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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ohrenmaki - Ohrringe.

Hörnervenapparats (Menierescher Symptomenkomplex) wurde schwefelsaures Chinin mit gutem Erfolg angewendet. Die Hörstörung bei der Lokalisation der Syphilis im Labyrinth entwickelt sich meist sehr rasch und erreicht gewöhnlich einen sehr hohen Grad. Die Wahrnehmung des Uhrtickens und der Stimmgabelschwingungen durch die Kopfknochen ist verringert oder ganz geschwunden. Diese Erscheinung im Zusammenhalt mit den andern Syphilissymptomen läßt bei rascher Entwickelung der Taubheit auf Labyrinthsyphilis schließen. Heilung ist nur bei frischern Fällen möglich. Die Quecksilberkur (Schmierkur) erweist sich wirksamer als die Jodkur; auch werden subkutane Einspritzungen von salzsaurem Pilokarpin empfohlen. Die Lähmungen (Paresen und Paralysen) des Hörnervenapparats treten primär oder sekundär bei Erkrankungen des Mittelohrs oder des Zentralnervensystems auf. Die Hörstörung ist bei längerer Krankheitsdauer fast immer unheilbar. Die Behandlung besteht vorzugsweise in der Anwendung des konstanten elektrischen Stroms, indem die Anode mit dem Ohr, die Kathode mit der Handfläche oder dem Nacken in Berührung gebracht wird. Man bedient sich hierbei allmählich ansteigender Ströme bis zum Eintritt von Schmerz und Schwindel, worauf wieder der Strom allmählich abgeschwächt wird.

Vom Gehirn ausgehende Hörstörungen sind keineswegs selten. Am häufigsten wird Taubheit infolge der epidemischen Cerebrospinalmeningitis (Genickkrampf) beobachtet, seltener nach der primären Hirnhautentzündung. Hirnblutungen (Apoplexie), Hirnerweichung, Hydrocephalus und Neubildungen im Gehirn bedingen nicht selten Schwerhörigkeit verschiedenen Grades. Eine eigentümliche Form der Hörstörung, welche man als Aphasie (Worttaubheit) bezeichnet, wird bei Erkrankungen des Schläfelappens des Gehirns beobachtet. Die betreffenden Kranken hören wohl das Gesprochene, sind aber nicht im stande, dasselbe zu verstehen, resp. das Wort mit der entsprechenden Vorstellung zu verbinden. Vgl. v. Tröltsch, Lehrbuch der Ohrenheilkunde (7. Aufl., Leipz. 1881); Derselbe, Gesammelte Beiträge zur pathologischen Anatomie des Ohrs (das. 1883); Politzer, Beleuchtungsbilder des Trommelfells im gesunden und kranken Zustand (Wien 1865); Derselbe, Lehrbuch der Ohrenheilkunde (2. Aufl., das. 1887); Moos, Klinik der O. (das. 1866); Hagen, Das Ohr und seine Pflege (2. Aufl., Leipz. 1883); Schwartze, Die Erkrankungen des Gehörorgans (in Klebs' "Handbuch der pathologischen Anatomie", Bd. 2, Berl. 1878); Derselbe, Lehrbuch der chirurgischen Krankheiten des Ohrs (Stuttg. 1885).

Ohrenmaki, s. Ohraffe.

Ohrenprobe, forensisches Merkmal, am Schwund von Schleimgewebe der Paukenhöhle zu erkennen, ob ein Kind geatmet habe oder tot geboren sei.

Ohrenrobbe, s. Seebär.

Ohrensausen, eine Reihe subjektiver Gehörsempfindungen, welche, durch eine krankhafte Reizung des Hörnervs bedingt, als Sausen, Brausen, Zischen, Pfeifen, Klopfen, Brummen, Rauschen, Knacken, Zirpen etc. empfunden werden. Sie entstehen durch Reizbarkeit des Nervensystems infolge von erschöpfenden Krankheiten, von Blut- und Säfteverlusten, bei gastrischen Zuständen, bei Hirn- und Geisteskranken. Auch können sie durch Verabreichung großer Dosen von Chinin und durch heftige Schallerschütterungen hervorgerufen werden. Am häufigsten aber ist das O. ein begleitendes, oft lästiges Symptom der Ohrenkrankheiten. Die Behandlung fällt mit jener des ursachlichen Grundübels zusammen. Es muß aber vor der Anwendung der in Unzahl gegen das O. empfohlenen Geheimmittel gewarnt werden, weil die Einträufelungen derselben in den Gehörgang oft von schädlichen Folgen begleitet sind.

Ohrenschmalz, s. Ohr, S. 348, und Ohrenkrankheiten.

Ohrenschwindel, s. Gehör, S. 17.

Ohrenspiegel, s. Ohrenkrankheiten.

Ohrenzwang (griech. Otalgie), nervöser Ohrenschmerz (Neuralgia acustica s. auricularis), in seinem höchsten Grad auch Otagra genannt, eine in gesteigerter Sensibilität des Gehörs bei Verminderung des Hörvermögens bestehende Krankheit, die ihren Sitz in den Empfindungsnerven der Paukenhöhle hat. Sie äußert sich durch einen drückenden, reißenden, stechenden Schmerz im Ohr, welcher paroxysmenweise plötzlich erscheint, mit einemmal verschwindet oder in einen andern Teil des Kopfes wandert. Während des Schmerzanfalls hat der Kranke ein Brausen, Sausen, Klingen in dem leidenden Ohr, ist etwas schwerhörig und gegen Geräusche empfindlich. Sehr häufig liegt dem O. Erkältung zu Grunde, weshalb auch energisches Schwitzen des Kopfes oder des ganzen Körpers die beste Behandlung ist. Gegen die Krankheitserscheinungen sind Morphium oder Chloral zu empfehlen.

Öhringen, Oberamtsstadt im württemberg. Jagstkreis und Hauptort der dem Fürsten von Hohenlohe-Öhringen gehörigen Standesherrschaft Ö. (356 qkm oder 6½ QM.), an der Ohrn und der Linie Heilbronn-Krailsheim der Württembergischen Staatsbahn, 231 m ü. M., hat ein schönes Residenzschloß des Fürsten, ein berühmtes, 1034 errichtetes Chorherrenstift (jetzt öffentliche Bibliothek), eine stattliche Kirche (mit merkwürdiger Bildschnitzerei von Zedernholz aus dem 15. Jahrh.), ein Lyceum, 2 landwirtschaftliche Maschinen- und eine Schulbankfabrik und (1885) 3753 meist evang. Einwohner. - Schon die Römer hatten hier ein Kastell (Vicus Aurelii), in dessen Trümmern man viele römische Altertümer und Inschriften gefunden hat; später kommt die Stadt als Hauptort des Ohrngaues vor. Seit 1806 steht Ö. unter württembergischer Oberhoheit. Vgl. Keller, Vicus Aurelii oder Ö. zur Zeit der Römer (Bonn 1872).

Ohrkatheter, s. Ohrenkrankheiten.

Ohrläppchen, s. Ohr, S. 348.

Öhrling, s. