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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: O'Brien; Obradović; Obrenowitsch; Obreption; Obrist; Obrogation; Obrok; Obruieren; Obrutschew; Obschtschij Syrt

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Obradović - Obschtschij Syrt.

der Hauptabfluß des Bruches seit der Korrektion durch die Faule O. oder den Obrzyckofluß erfolgt, der bei Tschicherzig in Brandenburg rechts in die Oder mündet und vom Rudensee ab 30 km schiffbar ist. Die Faule O. entspringt nördlich von Brätz.

Obradović (spr. -witj), Dositheus, verdienstvoller serb. Schriftsteller und Gelehrter, geb. 1739 zu Tschakowo im Banat, trat 1753 heimlich in das Kloster Opowo in Syrmien ein, wo er sich in asketische Bücher vertiefte und zum Diakon geweiht wurde, führte dann viele Jahre ein Wanderleben in Dalmatien, auf dem Berg Athos und in Smyrna, wo er drei Jahre lang die Vorlesungen des Griechen Hierotheos hörte, in Albanien, Korfu, Wien, Italien und Konstantinopel, überall als Erzieher und Lehrer thätig und sich mit den Sprachen und Litteraturen des Altertums wie der neuern Zeiten bekannt machend. Als er 1783 als Erzieher zweier Rumänen nach Halle kam, hörte er selbst noch fleißig Philosophie, Ästhetik und Theologie und gab sein interessant geschriebenes Buch "Leben und Abenteuer" ("Život i priključenija", Leipz. 1783) heraus, dem bald "Ratschläge des gesunden Menschenverstandes" ("Sověti zdravago razuma", das. 1784) und "Die Fabeln des Äsop" (das. 1788) folgten. O. hatte inzwischen auch England besucht, lebte dann mehrere Jahre in Wien, seit 1802 in Venedig und siedelte 1806 nach Belgrad über, wo er zum Senator und Unterrichtsminister ernannt wurde und 7. April 1811 starb. Obradovićs Schriften, unter denen noch die "Sammlung moralischer Sachen" ("Sobranie nravoučitelnych veščej", Wien 1793) hervorzuheben ist, waren grundlegend und epochemachend für die serbische Litteratur, weil in ihnen zum erstenmal die wirkliche serbische Volkssprache (statt der bisher üblichen kirchenslawischen Büchersprache) zur Anwendung kam und ein moderner, auf Humanität und Wissenschaft beruhender Inhalt geboten wurde. O. genießt daher als der erste wirkliche Volksschriftsteller der Serben hohes Ansehen. Die beste Ausgabe seiner Werke ist die von G. Vozarović veranstaltete (Belgrad 1833-45, 10 Bde.).

Obrenowitsch, serb. Fürstenfamilie, begründet von Milosch O. I. (s. d.), Sohn Teschos, der die Witwe Obrens von Brusnizza geheiratet hatte; Milosch nahm 1810 den Namen O. an, regierte als Fürst 1817-39, worauf ihm seine Söhne Milan O. II. (1839) und Michael O. III. (1839-42) folgten. Letzterer ward von den Serben vertrieben, welche die Familie Karageorgiewitsch auf den Thron beriefen. 1858 kehrten die O. aus der Verbannung zurück, und Milosch regierte wieder von 1858 bis 1860, Michael von 1860 bis 1868; diesem folgte sein. Vetter Milan O. IV. (s. d.), der 1882 den Königstitel annahm.

Obreption (lat.), Erschleichung, namentlich durch Verschweigung von etwas, das man mitzuteilen verpflichtet war (vgl. Subreption). Obreptisch, durch O. erhalten, erschlichen.

O'Brien (spr. o-breien), 1) Sir Lucius O., Lord Inchiquin, geb. 5. Dez. 1800, wurde 1843 Lord Lieutenant in Clare und gehörte als Parlamentsmitglied für Clare von 1826 bis 1830 und 1847-52 zu den standhaftesten Anhängern konservative und protektionistischer Grundsätze. Infolge des am 3. Juli 1855 erfolgten Ablebens eines Seitenverwandten, des Marquis von Thomond, erbte O. die irische Baronie von Inchiquin und trat als irischer Repräsentativpeer ins Oberhaus. Er starb 22. März 1872.

