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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Odenkirchen; Odense; Odensholm; Odenwald; Odéon; Oder

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Odenkirchen - Oder.

plündert. Vgl. Diem, Illustrierter Führer durch Ö. (Ödenb. 1886).

Odenkirchen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf an der Niers und der Eisenbahn Gladbach-Stolberg, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Amtsgericht, 3 Baumwoll- und eine Wollspinnerei, 3 mechanische Webereien, Sealskin- und Shoddyfabrikation, Seiden- und Lampendochtweberei, Färberei, Gerberei und Treibriemenfabrikation, eine Dampfmühle und (1885) 10,161 meist kath. Einwohner.

Odense, dän. Amt, den nordwestlichen Teil der Insel Fünen nebst mehreren kleinern Inseln (Romsö, Äbelo, Fänö, Bogö, Thorö, Brandsö u. a. im Odense-Fjord) umfassend, 1770 qkm (32,13 QM.) groß mit (1880) 128,877 Einw. Die Hauptstadt O., an der Odense-Aa und dem Odensekanal, Knotenpunkt der Eisenbahnen Nyborg-Strib (Fredericia), O.-Svendborg und O.-Bogense, hat 4 Kirchen (darunter die St. Knutskirche, ein gotischer Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert, mit Krypte und mehreren Königsgräbern), eine Kathedralschule, Stiftsbibliothek, ein Fräuleinstift, ein Schloß und ist Sitz des Stiftsamtmanns, des Bischofs für Fünen und eines deutschen Konsulats. An gewerblichen Anstalten befinden sich daselbst mehrere Brauereien, Branntweinbrennerei, Tabaks- und Zigarren-, Zeugfabriken, Gerbereien, Eisengießereien und Maschinenfabriken etc. Die Ausfuhr besteht hauptsächlich in Getreide. 1885 liefen daselbst 826 Schiffe mit einer Ladung von 40,066 Ton. ein und aus. Die Einwohnerzahl betrug 1885: 25,600. Das dortige Bistum wurde 988 von König Harald Blauzahn gestiftet. Auf dem Reichstag von O. erhielten 1527 die Protestanten freie Religionsübung. O. ist Geburtsort des Dichters H. C. Andersen. - Die Odense-Aa entspringt im südlichen Fünen, nimmt den Abfluß des Arreskovsees auf und fällt nach 60 km langem Lauf in den Odensekanal, der, ca. 7½ km lang und 1796-1804 gegraben, O. mit dem Odensefjord verbindet. Letzterer schneidet vom Kattegat aus durch die schmale Mündung Midsund 15 km in das nördliche Fünen ein, ist inselreich und hat bei Klintebjerg einen 4,5 m tiefen Winterhafen, vor welchem die kleine Insel Vikelsö liegt.

Odensholm, russ. Insel am Eingang zum Finnischen Meerbusen, zum Gouvernement Esthland gehörig. Auf derselben befinden sich ein schwedisches Kirchdorf und ein Leuchtturm. Bemerkenswert ist, daß, während das der offenen See zugekehrte steinige Ufer immer mehr von den Wellen unterwaschen wird, das landeinwärts gelegene Land in den letzten 130 Jahren durch Sandanhäufungen über 1 km angewachsen ist.

