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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Norwich; Norwood; Nörz; Nörzfelle; Nosce te ipsum!; Noseān; Nösel; Nosēma; Nosogenĕsis; Nosogeographie

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Norwich - Nosogeographie.

besonderer Zweig der Litteratur müssen noch die eigentlichen sogen. Volksschriften erwähnt werden, die besonders in der jüngsten Zeit durch die Bestrebung der "Folkeoplysnings-Selskab" Aufschwung bekommen haben. Als Verfasser sind hervorzuheben: Ole Vig, der oben erwähnte Eilert Sundt, lange Zeit Redakteur der von der genannten Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift "Folkevennen" ("Volksfreund"), und L. K. Daa. - Als Hilfsmittel beim Studium der norwegischen Litteratur sind anzuführen: Botten-Hansen, Norvége ^[richtig: Norvège] littéraire (Christ. 1868); Hammerich, Danmarks og Norges Litteratur i kort Overblick (Kopenh. 1875); Horn, Geschichte der Litteratur des skandinavischen Nordens (Leipz. 1880); Henrik Jäger, Litteraturhistoriske Pennetegninger (Kopenh. 1878); Derselbe, Norske Forfattere (das. 1883); Schweitzer, Die Entwickelung der nationalen Dichtung in Norwegen (Jena 1881); Derselbe, Geschichte der skandinavischen Litteratur (Leipz. 1886 ff.); Halvorsen, Norsk Forfatter-Lexikon, 1814-80 (Christiania 1881 ff.).

Norwich (spr. nórridsch), 1) Hauptstadt der engl. Grafschaft Norfolk, am Zusammenfluß der schiffbaren Flüsse Wensum und Yare, 32 km oberhalb Yarmouth. Die verschiedenen Stadtteile sind durch zehn Brücken verbunden, von denen die bereits 1295 erbaute Bischofsbrücke die älteste ist. Auf künstlichem Hügel inmitten der Stadt stehen das ehrwürdige Normannenschloß, mit Räumlichkeiten für die Grafschaftshalle, und das Gefängnis. Dicht dabei liegt der schöne Marktplatz, von altertümlichen Gebäuden umgeben, unter welchen das 1453 erbaute Rathaus (Guildhall). Die St. Andrewshalle in der Nähe, das Langschiff einer alten Klosterkirche, dient jetzt für öffentliche Versammlungen. Unter den 36 größern Kirchen gebührt der vornehmste Rang der 1096-1510 erbauten Kathedrale, größtenteils normännischen Stils, mit 96 m hohem Turm und Kreuzgängen, welche aus dem 15. Jahrh. stammen. Der bischöfliche Palast, seit 1318 gebaut, hat durch die Puritaner sehr gelitten. Von andern Gebäuden und Anstalten sind noch zu erwähnen: die 1325 gestiftete Lateinschule, das städtische Museum mit großer Bibliothek, ein Seminar für Lehrerinnen und eine Arzneischule in Verbindung mit dem städtischen Krankenhaus. Die Zahl der Einwohner beträgt (1881) 87,842; sie betreiben eine lebhafte Industrie. Die Vlämen, welche sich zur Zeit Elisabeths hier niederließen, führten die Tuchfabrikation ein, dazu kam später durch Hugenotten die Seidenindustrie und Uhrmacherei. Jetzt werden vorwiegend gemischte Stoffe verfertigt, außerdem namentlich Stiefel, Ölkuchen und Senf. 5 km südlich von N. liegt das alte Dorf Caistor, einst die römische Station Venta Icenorum. - 2) Stadt im nordamerikan. Staat Connecticut, an der schiffbaren Themse, hat Baumwoll- und Wollefabriken, Papiermühlen und (1880) 15,112 Einw.

Norwood (spr. nórrwudd), südliche Vorstadt von London, in der Grafschaft Surrey, mit großem Friedhof, israelitischem Hospital, Kloster, großer Armenschule und (1881) 24,794 Einw.