2) William Smith, Bruder des vorigen, geb. 17. Okt. 1803 zu Cahirmoyle, wurde 1826 für Ennis und 1832 für Limerick ins Unterhaus gewählt und beteiligte sich seit letzterm Jahr aufs entschiedenste an der irischen Repealbewegung. In seiner Schrift "Reproductive employment" (Dublin 1847) entwickelte er Ansichten über die Maßregeln, die zur Beseitigung der materiellen Leiden Irlands getroffen werden müßten. Als 1848 die Unruhen in Irland einen gefährlichen Charakter annahmen und O. im Mai das irische Volk zum Aufstand gegen England aufforderte, wurde ein Verhaftsbefehl gegen ihn und andre Häupter des Jungen Irland erlassen. Der von O. gesammelte Haufe ward 29. Juli 1848 in die Flucht gejagt, O. selbst ergriffen und 9. Okt. als Hochverräter zum Tod verurteilt, aber von der Regierung zu lebenslänglicher Deportation nach Australien begnadigt, wohin er sich im Juli 1849 einschiffte. 1854 erhielt er vollständige Begnadigung, kehrte zwei Jahre darauf nach Irland zurück und starb 18. Juni 1864 in Bangor.

Obrist, s. v. w. Oberst.

Obrogation (lat.), Vorschlag zur Aufhebung oder Abänderung eines Gesetzes.

Obrok (russ.), Pacht, Pachtgeld, namentlich die früher von dem Leibeignen an den Gutsherrn zu zahlende Abgabe.

Obruieren (lat.), überschütten, überladen.

Obrutschew, Nikolai Nikolajewitsch, russ. General, geb. 1829, trat 1848 in die Armee ein, widmete sich von Anfang an mit besonderm Eifer und Erfolg den Militärwissenschaften und veröffentlichte bereits 1850 seine erste Schrift: "Versuch einer Geschichte der Kriegskunst in Rußland". 1852 wurde er zur weitern wissenschaftlichen Ausbildung zur Nikolai-Akademie des Generalstabs kommandiert, gab 1853 eine "Übersicht über die handschriftlichen und die gedruckten Denkmäler, die sich auf die Geschichte der Kriegskunst bis zum Jahr 1725 beziehen" heraus, wurde 1856 zum Professoradjunkten und 1857 zum Professor der Militärstatistik an der Nikolai-Akademie und 1861 zum Mitglied des gelehrten Militärkomitees ernannt. 1866 erhielt er unter Beförderung zum Generalmajor das Amt eines Vorsitzenden dieses Komitees und hatte an der Armeeorganisation, der Redaktion des Reglements für die Wehrpflicht und der Ausarbeitung der Bestimmungen über die Reichslandwehr und die Ersatz-, Lokal- und Reservetruppen hervorragenden Anteil. 1871 wurde er General à la suite des Kaisers und 1873 Generalleutnant. Im russisch-türkischen Krieg 1877 ward er dem Generalstab der Kaukasusarmee unter dem Großfürsten Michael zugeteilt und führte durch seine Anordnung der von Lazarew ausgeführten Umgehungsbewegung den Sieg am Aladja Dagh (15. Okt.) herbei. 1878 ward er zum Generaladjutanten und 1881 zum Chef des Großen Generalstabs ernannt. Sehr wertvoll ist das von O. 1874 herausgegebene statistische Werk "Wojenno-statistischeskij Obornik".

Obschtschij Syrt (Obtschej Syrt), flacher Höhenzug, welcher sich bei seinem höchsten Punkte, dem Kujan Tau, vom Uralgebirge abzweigt und in der Richtung nach SW., die russischen Gouvernements Ufa, Orenburg und Samara durchstreichend, bis zur Wolga reicht. Er bildet die Wasserscheide zwischen Wolga und Ural und nicht nur die nördliche Grenze der aralo-kaspischen Niederung, sondern zugleich ein Stück der natürlichen Grenzlinie zwischen Europa und Asien (s. Europa, S. 920). Seine Höhe steigt von SW. nach NO. von 100 bis über 500 m. Während der südliche Abhang den asiatischen Steppencharakter trägt, ist der nördliche von schönen Laubwäldern bedeckt. Bekannt ist sein Reichtum an Kupfer, besonders