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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ob; ob.; Obabaum; Obadja; Oban; Obdiplostemon; Obdorsk; Obduktion; Obduration; Obedienz; Obeïd, El

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Ob - Obeïd, El.

dem Parlament den Papst und die Jesuiten sowie die englischen Katholiken, sogar die Königin selbst, eines von ihm erdichteten großen Komplotts gegen das Leben des Königs und der englischen Protestanten, was eine große Aufregung verursacht und scharfe Maßregeln gegen die Katholiken sowie zahlreiche Hinrichtungen zur Folge hatte, während O. reich belohnt wurde. Nach Jakobs II. Thronbesteigung wurde er wegen falschen Zeugnisses zum Pranger, Auspeitschen und zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt (1685). Nach Jakobs II. Flucht freigelassen, wandte O. sich 1689 an das Oberhaus um Kassierung seines Urteils. Die Lords lehnten den Antrag ab, doch wurde O. nach langen Verhandlungen zwischen beiden Häusern begnadigt und empfing einen Jahrgehalt von 300 Pfd. Sterl. Später trat er zu den Baptisten über, wurde aber von ihnen bald wieder ausgestoßen und starb 23. Juli 1705 in London.

Ob (Obj), der Hauptstrom des westlichen Sibirien, entsteht unweit Biisk im Gouvernement Tomsk aus dem Zusammenfluß der wild schäumenden Katunja, die in den Ausläufern des Altai entspringt, und der klaren Bija, die aus dem Teletzkischen See abfließt. Schon bei Barnaul ist sein Flußbett nur noch 129 m ü. M., und so kommt es bei dem geringen Fall des Landes, daß viele der ihm zustrebenden Nebenflüsse sich in Seen und Sümpfe ausbreiten und den Ob nur zuzeiten erreichen. Er selbst nimmt öfters einen seeartigen Charakter an, spaltet sich in mehrere Arme und bildet zahlreiche Inseln. Seine mittlere Breite schwankt zwischen 800 m und mehr als 3 km; bei Koliwan breitet er sich zu einem wahren Meer aus. Rechts geht ihm eine große Anzahl von Flüssen zu, darunter der Tom, Tschulym und Ket, links erhält er bei Samarowsk den 2220 km langen Irtisch. Dann fließt er in großem, nach Osten sich öffnendem Bogen, sich vielfach spaltend und große Inseln bildend, unterhalb Abdorsk in einer 3 km breiten Mündung in den Obischen Meerbusen, einen 750 km langen und durchschnittlich 90-100 km breiten Arm des Nördlichen Eismeers. Seine Länge beträgt 4300 km; die schiffbaren Wasserstraßen seines Beckens sind insgesamt 15,000 km lang. Den Tschulym gehen Barten bis Atschinsk, nordwestlich von Krasnojarsk, hinauf; der Ket ist so weit auswärts schiffbar, daß bis Jenisseisk nur eine Strecke von 104 km zu Lande zurückzulegen ist. Der Ob bildete mit diesen Zuflüssen jederzeit ein Glied in der "Wasserstraße" genannten Verbindung des westlichen und östlichen Sibirien, welche, am Ostabhang des Urals beginnend, aus einem Fluß in den andern führt, wobei nur kurze Landstrecken zu übersteigen sind. Die von Pferden gezogenen Schiffe wurden zuerst um 1845 durch Dampfschiffe ersetzt; 1880 verkehrten 37 Dampfer und 2 Dampffähren auf den Flüssen Tura, Tobol, Irtisch zwischen Tjumen und Semipalatinsk, auf den Flüssen Tura, Tobol, Ob und Irtisch zwischen Tjumen und Tomsk, endlich auf dem Ob abwärts bis zum Meer. Der Ob ist 169 Tage mit Eis bedeckt (7. Mai erst beginnt im Durchschnitt das Eis aufzubrechen); aber im Hochsommer bietet auch sein Unterlauf eine fahrbare Wasserstraße, und von Europa aus ist seine Mündung wiederholt erreicht worden. Die geplante Kanalverbindung zwischen dem Ob und dem Karischen Meerbusen zur Vermeidung der gefährlichen Umschiffung der Samojedenhalbinsel ist nach Finsch unausführbar. Vgl. Finsch, Schiffahrt und Verkehr des Obgebiets (in den "Deutschen Geographischen Blättern" 1877).

ob., Abkürzung für obiit (lat., "ist gestorben").