Nörz (Nerz, kleiner Fisch-, Sumpf- oder Krebsotter, Steinhund, Wasserwiesel, Menk, Otter-, Wassermenk, Putorius Lutreola Bl. et Keys., s. Tafel "Raubtiere I"), Raubtier aus der Familie der Marder (Mustelida) und der Gattung Iltis (Putorius Cuv.), wird 36 cm lang, mit 13 cm langem Schwanz, erinnert in seiner Gestalt ebensosehr an den Fischotter wie an den Iltis, der Kopf ist schlanker als beim Otter, die Zehen sind durch eine kurz behaarte Schwimmhaut verbunden. Der glänzende Pelz ist braun mit gräulichem, sehr dichtem Wollhaar, auf dem Rücken und Schwanz dunkler, auf dem Unterleib graubraun, an der Kehle steht ein kleiner lichtgelber oder weißlicher Fleck, und die Schnauze ist weiß. Der amerikanische Mink (P. Vison Gapper.) ist größer, kurzköpfiger und langschwänziger und hat einen vollhaarigern, weichern Pelz, ist ober- und unterseits dunkelnußbraun, an der Kinnspitze weiß, gleicht aber sonst dem N. vollständig und wird deshalb oft nur als klimatische Ausartung desselben betrachtet. Der Mink lebt von Ratten, Mäusen, Fischen, Weichtieren und Vögeln und raubt Hühner und Enten. Er hält sich gern am Wasser aus, schwimmt vortrefflich, verkriecht sich in Löcher und Höhlen und wirft in diesen 5-6 Junge, welche in der Gefangenschaft sehr zahm werden. Über unsern N. ist wenig bekannt; er lebt, besonders in Osteuropa, hier und da auch in Norddeutschland, in einsamen Gegenden, an kleinen fließenden Wassern und Seen, läuft schlecht, klettert nicht, schwimmt und taucht aber vortrefflich und ist in beständiger Bewegung. Er lebt von Fischen, Fröschen, Krebsen, Schnecken und mordet gelegentlich in einsamen Federviehställen gleich dem Marder und Iltis. Am Tag hält er sich in einem kleinen Bau oder zwischen Baumwurzeln, in alten Erlenstöcken und hohlen Bäumen, besonders in unzugänglichen Brüchern auf. Sein Pelz ist geschätzt.

Nörzfelle vom europ. Nörz stammen aus Nordeuropa, besonders aus Rußland, viel wichtiger aber sind die amerikanischen N. vom Mink (s. Nörz), die in größter Zahl und Schönheit in Neuengland, besonders in Maine, erbeutet werden. Ihr Haar ist feiner und haltbarer als das der russischen Felle. Man benutzt N. zu Pelzfuttern, Kragen und Garnituren. Die Jahresproduktion beträgt etwa 255,000 Stück, wovon 200,000 Stück aus Nordamerika stammen.

Nosce te ipsum! (lat.), Erkenne dich selbst!

Noseān (Spinellan), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Nephelingruppe), kristallisiert regulär, findet sich ein- oder aufgewachsen, auch in kristallinischen unregelmäßigen Körnern und derb in körnigen Aggregaten. Er ist grau, graublau, grün oder schwarz, selten weiß, fettartig glasglänzend, durchscheinend bis kantendurchscheinend, Härte 5,5, spez. Gew. 2,28-2,40. Er besteht aus einem Natronthonerdesilikat mit schwefelsaurem Natron 3Na2Al2Si2O8^[3Na<sub>2</sub>Al<sub>2</sub>Si<sub>2</sub>O<sub>8</sub>] + Na2SO4^[Na<sub>2</sub>SO<sub>4</sub>], enthält aber auch etwas Kalk und Chlor und findet sich am Laacher See und Rieden in Rheinpreußen im Sanidingestein, am Olbrücker Berg bei Brohl, im Phonolith des Hohentwiels, mikroskopisch in fast allen Phonolithen, auch in den Trachytbomben am Laacher See.

Nösel, Flüssigkeitsmaß: die halbe Kanne; Seidel oder Schoppen.

Nosēma Näg., Pilzgattung aus der Ordnung der Schizomyceten, mit der einzigen Art N. bombycis Näg. (Panhistophyton ovale Lebert), welche parasitisch im Blut und im Nahrungskanal der Seidenraupen bei der mit dem Namen Gattine bezeichneten Krankheit derselben lebt. Es sind länglichrunde bis cylindrische einzelne Zellen von 2-5 Mikromillimeter Länge, welche durch Querteilung sich lebhaft vermehren. Früher bezeichnete man sie nach ihrem ersten Entdecker als Cornaliasche Körperchen.

Nosogenĕsis (Nosogenie, griech.), die Entstehung (Erzeugung) und Ausbildung der Krankheit.

Nosogeographie (griech.), Darstellung der geographischen und klimatischen Verbreitung der Krankheiten. Weiteres s. Krankheit, S. 160.