, und nördlich von der Wrangellinsel wurden 1881: 73½° nördl. Br. erreicht, ohne daß das geringste Anzeichen von Land bemerkt wurde; doch gaben einige Thatsachen der Vermutung Raum, daß sich im NW. der Parryinseln ein nicht unbedeutender Landkomplex befindet. Sollte dies sich bewahrheiten, so zerfiele der Arktische Ozean in zwei Becken, ein östliches, welches die Küsten von Europa und Asien bespült und durch die breite Meeresöffnung zwischen Norwegen und Grönland mit dem Atlantischen Ozean, und ein kleineres westliches Becken an der Nordküste Amerikas, welches durch die Beringsstraße mit dem Stillen Ozean, durch den Smithsund, Lancastersund und andre Meerengen mit der Baffinsbai in Verbindung steht. Bei der verhältnismäßigen Abgeschlossenheit desselben lassen sich die dort vorgefundenen Eismassen und die Schwierigkeit seiner Beschiffung wohl erklären; dringt doch nur ein wenig mächtiger Strom warmen Wassers durch die Beringsstraße in dasselbe ein, während in dem größern östlichen Becken der Einfluß des Golfstroms sich bis jenseit Spitzbergen und Nowaja Semlja fühlbar macht. Auch für die Abfuhr des während des Winters gebildeten Eises sind die Verhältnisse im östlichen Becken günstiger. Der zwischen Grönland und Spitzbergen nach S. gehende Meeresstrom dürfte nach einer sorgfältigen von Dorst gemachten Berechnung jährlich über 3 Mill. qkm (55,000 QM.) Eis dem Atlantischen Ozean zutreiben, und mit Recht schließt dieser Forscher hieraus, daß zu Ende des Sommers im innern Polarmeer größere eisfreie Flächen entstehen müssen. Weit weniger günstig liegen die Verhältnisse im westlichen Becken. Dort staut sich das Eis, namentlich auch infolge der vorherrschenden Westwinde, in den engen Meeresstraßen auf; seine Abfuhr ist verhältnismäßig unbedeutend. Mit Einschluß von Island, aber ohne den Nordrand Europas, Asiens und Amerikas, berechnet man das Gesamtareal der N. auf 3,817,200 qkm (82,500 QM.). Die bedeutendern Inselgruppen im östlichen Polarbecken sind: 1) Spitzbergen, durch die Grönlandsee von Grönland getrennt; nördlich davon hat Parry 1827 die Breite von 82° 45' erreicht. 2) Nowaja Semlja, durch das Spitzbergen- oder Barentsmeer von Spitzbergen, durch die Karische Pforte von der Waigatschinsel und durch die Karasee von Sibirien getrennt. 3) Franz Joseph-Land, 1873 von der von Weyprecht und Payer geführten österreichischen Expedition entdeckt, ein vergletscherter Archipel, vom Austriasund durchschnitten; Payer erreichte hier eine nördliche Breite von 82° 5' u. sah dort Petermannland im Norden liegen. 4) Neusibirien, eine durch ein seichtes Meer vom Festland von Sibirien geschiedene Inselgruppe.