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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nürnberger Eier - Nußgelenk.

16. Jahrhunderts (Nürnb. 1879); Roth, Die Einführung der Reformation in N. (Würzb. 1884); Lochner, N. und seine Merkwürdigkeiten (4. Aufl., Nürnb. 1873); "N., Führer durch die Stadt" (8. Aufl., das. 1883).

Nürnberger Eier, frühste Benennung der angeblich um 1500 in Nürnberg von Peter Hele erfundenen ovalen Taschenuhren.

Nürnberger Gold, s. Goldlegierungen.

Nürnberger Grün, s. Chromhydroxyd.

Nürnberger Novellen, Nachträge zu der deutschen Wechselordnung, so genannt, weil sie von einer in Nürnberg tagenden Konferenz beschlossen wurden, welch letztere infolge eines Bundestagsbeschlusses von 1857 zusammentrat, jetzt integrierender Bestandteil der deutschen Wechselordnung.

Nürnberger Pflaster, s. Bleipflaster.

Nürnberger Rot, s. v. w. roter Bolus, roter Ocker und Englischrot.

Nürnberger Trichter, trichterförmige Hörmaschine für Schwerhörige; auch scherzhafte Bezeichnung einer Lehr- und Lernmethode, welche keine selbständige Bemühung des Schülers erfordert (wahrscheinlich mit Bezug auf das Buch Harsdörfers: "Poetischer Trichter, die deutsche Dicht- und Reimkunst ohne Behuf der lateinischen Sprache in 6 Stunden einzugießen"; zuerst Nürnb. 1647-48, 2 Tle.).

Nürnberger Violett, aus Chlorbereitungsrückständen dargestellter violetter Farbstoff, besteht aus einer Verbindung von Manganoxyd mit Ammoniak und Phosphorsäure.

Nürnberger Wachs, s. v. w. Glühwachs.

Nürschan, Dorf in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Mies, an der Böhmischen Westbahn, mit bedeutendem Steinkohlenbergbau (1885 über 8 Mill. metr. Ztr.), Hütten- und Blechwalzwerken der Prager Eisenindustriegesellschaft, Glashütte und (1880) 4258 Einw. Durch Industriebahn stehen die Werke von N. mit dem Walzwerk (Hermannshütte) mit Maschinenwerkstätte in Wilkischen (Dorf mit einem Schloß und 2506 Einw.) und mit der Staatsbahn Pilsen-Eisenstein in Verbindung.

Nürtingen, Oberamtsstadt im württembergischen Schwarzwaldkreis, am Neckar und an der Linie Plochingen-Villingen der Württembergischen Staatsbahn, 290 m ü. M., hat 2 Kirchen, ein Realgymnasium, ein evang. Schullehrerseminar, eine Präparanden- und eine Taubstummenanstalt, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Amtsgericht, Baumwollspinnerei, Färberei, Bleicherei, Korkwaren-, Korsett- und Möbelfabrikation, Strickerei für wollene Unterkleider, Gerberei, Roßhaarspinnerei, Kunstmühlen, Bierbrauerei, Obst- und Weinbau und (1885) 5370 meist evang. Einwohner.

Nus (griech.), s. v. w. Intellekt (s. d.), bei Anaxagoras der intelligente Weltbaumeister; bei Platon der oberste der drei Teile der Seele; bei Aristoteles als N. pathetikos der "leidende", als N. poietikos der "thätige Verstand".

Nusco, Stadt in der ital. Provinz Avellino, Kreis Sant' Angelo de' Lombardi, Sitz eines Bischofs, mit Kathedrale und (1881) 2731 Einw.

Nuß, im gewöhnlichen Sprachgebrauch Bezeichnung aller Früchte mit harter, nicht von selbst aufspringender Schale; in der Botanik derjenigen Schließfrüchte, deren ganzes Perikarpium trocken und holzartig hart ist, wodurch sie sich allein von den mit mehr lederartiger Schale versehenen Achenien unterscheiden (z. B. Haselnuß, Kokosnuß, Paránuß). Die N. enthält fast immer nur einen einzigen Samen mit dünner, häutiger Samenschale, der bei der Keimung die Schale der N. durchbricht. In der Technik versteht man unter N. einen mehr oder weniger kugelförmigen, drehbaren Bestandteil einer mechanischen Vorrichtung.

