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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nordpolexpeditionen

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Nordpolexpeditionen (Entdeckung der nordwestlichen Durchfahrt).

ten 1838-39 Dease und Simpson. Damit konnte es schon als erwiesen gelten, daß es eine nordwestliche Durchfahrt gebe; aber der Eifer für die Auffindung einer solchen begann zu erkalten. Erst die erfolgreiche Reise von Sir James Clarke Roß nach dem Antarktischen Meer belebte denselben von neuem.

Mit Franklins verhängnisvoller Fahrt beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Polarforschung. Es gelang dem Sekretär der Admiralität, Sir John Barrow, die englische Regierung zur Wiederaufnahme der arktischen Fahrten zu gewinnen. Die bewährten Schiffe Erebus und Terror wurden in Dienst gestellt, mit Dampfmaschinen und aushebbaren Propellern sowie mit Proviant für drei Jahre versehen, der leider später sich zum Teil als unbrauchbar herausstellte. Das Kommando übernahm der bereits 60jährige Sir John Franklin im Erebus, den Terror führte Crozier. Am 18. Mai 1845 segelte die Expedition, 138 Köpfe stark, von London ab, 26. Juli wurde sie westlich von der Melvillebai in 74° 48' nördl. Br. und 66° 13' westl. L. von einem Walfischfänger zum letztenmal gesehen. Ihr Schicksal wurde erst 1859 vollständig aufgehellt. Franklin überwinterte 1845-46 im NW. des Lancastersundes auf der kleinen Beecheyinsel. Nach einer Umfahrung der Cornwallisinsel segelte er südwärts, wahrscheinlich durch den Peelsund und die Franklinstraße, und sah seine Schiffe unfern der Nordwestküste vom König Wilhelm-Land im September 1846 vom Eis besetzt. Dort starb Franklin 11. Juni 1847 (s. Franklin 2). Als man bis Ende dieses Jahrs keine Kunde von ihm erhielt, setzte die englische Regierung eine Belohnung von 20,000 Pfd. Sterl. derjenigen Expedition aus, welche Franklin und seinen Leuten sichere Hilfe, und die Hälfte dieser Summe derjenigen, welche sichere Kunde über ihr Schicksal bringen würde. Dieser Summe fügte Lady Franklin noch 2000 Pfd. Sterl. hinzu. England sandte 1848 drei Expeditionen aus: Moore und Kellett gingen nach der Berings-, Roß und Bird nach der Barrowstraße, Richardson und Bennett gingen über Land und befuhren mit Booten die Küsten des Eismeers; aber keine der Expeditionen fand eine Spur von Franklin. Nun wurden großartige Anstrengungen gemacht, nicht weniger als 14 Fahrzeuge zogen 1850 aus. Collinson und Mac Clure segelten nach der Beringsstraße, Penny und Stewart nach dem Wellingtonkanal, Austin, Ommaney, Osborn und Cator sowie auch de Haven und Griffin (amerikanische Grinnell-Expedition), ferner John Roß und Phillips nach der Barrowstraße, Forsyth nach Prince Regent's Inlet, Puller ging über Land. Umfassende Vorkehrungen waren getroffen, um den Verschollenen Kunde zu geben. Kupfercylinder und Flaschen mit Depeschen wurden ausgeworfen, letztere auch in metallenen Halsbändern gefangenen Füchsen umgehängt und diese dann freigelassen, Felswände wurden beschrieben, Signalstangen aufgerichtet, kleine Luftballons zum Verbreiten von Benachrichtigungen verwandt: alles vergeblich. Einige Schiffe kehrten 1851 nach der Heimat zurück, während Rae über Land und Kennedy zu Schiff nach Prince Regent's Inlet ausgesandt wurden. Im folgenden Jahr segelten von England Belcher und Osborn nach dem Wellingtonkanal, Pullen zur Beecheyinsel, Inglefield nach Smith- und Jonessund, Kellett und Mac Clintock zur Melvilleinsel, wo sie ein Dokument Mac Clures fanden, welches die endliche Entdeckung der nordwestlichen Durchfahrt konstatierte. Mac Clure hatte 1850 durch die Beringsstraße Banksland erreicht, darauf in der Prinz Wales-Straße überwintert und war in die Banksstraße vorgedrungen, bis ihn das Eis zwang, in der Bai of Mercy (74° nördl. Br. und 118° westl. L. v. Gr.) zu überwintern. Hier mußte er sein Schiff zurücklassen, wanderte 1853 übers Eis nach der Melvilleinsel zu Kelletts Schiffen und vollendete so die Nordwestpassage. Auch Kelletts Schiffe mußten 1854 verlassen werden, und zur Beecheyinsel marschierend, vereinigten sich Mac Clure und Kellett mit Belcher und Osborn, die ihre Schiffe im Wellingtonkanal zurückgelassen hatten. Sämtliche Mannschaften kehrten auf zwei von England eingetroffenen Schiffen in die Heimat zurück, die übrigen Expeditionen waren bereits dort angelangt. Alle Teile des Archipels waren erforscht bis auf die Nordwestküste von König Wilhelm-Land, Franklins Unglücksstätte. Man hatte nichts gefunden. So erklärte denn die Regierung Franklin und die Mitglieder seiner Expedition 31. März 1854 für tot, doch sandte Lady Franklin noch verschiedene Expeditionen aus. Die Amerikaner Grinnell und Peabody hatten Kane schon 1853 nach dem Smithsund entsandt, an dessen Ostküste, in der Rensselaerbai (78° 37' nördl. Br.), er überwintern und sein Schiff 1855 im Eis zurücklassen mußte. Doch war durch Schlittenreisen das Kanebassin und nördlichere Gegenden bis 80° nördl. Br. erforscht und die Westküste sogar bis Mount Parry (82° 30' nördl. Br.) gesichtet worden. Als Rae, der im Dienste der Hudsonbaikompanie Ländereien im S. des Boothiagolfs vermaß, durch Eskimo ihm gegebene Nachrichten über Franklin überbrachte, wurden Anderson und Stewart 1855 nach der Mündung des Großen Fisch-Flusses gesandt und fanden dort Beweise, daß ein Teil von Franklins Leuten daselbst dem Hunger und der Kälte erlegen war. Nun rüsteten Lady Franklin und ihre Freunde den kleinen Dampfer Fox aus und übergaben Mac Clintock die Führung. Dieser segelte 1857 ab, wurde in der Baffinsbai vom Eis besetzt und trieb mit diesem umher, bis er 1858 frei wurde, ging dann durch den Lancastersund nach Prince Regent's Inlet und überwinterte in der Bellotstraße. Die im Frühjahr 1859 unternommenen Schlittenreisen führten Mac Clintock und Hobson nach König Wilhelm-Land und entschleierten endlich vollständig das Schicksal der Franklin-Expedition.

