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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nummulitenkalke - Nupe.

Rhizopoden (s. d.), und zwar zu der Ordnung der sogen. Foraminifera perforata gehörig. Die N. bilden scheiben- oder linsenförmige Körper von 2-60 mm Durchmesser und geringer Dicke. Die kalkige Schale ist im Innern durch eine dünne Platte, die ähnlich wie die Feder einer Taschenuhr spiralig aufgewunden ist, und durch viele schräg zu derselben stehende Querwände in eine große Anzahl Kammern geteilt. Doch sind diese alle durch feine Öffnungen miteinander in Verbindung. Die älteste Kammer liegt im Mittelpunkt der Scheibe und ist einfach kugelig. Die N. bilden einen Hauptbestandteil des sogen. Nummulitenkalks, aus dem beispielsweise die ägyptischen Pyramiden errichtet sind, und helfen so die großen Gebirgsmassen des Nummulitensystems zusammensetzen. Dieses verbreitet sich von den Pyrenäen aus durch die Alpen, Karpathen und den Kaukasus bis zum Himalaja und dem Altai und südlich vom Mittelmeer durch Ägypten, Algerien und Marokko hindurch; auch in den tiefern Schichten des Pariser Beckens ist es vertreten. S. die Abbildung von Nummulites auf Tafel "Tertiärformation I".

Nummulitenkalke, s. Tertiärformation.

Nummus (Numus, lat.), Geld, Münze; insbesondere s. v. w. Sestertius (s. d.).

Nun (Non), Vorgebirge an der südlichen Westküste von Marokko, unter 29° nördl. Br., an der Mündung des Wadi Draa und gegenüber den Kanarischen Inseln. Die Portugiesen wagten erst 1436 über diesen Punkt hinauszusegeln.

Nun, einer der Mündungsarme des Niger (s. d.).

Nun (Wadi Nun, auch Ogulmin), Stadt im südwestlichen Teil von Marokko, am Fluß N. (Assaka), der unterhalb der Stadt in den Atlantischen Ozean mündet, auf einer Anhöhe, treibt ansehnlichen Handel mit Sklaven sowie mit Pferden, Maultieren und Schafen und hat 5-6000 Einw., unter denen eine Anzahl Juden, die hier keine unterdrückte Stellung einnehmen.

Nundĭnae (lat., von novem dies), bei den Römern die Markttage, an denen die Landleute nach der Stadt kamen, um daselbst ihre Geschäfte zu besorgen. Sie fielen eigentlich alle acht Tage, so daß zwischen zwei Markttagen immer eine Zeit von sieben Tagen verfloß. Drei Markttage (tres n.) begriffen daher einen Zeitraum von 17 Tagen, der Trinundinum hieß.

Nuneaton (spr. nönn-iht'n), Stadt in Warwickshire (England), nördlich von Coventry, hat eine lateinische Schule, Wollwarenfabriken, Baumwollspinnerei und (1881) 8465 Einw.

Nuñez (spr. núnjeds oder -jes), Pedro, gewöhnlich Nonius, auch Nunes oder Nunnius genannt, ein besonders um die Nautik verdienter portug. Mathematiker, geb. 1492 zu Alcazar de Sal, Professor der Mathematik zu Coimbra und Kosmograph des Königs Emanuel von Portugal sowie Lehrer von dessen Sohn Heinrich, starb 1577 in Coimbra. Seine "Opera mathematica" (Bas. 1566) verbreiteten sich über Geometrie, Nautik, Kartenprojektion und die Verbesserung astronomischer Instrumente. In dem Werk "De arte atque ratione navigandi" (1546) macht er die ersten Angaben über die loxodromische Linie. Er wird auch für den Erfinder des Nonius (s. d.) gehalten, doch irrtümlich, da seine 1542 beschriebene Vorrichtung zum Messen kleiner Bogenteile mit derjenigen, die nach ihm Nonius benannt wurde, keine Ähnlichkeit besitzt.

