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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Nürnberg

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Nürnberg (Geschichte).

rie, die sich besonders durch treffliche Bilder aus der altdeutschen Schule auszeichnet; die Bildersammlung der Moritzkapelle wurde 1882 dem Germanischen Museum überwiesen, und die Kapelle dient nun zu religiösen Versammlungen. Unter den zahlreichen Privatsammlungen sind die bedeutendsten: die Pickertsche Antiquitätensammlung und die Merkelsche Familiensammlung (jetzt im Germanischen Museum aufbewahrt). Der Albrecht Dürer-Verein veranstaltet permanente Gemäldeausstellungen. An Wohlthätigkeits- und sonstigen gemeinnützigen Anstalten bestehen: ein allgemeines Krankenhaus, eine Heil- (Maximilians-) Anstalt für Augenkranke, ein Waisenhaus, 2 Pfründnerhäuser, eine Zentralbibelgesellschaft und zahlreiche Vereine. Zu erwähnen sind noch: der 1644 gestiftete, noch jetzt bestehende pegnesische Blumenorden (s. Pegnitzorden), ein Industrie- und Kulturverein, die Naturhistorische Gesellschaft sowie der Verein für Geschichte der Stadt N. N. ist Sitz eines Oberlandes- und Landgerichts (letzteres für die acht Amtsgerichte zu Altdorf, Gräfenberg, Hersbruck, Hilpoltstein, Lauf, N., Roth und Schwabach), eines Bezirks- und eines Hauptzollamtes, eines Oberpostamtes etc. Um die Wälle ziehen sich schattenreiche Alleen. Besuchte Vergnügungsorte sind: der auf dem alten "Judenbühl", seit 1855 "Maxfeld" genannt, gelegene Stadtpark, die Rosenau, eine liebliche Anlage bei der Wißschen Villa, der Schellmanns- und Köchertzwinger und in der Umgegend der Dutzendteich, der Schmaußenbuck und die Alte Feste, letztere bekannt durch die Schlacht von 1632. Das Wappen der Stadt (s. Abbild., S. 282) ist ein halber schwarzer Adler in goldenem Felde, das in der andern Hälfte sechsmalrot- u. silbergestreift ist. Auch führt die Stadt einen goldenen gekrönten Jungfernadler (Harpyie) in Blau und einen schwarzen Adler in rotem Feld.

[Geschichte.] Urkundlich kommt N. zuerst 1050 vor, wird aber schon 1062 als Stadt bezeichnet. Heinrich III. hat ihr Marktfreiheit, Zoll- und Münzrecht verliehen. 1105 soll die Stadt von Heinrich V. erobert und zerstört sein, scheint jedoch bald wieder aufgebaut worden zu sein, denn 1127 wurde sie von Kaiser Lothar eingenommen und Heinrich dem Stolzen übergeben; Konrad III. nahm sie wieder für das Reich in Besitz. Friedrich II. verlieh ihr 1219 die Reichsfreiheit. Die Burggrafschaft N., die zuerst 1105 erwähnt wird, ging 1191 an die Grafen von Zollern über. Von ihr unabhängig entwickelte sich die Verfassung der Stadt, an deren Spitze schon 1236 Konsuln standen. Daneben gab es einen Rat und schon seit König Philipps Zeit einen Reichsschultheißen für die Gerichtsbarkeit. Als seit dem 15. Jahrh. der größte Teil des Reichsguts in den Besitz der Stadt überging, wurden auch der Butigler (für die Finanzen) und der Reichsforstmeister städtische Beamte. 1349 hing ein Teil der Bürger Günther von Schwarzburg an und erregte einen Aufstand; aber Karl. IV. erschien mit einem Heer und setzte den Rat wieder ein. Von nun an war Nürnbergs Wohlstand in stetem Wachsen, und es ward einer der ersten Handelsplätze in Europa, indem es die von Italien ihm zugeführten Waren nach dem Norden vertrieb. Doch betrug seine Bevölkerung im 15. Jahrh. nur 20,000 und stieg zu Anfang des 17. Jahrh. nur auf 40,000 Seelen. Erst durch den veränderten Weg des ostindischen Handels verlor es mehr und mehr von seinem Wohlstand. Von 1073 bis zum Ende des 16. Jahrh. sind viele Reichstage in N. gehalten worden; zu den wichtigsten gehört der 25. Nov. 1355 eröffnete, auf dem die Goldene Bulle entstand. Die Reichskleinodien wurden 1424 nach N. gebracht und blieben bis 1806 daselbst. 1427 kaufte der Rat von dem Burggrafen Friedrich VI. die Burg samt allem Zubehör um 120,000 Gulden. Doch ward dieser Kauf Veranlassung zu vielen Zwistigkeiten mit den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Schon 1449 brach eine Fehde mit dem Markgrafen Albrecht Achilles aus, in welcher eine Menge Dörfer und Weiler der beiden Parteien zerstört wurde, bis es endlich 1450 zum Vergleich kam. Als 1552 der Streit von neuem ausbrach, gelang es Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach nicht, die Stadt zu erobern. Während des bayrisch-pfälzischen Erbfolgekriegs glückte die Erwerbung mehrerer Ämter in der Oberpfalz, wie Lauf, Hersbruck, Altdorf, Betzenstein, Velden. Dadurch wurde das der Stadt gehörige ehemalige Reichsgebiet zwischen Regnitz, Schwarzach und Schwabach erheblich vergrößert. Die Reformation wurde 1524 eingeführt und N. bald eine Vorkämpferin der neuen Lehre. Am 23. Juli 1532 wurde der Nürnberger Friede (erster Religionsfriede) zwischen den Protestanten und Katholiken und 10. Juni 1538 der Nürnberger Bund zwischen Kaiser Karl V. und den katholischen Ständen gegen die Protestanten hier geschlossen. Während des Schmalkaldischen Kriegs hielt sich N. neutral. Am 10. Mai 1609 trat es der protestantischen Union bei. Im Dreißigjährigen Krieg stellte sich die Stadt 1631 unter den Schutz Gustav Adolfs und wurde von diesem gegen Tilly und besonders gegen Wallenstein kräftig verteidigt. Nach der für die Schweden unglücklichen Schlacht bei Nördlingen, und nachdem der Kurfürst von Sachsen sich mit dem Kaiser verglichen hatte, war auch N. genötigt, dem Vergleich beizutreten. Infolge des französischen Revolutionskriegs geriet die Stadt in eine so mißliche Lage, daß sie dem König von Preußen 1796 zu freiwilliger Unterwerfung sich erbot, was aber nicht angenommen wurde. Beim Reichsdeputationshauptschluß von 1803 behielt N. die Reichsfreiheit, geriet aber mit dem König von Preußen als Burggrafen der Stadt in Zwistigkeiten, infolge deren Preußen einen Teil des Nürnberger Stadtgebiets förmlich in Besitz nahm. 1806 kam die Stadt mit einem Gebiet von 1266 qkm (23 QM.) und 80,000 Einw., aber auch mit einer Schuldenlast von fast 9 Mill. Gulden an die Krone Bayern. Am Schluß des Kriegs von 1866 (1. Aug.) wurde N. von einem preußischen Reservekorps unter dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin besetzt. N. ist Geburts- oder Aufenthaltsort nicht weniger berühmter Männer, als Martin Behaims, A. Dürers, Eoban Hesses, Melchior Pfintzings, Joachim Sandrarts, Wilibald Pirkheimers, Hans Sachs', Ad. Krafts, Peter Vischers, J. ^[Johann Konrad] Grübels u. a. Mehrere der wichtigsten Erfindungen wurden in N. gemacht, wie die der Taschenuhren, der Windbüchse, der Klarinette, des Messings, des Globus, des Feuerschlosses, des Pedals u. a. Vgl. "Nürnbergische Chroniken" (hrsg. von Hegel, Leipz. 1862-74, Bd. 1-5); v. Stillfried-Rattonitz, Die Burggrafen von N. im 12. Jahrhundert (Görl. 1843); Riedel, Ursprung und Natur der Burggrafschaft N. (Berl. 1854); Soden, Kriegs- und Sittengeschichte der Reichsstadt N. (Erlang. 1860); Roth, Geschichte des Nürnberger Handels (Leipz. 1800); J. ^[Johannes] Voigt, Blicke in das kunst- und gewerbliche Leben der Stadt N. im 16. Jahrhundert (Berl. 1862); Priem, Nürnberger Sagen und Geschichten (Nürnb. 1874); Derselbe, Geschichte der Stadt N. (das. 1874); Kleinschmidt, Augsburg, N. und ihre Handelsfürsten im 15. und 16. Jahrhundert (Kassel 1881); Stockbauer, Nürnbergisches Handwerksrecht des