Durch die Franklinsucher war die nordöstliche Durchfahrt gefunden, aber als unbrauchbar erkannt worden. Die spätern Expeditionen erstrebten eine wissenschaftliche Erforschung der Polarregionen und als Endziel die Erreichung des Nordpols. Zu diesem Zwecke gingen drei Expeditionen aus. Eine amerikanische unter Hayes segelte 1860 zum Smithsund und überwinterte an der Ostseite desselben im Port Foulke (78° 17' nördl. Br.). Hayes drang 70 Seemeilen ins Innere von Grönland vor, kreuzte im nächsten Jahr den Smithsund mit Schlitten nach der Westküste von Ellesmereland, erreichte seine höchste Breite, Kap Lieber, unter 81° 35' und kehrte 1861 nach Boston zurück. Eine zweite amerikanische Expedition unter Hall, der schon 1860-62 bei den Eskimo im Norden der Hudsonstraße gelebt und 1864-69 die Fury- und Heklastraße und König Wilhelm-Land erforscht hatte, ging 1871 in dem Dampfer Polaris nach dem Smithsund und durch den Robesonkanal bis 82° 16', wo Eismassen Halt geboten. Am 8. Nov. 1871 starb Hall im Thank God-Harbour (81° 38' nördl. Br.). Auf dem Rückweg im nächsten Jahr wurde die Mannschaft unter 80° nördl. Br. vom Eis besetzt und umhergetrieben, schließlich aber doch ge-^[folgende Seite]