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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Norwegen

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Norwegen (Bodenbeschreibung).

liegt zunächst der breite Altenfjord, dann der Kvänangsfjord und der gegen 100 km lange Lyngenfjord, welcher gegen W. von einer gewaltigen Alpen- und Gletscherkette begrenzt wird, die eine Höhe von 1500-2000 m erreicht (Goatzagaise, Golzevarre, Jäggevarre, Nialavarre u. a.). Diese Kette bildet die orographische Abschließung der Plateaus Finnmarkens. Mit Lyngen beginnt eine durchgehends neue Bildungsart, mit zerrissenen Gebirgen von den bizarrsten Formen, überall durch Thäler und Fjorde gespalten und eingeschnitten. Es ist dies das sogen. Nordland (s. d.), dessen politische Grenze mit der geographischen zusammenfällt, während die ethnographische Nordgrenze Norwegens im Mittelalter sich nur unbedeutend südlich von Lyngen befand. Es erstreckt sich diese zerrissene Landschaft durch mehrere Breitengrade nach S., überall denselben Charakter bewahrend. Die Gebirge haben meistens eine Höhe von 1000-1800 m; ihr höchster Gipfel ist Sulitjelma an der schwedischen Grenze (1880 m), mit großen Gletschern. Der Küste näher liegt der große Gletscher Svartisen (65 km lang, mehr als 1000 qkm, 1097 m hoch). Nur der westliche Abhang des Gebirges gehört hier zu N., während alles jenseit des höchsten Bergrückens schwedisch ist. Von den innersten Winkeln der Meerbusen ist bisweilen die Reichsgrenze nur 20-30, an einer Stelle sogar nur 15 km entfernt. Die wichtigsten Fjorde an dieser Küste sind: Balsfjord (südlich von Lyngen), Malangen-, Ofoten-, Saltenfjord, Ranenfjord und Vefsenfjord. Dem festen Land sind auch hier zahlreiche, meistens große Inseln vorgelagert; am nördlichsten die große Gruppe von Vesteraalen (darunter Hindö), von der die Gruppe der Lofoten sich weit in das Meer hinaus erstreckt. Südlich vom Vefsenfjord fängt das feste Land an breiter zu werden; die Gebirge senken sich, und es bildet das breite Namdal, dessen Fluß Namsen in den Namsenfjord herausfließt, einen Übergang zu den Thälern, welche in das breite, schöne Bassin des Drontheimfjords münden. Hier liegen fruchtbare und wohlkultivierte Gegenden (der Thröndelag, in alten Zeiten der Kern Norwegens), die jedoch auch meistens den norwegischen Thalcharakter bewahren. Die Gegenden an der westlichen Seite dieses breiten und tief ins Land einschneidenden Fjords sind kahl und nur wenig einladend.

Ungefähr unter 63°, in der Nähe der über 600 m hoch liegenden Bergstadt Röraas, spaltet sich das Hochland, und während mächtige Gebirge sich fortwährend in südlicher Richtung zwischen den beiden Reichen und den Flüssen Dal- und Klarelf erstrecken, biegt die Wasserscheide, der Richtung der Meeresküste folgend, gegen SW. ab und pflegt gewöhnlich bis zu der merkwürdigen Einsenkung am Lesjeverksvand (einem 620 m hoch gelegenen Landsee, welcher sein Gewässer gegen SO. dem Skagerrak und gegen NW. dem Atlantischen Meer zusendet) Dovrefjeld benannt zu werden, obgleich dieser Name von den Umwohnenden nur demjenigen Teil beigelegt wird, über welchen die Hauptlandstraße von Christiania nach Drontheim führt. Dieser Teil des Gebirges ist im O. niedriger und weniger wild, nimmt aber im W. an Höhe und Wildheit zu und erreicht hier seine höchste Höhe in der Snehätta, die früher lange als der höchste Berg Norwegens (nach neuester Messung 2321 m) betrachtet ward. Der nördliche Abhang von Dovrefjeld ist ziemlich lang und durch große Thäler (Orkedalen und Guldalen) gespalten. Westlicher bildet die von der Snehätta kommende Driva das Sundal, dessen gewaltige Umgebung den Übergang von dem Thröndelag zu den westlichen Küstenformationen bildet. Der Hauptzug des Gebirges biegt nun plötzlich wiederum in einem rechten Winkel südwärts und wird weiterhin mit dem gemeinschaftlichen, einem kleinern Teil entlehnten Namen Langfjeldene benannt. Von hier an wird der westliche Abhang durch die großen Fjorde gespalten, welche sich bis 209 km in die Gebirgsmassen hineindrängen und einige der großartigsten Landschaften Europas bilden. Nachdem schon südlich vom Drontheimfjord der Stangviksfjord und der Sundalsfjord (in Nordmöre) einen imposantern Charakter angenommen haben, folgt der von schönen Alpenlandschaften umgebene Romsdalsfjord, dessen innerster Zweig die Gewässer der Rauma aufnimmt, die das wilde Romsdal durchströmt (mit den Troldtinden und Romsdalshorn, 1600-1900 m). Dann folgt der Fjordkomplex von Söndmöre, von Gebirgen umgeben, die eine Höhe von 1500-2300 m erreichen, und dessen Küstengegenden und Inseln auch einen wilden Charakter haben. Von S. durch einen langen, im Vorgebirge von Statt endenden Gebirgsrücken getrennt, liegt der Nordfjord, von dessen Seitenzweigen einzelne außerordentlich wild sind, während Fördefjord und Dalsfjord im südlichen Söndfjord weniger großartig und wild sind. Dann folgt der große Sognefjord, von der Sogn benannten Gegend umgeben. Innerhalb dieser erheben sich auf einem Areal von ca. 15,000 qkm die höchsten und wildesten Gebirgsmassen Norwegens, denen man neuerdings den Namen Jotunfjelde (Riesengebirge) beigelegt hat. Hier beträgt die mittlere Höhe des Plateaus, auf welchem sich die spitzen Hörner (Tinder) erheben, etwa 1300 m. Da die Schneegrenze hier bei einer Höhe von 1400 m eintritt, so müßten die sämtlichen Spitzen des Gebirges mit ewigem Schnee bedeckt sein, wenn nicht die glatten Seiten derselben dies verminderten; doch ist jede Kluft und jede nicht allzu jähe Böschung mit Schneemassen bedeckt, und es schieben sich an vielen Stellen durch die Gebirgsklüfte Gletscher (Jökler) ziemlich tief hinab. Die ganze Strecke ist eine Gebirgswüste, die nur selten von einem menschlichen Fuß betreten wird. Es sind über 60 Spitzen der Jotunfjelde gemessen, und fast alle übersteigen die Höhe von 2000 m. Als die bedeutendsten sind hervorzuheben: Galdhöpig (2560 m) und Glitretind (2550 m), beide in der Pfarrei von Lom in Gudbrandsdalen, die höchsten bekannten Punkte von ganz Nordeuropa, umgeben von einer Menge fast ebenso hoher Felsenspitzen, die zum Teil noch keinen Namen tragen. Im westlichen Teil der Jotunfjelde erhebt sich die wilde Gruppe der Horunger ("Hurenkinder"), die eine Höhe von 2000-2500 m haben. Von dem Sognefjord ziehen sich mehrere Thäler tief in diese Gebirgswelt ein, vor allen das Aardal, ein überaus wildes Felsenthal, dessen spärliche Bewohner stets von den Lawinen bedroht sind. Westlicher, zwischen Sogn, Söndfjord und Nordfjord, ist die Gebirgsmasse in einer Länge von 90 km und in einer Breite bis zu 80 km mit ewigem Schnee bedeckt. Dieses etwa 1600 qkm große Schneeland führt nach dem im O. desselben belegenen Kirchspiel Jostedal den Namen Jostedalsbräen und erreicht eine Höhe von 1600 m, während der untere Rand der in die Thäler herabfallenden Gletscher bisweilen nicht höher als 130 m ü. M. liegt und nur 3 km von diesem entfernt ist. Diese Gletscher (darunter 24 ersten Ranges) füllen viele Thäler von Sogn, Nordfjord und Söndfjord.