Nußbaum, s. Walnußbaum und Haselstrauch.

Nußbaum, Johann Nepomuk von, Mediziner, geb. 2. Sept. 1829 zu München, studierte daselbst und ging dann nach Berlin und Paris, habilitierte sich 1857 in München für Chirurgie und Augenheilkunde, errichtete ein großes Privatspital mit orthopädischem Institut und erhielt 1860 die Professur der Chirurgie und Augenheilkunde daselbst. 1867 wurde er in den Adelstand erhoben. 1870 und 1871 ging er als Oberstabsarzt im Stab des Generals v. d. Tann nach Frankreich und wurde gegen Ende des Kriegs zum Generalarzt des 1. bayrischen Armeekorps ernannt. Nußbaums Name ist verknüpft mit den meisten hervorragenden Leistungen der neuern Chirurgie; er hat dieselbe sowohl durch seine vollendete operative Geschicklichkeit als auch durch zahlreiche Erfindungen und neue Methoden gefördert. Seine wichtigsten Arbeiten sind: "Über Cornea artificialis" (Münch. 1853), über Chloroform, Gesichtsschmerz und Nervenresektionen, Steinschnitt mit Steinzertrümmerung, kavernöse Tumoren, Transfusion; "Pathologie und Therapie der Ankylosen" (das. 1862); die operative Behandlung der Blasen-, Scheiden- und Mastdarmkrebse, Ovariotomie, welche er bei Spencer Wells in London studierte, subkutane Injektionen; "Vier chirurgische Briefe an seine in den Krieg ziehenden ehemaligen Schüler" (das. 1866); Bauchwunden, Anästhetica, temporäre Tracheotomie, Dehnung der Nerven, Kniegelenkresektionen, Drainage der Bauchhöhle bei Ovariotomie, Knochentransplantation, Krebs, Hospitalbrand, die antiseptische Wundbehandlung in seiner Klinik (1875), Bildung eines künstlichen Harnleiters, Radikaloperation der Hernien-Cirkumcision bei chronischen Unterschenkelgeschwüren (1876). Er schrieb noch: "Die Behandlung der Hornhauttrübung" (Münch. 1856); "Ovariotomien" (das. 1869); "Anästhetica" und "Die Verletzungen des Unterleibs" in Pitha-Billroths "Handbuch der Chirurgie" und in Billroth-Lückes "Deutscher Chirurgie"; "Anleitung zur antiseptischen Wundbehandlung" (2. Aufl., das. 1885); den größern "Leitfaden zur antiseptischen Wundbehandlung" (5. Aufl., Stuttg. 1887); "Eine kleine Hausapotheke" (3. Aufl., Berl. 1882); "Die erste Hilfe bei Verletzungen" (2. Aufl., Augsb. 1886); "Neuer Versuch zur Radikaloperation der Unterleibsbrüche" (Münch. 1886); "Über Chloroformwirkung" (Bresl. 1885); "Neue Heilmittel für Nerven" (das. 1888) u. a.

Nußbeißer, s. Kernbeißer.

Nüßchen, s. Achene.

Nußdorf, Dorf in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Hernals, Vorort von Wien, nördlich von der Hauptstadt am rechten Ufer der Donau, von welcher hier der (im Winter durch ein Sperrschiff verschließbare) Donaukanal ausgeht, Stapelplatz des Donauhandels (die großen Donaudampfer können nicht in den Donaukanal einfahren), Station der Franz Josephs-Bahn, in die hier die Donauuferbahn mit einer Brücke über den Donaukanal einmündet, Sitz der Donaukanalinspektion, hat eine große Bierbrauerei, Farbenfabrikation, Färbereien und Appreturanstalten, bedeutenden Handel, vorzüglichen Weinbau (auf dem nördlich gelegenen Nußberg), ansehnliche Weinlager und (1880) 4278 Einw. Von Wien führt nach N. ein Dampftramway mit Anschluß an die von N. auf den Kahlenberg führende Zahnradbahn.

Nußgelenk (Enarthrosis), s. Gelenk.