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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: O'Connor

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O'Connell - O'Connor.

tion", die Irlands zerstreute Kräfte vereinigen sollte und sich bald mit zahllosen Zweigvereinen über die ganze Insel verbreitete, die er aber von offenen Gesetzesüberschreitungen fern zu halten wußte. Als die Regierung 1825 diesen Verein durch eine besondere Parlamentsakte unterdrückte, stellte ihn O. unter anderm Namen und in andrer Form wieder her und verlegte den Sitz desselben bald in diese, bald in jene Stadt Irlands. 1828 wurde er von der Grafschaft Clare ins Unterhaus gewählt, durfte jedoch nicht eintreten, da er als Katholik den Testeid nicht leisten konnte. Um die bei der immer steigenden Aufregung in Irland drohende Gefahr eines Bürgerkriegs abzuwehren, betrieb nun die Regierung selbst die Katholikenemanzipation, und O., von Clare zum zweitenmal gewählt, nahm 1829 seinen Platz im Unterhaus ein. Er beantragte die Abschaffung des protestantischen Pfarrzehnten in Irland und erklärte im Sommer 1830, daß der Widerruf (repeal) der Union zwischen England und Irland der einzige Weg sei, letzterm Gerechtigkeit zu verschaffen. "Repeal" hieß fortan die Losung, mit der O. die Massen entflammte. Eine Anklage, die deshalb gegen ihn erhoben wurde, blieb resultatlos; der Einfluß des Agitators, der seit 1832 Dublin im Unterhaus vertrat, stieg immer mehr; von den 100 irischen Abgeordneten folgte fast die Hälfte ausschließlich seiner Führung. Mit dieser Macht, die man "O'Connells Schweif" (the O.-tail) zu nennen pflegte, unterstützte er die Reformbill, welche Irland fünf Abgeordnete mehr gewährte. Da er sein Vermögen und Einkommen teilweise seinen politischen Bestrebungen aufgeopfert hatte, brachten seine Landsleute eine Rente für ihn auf, die sich jährlich auf 13,000-18,000 Pfd. Sterl. belief. Die Verhängung von Ausnahmegesetzen über Irland, wo die öffentliche Ordnung noch immer gestört war, vermochte O. 1833 nicht zu hindern. Dagegen gelang es ihm, dessen Enthüllungen im Unterhaus 1834 sogar einen Ministerwechsel hervorriefen, 1837 eine Armenbill für Irland und 1838 endlich auch die Annahme eines Gesetzes durchzusetzen, welches die unerträgliche Last des Zehnten für die irische Bevölkerung wenigstens milderte. Als eine von O. eingebrachte Vorlage zur Regelung der Wahlfreiheit nicht einmal zur ersten Lesung kam, verkündete derselbe 21. April 1840 in einer Adresse dem irischen Volk, daß die "Loyal National Repeal-Association" gegründet sei und die Repealagitation von neuem beginne. Nach dem Sturz der Whigs im August 1841 wendete er seine ganze Energie der Ausbreitung dieses Vereins zu, warnte jedoch das Volk dringend vor jedem Friedensbruch. Seit er nun auch als Lord-Mayor von Dublin bei den Stadtbehörden den Antrag auf eine den Widerruf der Union verlangende Petition durchgesetzt, erhielt die Repealagitation einen großartigen Aufschwung. Von seinen Geistlichen abgefordert, strömte das Volk in ungeheuern Massen zu den "Monster-Meetings", die gewöhnlich an Orte, die durch den Irländern heilige Erinnerungen geweiht waren, z. B. an den Königshügel von Tara, zusammengerufen wurden, und in denen O. mit glühenden Farben das Elend des Volkes schilderte und die Auflösung der Union als das Ende aller Leiden, Gewalt und Empörung aber als das Verderben Irlands darstellte. Die Regierung eröffnete gegen ihn und andre Führer der Bewegung einen Staatsprozeß, der 24. Mai 1844 mit seiner Verurteilung zu 2000 Pfd. Sterl. Geldbuße und einjähriger Haft endete. Doch kam es nicht zur Ausführung dieses Urteils, gegen das O. Berufung an die höhern Instanzen einlegte; das Oberhaus erklärte 1. Sept. das Verfahren wegen Formverletzungen für nichtig, und O. ward im Triumph aus dem Gefängnis abgeholt. Auf der nächsten Repealversammlung stellte er den Gedanken einer Föderation zwischen Großbritannien und Irland auf, welchen er im Parlament des folgenden Jahrs mit Feuer vertrat. Dadurch aber entfremdet er sich einen großen Teil seiner Landsleute und namentlich die aus dem Schoß des Repealvereins hervorgegangene Partei "Jung-Irland". Schon krank, trat er 1847 in Begleitung seines jüngsten Sohns, Daniel, eine Reise nach Italien an, auf der er 15. Mai in Genua starb. Sein Herz ward seinem letzten Willen gemäß nach Rom, sein Körper aber nach Irland gebracht und zu Glasnevin beigesetzt. Seine Staatsreden, rhetorische Meisterwerke, wurden von seinem Sohn John O. ("Life and speeches of D. O.", Dublin 1846, 2 Bde.) und von Cusack (das. 1875, 2 Bde.) herausgegeben. In seiner Schrift "Historical memoir of Ireland and the Irish, native and Saxon" (Dubl. 1843, 2. Aufl. 1846; deutsch, Leipz. 1843) zeigte er sich selbst als scharfblickenden Historiker. Vgl. Moriarty, Leben und Wirken O'Connells (Berl. 1843); Cusack, The Liberator, his life and times (Lond. 1872); Lefevre, Peel and O. (das. 1887). - O'Connells ältester Sohn, Maurice O., wurde 1827 Barrister in Dublin und trat 1831 als Repräsentant der Grafschaft Clare, 1832 aber für die Stadt Tralee ins Unterhaus. Er suchte im Sinn seines Vaters zu wirken und starb 17. Juni 1853 in London. Der zweite Sohn, John O., geb. 1808, trat gleichfalls 1833 ins Parlament und stellte sich nach seines Vaters Tod an die Spitze des Repealvereins, der aber unter seiner Leitung immer mehr an Einfluß verlor und sich 1852 auflöste. Nachdem er sein Mandat als Abgeordneter der Stadt Limerick niedergelegt, erhielt er von der Regierung die Sinekure eines Sekretärs der Schatzkammer beim irischen Kanzleigericht. Er starb 24. Mai 1858 in Kingstown. Er schrieb außer der Biographie seines Vaters (s. oben): "Recollections and experiences during a parliamentary career from 1833 to 1848" (Lond. 1848, 2 Bde.).