Odenwald (althochd. odowalt, "öder Wald"), ein Glied des oberrheinischen Gebirgssystems das von dem nördlich vom Schwarzwald liegenden Kraichgauer Bergland durch den Neckar, vom Spessart durch den Main und vom Taunus durch die Rheinebene getrennt wird, ist 75 km lang, 30-50 km breit, erstreckt sich größtenteils zwischen Neckar und Main und gehört mit seinem größten Teil zum Großherzogtum Hessen, mit kleinen Teilen zu Baden und Bayern (s. Karte "Hessen"). Während er im W. sich steil aus der Rheinebene längs der Bergstraße (s. d.) erhebt, geht er im Osten auf der Grenze des Buntsandsteins und Muschelkalks in der Linie von Mosbach über Buchen und Walddürn nach Wertheim in das Fränkische Terrassenland über. Die geognostische Beschaffenheit zerlegt den O. in zwei Teile. Der westliche, an der Rheinebene, besteht vorzüglich aus kristallinischem Schiefer und Massengestein (Gneis, Granit, Syenit, Granulit, Felsitporphyr etc.), dem nordöstlich von Darmstadt, da, wo die letzten Ausläufer des Odenwaldes in die Ebene übergehen, Rotliegendes, in dem Melaphyr durchgebrochen erscheint, übergelagert ist; der östliche Teil gehört der Buntsandsteinformation an. In jenem gibt es viele Schluchten und schöne Thäler, prächtige Buchen- und Eichenwaldungen, zahlreiche Schlösser und Ruinen, unter denen Rodenstein durch die Sagen vom wilden Jäger bekannt ist, und unter den Höhen daselbst sind vorzugsweise merkwürdig: der Melibokus (519 m) über Zwingenberg mit herrlicher Aussicht, der Felsberg (501 m), nahe demselben, mit großartigen Felstrümmern, der Hardberg (592 m) südlich von Waldmichelbach auf der Grenze gegen den Buntsandstein, und der aus Nephilinfels bestehende Katzenbuckel (627 m) in der Nähe des Neckar, der höchste Berg des Odenwaldes. Das südöstliche Gebiet ist mehr einförmig, gleicht einer wellenförmigen Hochebene, trägt vorzugsweise Nadelwaldungen, umschließt aber am Neckar auch großartige Partien. Straßen durchziehen den O. nach allen Seiten, und auch eine Eisenbahn ist jetzt von Darmstadt nach Eberbach durch ihn geführt worden. Durch die Bemühungen des Odenwaldvereins wird das Gebirge dem Touristenverkehr mehr und mehr erschlossen. Im Gebiet der Sage tritt der O. mehrfach auf, vorzugsweise im Nibelungenlied. Noch heute zeigt man bei Grasellenbach eine Quelle, bei der Siegfried von Hagen soll erschlagen worden sein. Vgl. Montanus, Der O. (2. Aufl., Mainz 1884).

Odéon (franz., spr. -oug), s. v. w. Odeum.

Oder, 1) (lat. Viadrus, neulat. Odagra, slaw. Vjodr und Odra) einer der Hauptströme Deutschlands, entspringt in Mähren auf dem Odergebirge, dem südöstlichen Ausläufer der Sudeten (s. d.), 627 m ü. M., aus einem Sumpf des Liselbergs. Bald durch andre Bäche verstärkt, tritt sie im südöstlichen Lauf in das österreichisch-schlesische Fürstentum Troppau ein, geht dann wieder nach Mähren über und wendet sich mit dem Eintritt in die Lücke Prerau-Oderberg, welche die Sudeten von den Karpathen scheidet, nach NO. Nachdem sie links die Oppa empfangen hat, macht sie die Grenze zwischen Schlesien und Mähren und nach Aufnahme der Ostrawiza die Grenze zwischen dem preußischen und österreichischen Schlesien und geht, nachdem sie die Olsa aufgenommen, in nördlichem Lauf unterhalb des Städtchen Oderberg ganz in den preußischen Staat über, den sie nun in seiner größten Breite (die Provinzen Schlesien, Brandenburg und Pommern) auf einer Strecke von 741 km durchfließt. Ihr Lauf hat anfangs, mit bedeutenden Krümmungen nach W., nordwestliche, dann etwa von Frankfurt an, ebenfalls mit Abbiegungen, nördliche Hauptrichtung. Bei Ratibor in Schlesien wird sie für kleine, bei Oppeln für größere Kähne fahrbar; bei Breslau, wo sie eine Breite von 176 m hat, trägt sie Fahrzeuge von 200 Ton. Ladungsfähigkeit. Nachdem sie in die Provinz Brandenburg eingetreten, bildet sie zahlreiche Inseln. Im Regierungsbezirk Potsdam ist sie durch den 69,5 km langen Finowkanal mit der Havel und einige Meilen oberhalb Frankfurt durch den 24 km langen Friedrich Wilhelms- oder Müllroser Kanal mit der Spree verbunden. Ein dritter Kanal, der Oder-Spreekanal (s. d.), ist gegenwärtig (1888) im Bau. Zwischen Göritz und Reitwein tritt die O. in das Oderbruch, das sich bis Oderberg ausdehnt, 56 km lang, 12-30 km breit,