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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nord-Wilhelmskanal; Nore; Nörenberg; Norfolk

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Nord-Wilhelmskanal - Norfolk.

Werkstätten für Maschinen. Der Handel richtet sich einesteils nach Tibet und Nepal. Von Tibet kommen Borax, Salz, Wolle, dorthin gehen Baumwolle, Reis, Zucker; von Nepal kommen Getreide, Ölsaaten, Holz, Harze, dorthin gehen Baumwollenstoffe, Metalle, Zucker, Salz. Hauptsitze des Handels sind: Khanpur, Allahabad, Mirzapur, Benares, Mirat, Mattrah, Agra, deren Gesamthandel auf weit über 30 Mill. Pfd. Sterl. geschätzt wird. Diesem Handel dient außer Flüssen und Kanälen ein vielverzweigtes Eisenbahnnetz, welches die Provinz von O. nach W. durchzieht und mit Radschputana, dem Pandschab, Bengalen und Bombay verbindet. Der Handel ist meist in den Händen der Banianen. Für Verwaltungszwecke ist die Provinz (ohne Audh) in 7 Divisionen und 37 Distrikte geteilt. Colleges bestehen in Agra, Allahabad, Benares u. a. O.; auch für den Elementarunterricht wird gesorgt, doch besuchen nur 7 Proz. der schulpflichtigen Knaben und 0,3 Proz. der Mädchen die Schule. Die Sprache der Landbevölkerung ist Hindi, doch wird Hindostani überall gesprochen. In der ganzen Provinz (mit Audh) bestehen 267 Buchdruckpressen und 19 von Indern gebildete wissenschaftliche Gesellschaften. - Die Landschaften der Provinz wurden von den Engländern meist im Beginn des 19. Jahrh. von den Mogulkaisern erworben. Bis 1833 waren sie Teile der Präsidentschaft Bengalen, dann wurde die jetzige Provinz gebildet und Agra zum Sitz der Verwaltung erhoben; seit 1861 ist Allahabad Sitz des Governors.

Nord-Wilhelmskanal (Noord-Willemsvaart), Kanal zwischen Groningen und Assen in Holland, der zugleich die vielen "Fahrten" der drei nördlichen Provinzen vereinigt.

Nore (spr. nohr), Sandbank in der Themsemündung, 5 km nordöstlich von Sheerneß, mit Leuchtschiff.

Nörenberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Stettin, Kreis Saatzig, am Enzigsee, hat ein Amtsgericht, Maränenfischerei und (1885) 2841 meist evang. Einwohner.

Norfolk (spr. nórrfŏk), 1) Grafschaft im östlichen England, zwischen den Grafschaften Suffolk und Cambridge, dem Washbusen und der Nordsee gelegen, umfaßt 5488 qkm (99,7 QM.) mit (1881) 444,749 Einw. Die Küste ist größtenteils flach und den Eingriffen der See ausgesetzt, nur bei Dunstanton Point am Wash findet sich eine 25 m hohe Steilküste. Ein Höhenzug trennt die der See abgewonnenen Marschländer (fens) von dem der Kreidebildung angehörigen westlichen Teil der Grafschaft. Die Hauptflüsse sind die Yare mit ihren schiffbaren Nebenflüssen Bure und Waveney und die gleichfalls schiffbare Ouse. Das Klima ist im allgemeinen angenehm, doch ziemlich nebelig und in den Marschgegenden ungesund. Ackerbau und Viehzucht stehen auf hoher Stufe. 60 Proz. der Oberfläche sind Ackerland, 20 Proz. Weide, 3,7 Proz. Wald. An Vieh zählte man 1887: 64,268 Ackerpferde, 127,189 Rinder, 574,886 Schafe, 89,436 Schweine. Welsche Hühner und Gänse sind zahlreich. Der Fischfang (namentlich von Yarmouth aus) ist ergiebig; dagegen liefert das Mineralreich nur wenige Schätze, und die Industrie ist im ganzen unbedeutend. Hauptstadt ist Norwich. -