O'Connor, Feargus Edward, irischer Agitator, geb. 1796, widmete sich der Advokatur, ward nach Annahme der Reformbill 1832 für Cork ins Parlament gewählt und vertrat hier die Interessen Irlands mit rücksichtsloser Kühnheit. Sein Auftreten blieb nicht ohne Einfluß, weshalb 1835 O'Connors Gegner die Kassierung seiner Wiederwahl zu bewirken wußten. Ohnehin mit O'Connells gemäßigter Politik nicht zufrieden, zog sich O. von den irischen Interessen zurück; schloß sich den englischen Chartisten (s. Chartismus) an und durchzog das Land, um in Volksversammlungen die Unzulänglichkeit der Parlamentsreform nachzuweisen und die Rechtlosigkeit der arbeitenden Klassen darzulegen. Unter seiner Leitung kam 6. Aug. 1838 zu Birmingham eine große Chartistenversammlung zu stande, worauf der Zusammentritt eines Nationalkonvents in London erfolgte, der einen allgemeinen Aufstand vorbereiten sollte. Aber es kam nicht zu einer Massenerhebung der Arbeiter, sondern nur zu vereinzelte Aufständen, welche der Polizei- und Militärgewalt erlagen; vorzüglich erlitt eine Schar von 8000 Chartisten, welche die Stadt Newport überfiel, 4. Nov. 1839 eine blutige Niederlage. Mehrere Anführer wurden ergriffen und deportiert. O. selbst, der sich im Hintergrund gehalten, blieb unangefochten und begründete das vielgelesene Journal "The Northern Star". Das Erlöschen der Chartistenbewegung veranlaßte ihn,