Obabaum, s. Mangifera.

Obadja (Abdias, "Diener Gottes"), einer der sogen. kleinen Propheten des alttestamentlichen Kanons, ein Zeitgenosse des Jeremias (um 600 v. Chr.). Er ist Verfasser eines schwungvolle Orakels wider die Edomiter, welche an der Zerstörung Jerusalems teilgenommen hatten.

Oban (Obany, Ohoban), in Japan die größte Goldmünze, eine Goldsilberlegierung; 1) Kioho-O., à 10 Rio = 329,8773 Mk.; 2) Schin-O., à 10 Rio = 122,4487 Mk.; 3) Tempo Gori-O., à 5 Rio = 80,6019 Mk.

Oban (spr. ohben), Stadt in der schott. Grafschaft Argyll, an einer Bai des Loch Linnhe, Hauptquartier der Touristen im westlichen Schottland, mit (1881) 4046 Einw. Dabei die Schloßruinen Dunolly und Dunstaffnage.

Obdiplostemon (griech.), mit doppeltem, umgekehrtem Staubblattkreis, Bezeichnung einer Blüte mit zwei unregelmäßig alternierenden Staubblattkreisen (die vor den Blumenblättern stehenden Staubgefäße bilden den äußern, die vor den Kelchblättern stehenden den innern Kreis), wie bei vielen Erikaceen.

Obdorsk, Stadt im sibir. Gouvernement Tobolsk, nahe der Mündung des Ob und Eingangshafen dieses Flusses, besteht aus 60 Häuschen und einer Kirche, hatte früher eine sehr besuchte Messe, auf welcher Ostjaken und Samojeden ihr Pelzwerk verkauften, während sie jetzt Turuchansk vorziehen. In der Nähe Gold-, Platina- und Eisenlager, die aber wegen der herrschenden Kälte nicht ausgebeutet werden können.

Obduktion (lat., Leichenschau, Totenschau), im allgemeinen jede gerichtlich-medizinische Untersuchung; im engern und eigentlichen Sinn die amtliche Besichtigung und Untersuchung einer Leiche behufs Feststellung der Todesursache und der Todesart; Obduktionsprotokoll (Leichenbesichtigungsprotokoll, Fundbericht, Fundschein, Visum repertum, Parere medicum), das über die Ergebnisse derselben aufgenommen Protokoll. Im engern Sinn versteht man unter O. die äußere Besichtigung des Leichnams, welche sich mit den Fundumständen, mit der äußern Erscheinung des Leichnams nach Größe, Geschlecht, Alter, Körperbau etc. und mit den äußerlich wahrnehmbaren, außergewöhnlichen Erscheinungen, etwanigen Wunden, Flecken, Verletzungen etc. beschäftigt; im Gegensatz zu der Leichenöffnung oder Sektion (s. Totenschau).

Obduration (lat.), Verhärtung; Verstocktheit.

Obedienz (lat., "Gehorsam", Obedientia canonica), zunächst das Abhängigkeitsverhältnis, in welchem kirchlich Untergebene zu ihren Obern stehen; dann das von einer geistlichen Behörde einem Untergebenen (obedientiarius) übertragene Amt und dessen Einkommen; daher wird z. B. eine Pfarrei, welche von einem Mönch oder Kanoniker verwaltet wird, Obedientiarpfarre und der Eid, welchen die Inhaber solcher Ämter auf Beobachtung der kirchlichen Satzungen zu leisten haben, Obedienzeid genannt.

Obeïd, El, Hauptstadt der Landschaft Kordofan im nordöstlichen Afrika, vormals Sitz eines ägyptischen Gouverneurs und einer katholischen Mission, liegt ganz in Bäumen versteckt und ist ein stattlicher Ort mit vielen Häusern und Kaufläden aus gebrannten Ziegeln und 35,000 Einw., welche schöne Flechtereien aus Palmenfasern und zierliche silberne Filigranarbeiten fertigen, auch bedeutenden Handel mit Gummi (jährlich 100,000 Ztr.), Elfenbein, Gold u. a. treiben. Das Wasser der sehr tiefen Brunnen reicht für die Bevölkerung kaum zu. Die heutige Stadt wurde an Stelle der von den Ägyptern zerstörten