2) Wichtige Seestadt im nordamerikan. Staat Virginia, an der Mündung des Elisabethflusses in den Jamesfluß, 11 km oberhalb der Hampton Road (Reede von Hampton) der Chesapeakebai gelegen, mit einem zu jeder Zeit für Schiffe von 9 m Tiefgang zugänglichen Hafen, der von den Forts Monroe und Calhoun verteidigt wird. N. hat (1880) 21,966 Einw. (10,068 Farbige), welche lebhaften Handel mit Obst, Gemüsen, Austern, Geflügel und Baumwolle treiben. N. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Ihm gegenüber liegt Portsmouth, mit Marinehospital, Arsenal und Werften (in der Vorstadt Gosport). Das Arsenal und die im Hafen liegenden Schiffe steckten die Konföderierten 20. April 1861 in Brand (vgl. Hampton 2). Zum Hafen gehörten 1886: 425 Schiffe von 16,377 Ton. Gehalt; Ausfuhr 1886-87: 15,420,140 Dollar, Einfuhr 99,956 Doll. -

3) Insel im Stillen Ozean, zwischen Neukaledonien und Neuseeland, 43 qkm (0,8 QM.) groß. Der meist ebene Boden ist sehr fruchtbar; Wald (Araucaria excelsa) und Wiesen wechseln angenehm ab, aber nur 48 Hektar sind angebaut. Auch die Viehzucht (2000 Schafe, 1350 Rinder, 270 Pferde) ist gering; Walfischfang wird ein wenig betrieben. Die hafenlosen Küsten begünstigten auf der unbewohnten Insel die Gründung einer Verbrecherkolonie 1788 von Neusüdwales aus, die 1856 mit der Aufhebung des Deportationssystems aufgegeben wurde. Die englische Regierung übergab die Insel den Bewohnern von Pitcairn (s. d.), deren Nachkommen, gegenwärtig 470 Seelen, mit 150 Zöglingen der melanesischen Mission aus verschiedenen Inselgruppen die Bevölkerung von N. bilden.

Norfolk (spr. nórrfŏk), Herzogstitel der berühmten engl. Familie Howard. Die ersten Grafen von N. waren aus dem Geschlecht Bigod, nach dessen Aussterben Eduard I. seinen fünften Sohn, Thomas von Brotherdon (geb. 1300, gest. 1338), zum Grafen von N. erhob. Dessen Urenkel von weiblicher Seite, Thomas von Mowbray, Herzog von N. und Nottingham, vermählte seine älteste Tochter, Margaret, um 1420 mit Sir Robert Howard. Des letztern namhafteste Nachkommen sind:

1) John Howard, Sohn des eben Genannten, stieg als Feind des Hauses Lancaster unter Eduard IV. zum Generalkapitän empor. Da er Richard III. bei der Usurpation des Throns unterstützte, verlieh ihm dieser, nachdem der Vetter seiner Mutter, John Mowbray, ohne männliche Erben gestorben war, im Juni 1483 die Würde eines Großmarschalls und Herzogs von N. Nachdem er mit dem König 22. Aug. 1485 bei Bosworth gefallen, wurde er vom Parlament nachträglich als Hochverräter verurteilt und seiner Familie der Herzogstitel wieder genommen.

2) Thomas Howard, Sohn des vorigen, war in der Schlacht von Bosworth in die Hände Heinrichs VII. gefallen und führte, als er nach dreijähriger Gefangenschaft die Freiheit wiedererhielt, nur den von Richard empfangenen Titel eines Grafen von Surrey. Er fiel 1495 an der Spitze eines Heers in Schottland ein, dessen König Jakob IV. ihn zum Zweikampf herausforderte. Nachdem er 1501 Lord-Schatzmeister geworden war, beteiligte er sich wesentlich an der auswärtigen Politik Heinrichs VII. und Heinrichs VIII., welch letzterer ihm nach seinem Sieg über die Schotten 9. Sept. 1513 bei Flodden die Würde eines Herzogs von N. zurückgab. Er starb 21. Mai 1524.

3) Thomas Howard, der älteste Sohn des vorigen, erst Graf Surrey, dann dritter Herzog von N., geboren um 1474, erhielt 1513 die Würde des Großadmirals. Als solcher versuchte er mit Glück eine Landung in Frankreich, befehligte dann in der Schlacht bei Flodden unter seinem Vater die Vorhut und kämpfte 1521-23 gegen die Empörer in Irland. 1522 an die Spitze einer Expedition gegen Frankreich gestellt, landete er in der Bretagne and drang durch die Picardie gegen Paris vor, ward aber durch den