Nuñez de Arce, Gaspar, span. Dichter, geb. 4. Aug. 1834 zu Valladolid, widmete sich in Toledo philosophischen Studien und bekam daselbst bereits 1849 für ein Drama das Ehrenbürgerrecht. Darauf ging er nach Madrid, wo er, teils mit Antonio Hurtado, verschiedene Dramen schrieb, von denen "Déndas de honra", "Quien debe, payn", "Justicia providencial" und "El haz de leña" den meisten Beifall fanden. Als Korrespondent der Madrider "Iberia" beschrieb er den spanisch-marokkanischen Krieg. 1874 wurde er Mitglied der spanischen Akademie. Seinen Ruf als Lyriker begründeten die "Critos del combate" (Madr. 1875, 1879 u. 1884), denen von andern Dichtungen folgten: "Ultima lamentacion de Lord Byron" (das. 1879); "La selva oscura" (das. 1879); "El vertigo" (das. 1879, 16. Aufl. 1883); "El ateo" und "La vision de Fray Martin" (das. 1880; deutsch von J. ^[Johannes] Fastenrath, Leipz. 1881), worin Luthers Abfall von Rom zum erstenmal von einem Spanier mit unparteiischer Objektivität geschildert wird. Nuñez de Arces Werke zeichnen sich durch Schwung der Phantasie, Energie des Ausdrucks und geistige Vertiefung aus. Er ist auch Politiker und gehört seit 1865 den Cortes an, wo er zu den hervorragendsten Parteigenossen Sagastas zählte; 1882 wurde er zum Minister der überseeischen Angelegenheiten ernannt.

Nunkupieren (lat.), benennen, ernennen, besonders in rechtlich verbindlicher Form (z. B. zum Erben); Nunkupation, Ernennung, Einsetzung zum Erben; nunkupativ, auf Nunkupation beruhend.

Nunquam retrórsum (lat.), "Niemals rückwärts", Devise des hannöverschen Georgsordens und Wahlspruch des Welfenhauses; auch Devise des Wappens von Westfalen.

Nunziánt (Nuntiant, lat.), der von etwas Anzeige macht; Nunziāt, der, den dieselbe betrifft; Nunziation, Anzeige; Nunziatūr, s. Nunzius.

Nunzium (neulat.), in Österreich-Ungarn die schriftliche Mitteilung der Beschlüsse von der einen Delegation (Parlamentsausschuß) zu der andern.

Nunzius (Nuntius, Nuncius, lat.; N. apostolicus, apostolischer Vikar), päpstl. Abgesandter; Nunziatur, Bezeichnung für Amt und Wohnsitz eines solchen. Nunzien wurden früher namentlich die sogen. Legati missi, d. h. die zur Ausübung der päpstlichen Primatialrechte in gewisse Bezirke abgeordneten Prälaten, genannt (s. Legaten). Heutzutage bezeichnet man damit die diplomatischen Vertreter des Papstes an weltlichen Höfen, welche regelmäßig zu den Gesandten erster Klasse gehören (s. Gesandte), während man diejenigen diplomatischen Agenten des Papstes, welche, wie z. B. der päpstliche Abgesandte im Haag, zur zweiten Klasse der Gesandten gerechnet werden, Internunzien nennt. Zuweilen wurden aber auch ständige Nunziaturen zur Überwachung der Durchführung der Beschlüsse des Tridentiner Konzils und zur Bekämpfung des Protestantismus errichtet, indem alsdann der betreffende N. mit der Ausübung besonderer päpstlicher Vorrechte, namentlich der päpstlichen Jurisdiktion, betraut wurde (N. cum potestati legati a latere), so jetzt noch in Wien und München.

Nuōro, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Sassari (Sardinien), Sitz eines Bischofs, mit Gymnasium, Seminar und (1881) 5967 Einw.

Nupe (Nufe, Nyfe), ein dem Sultan von Gandu tributäres Reich, am mittlern Niger, zwischen 8 u. 10° nördl. Br., 21,310 qkm (387 QM.) groß mit 1½ Mill. Einw. (echten Negern). Das Land ist außerordentlich fruchtbar und bringt alle tropischen Früchte hervor; die Wälder enthalten den Butterbaum und andre wertvolle Bäume. Es könnten hier also Millionen Menschen leben; auch war die Bevölkerung, ehe sie durch Kriege dezimiert wurde, viel zahlreicher. Die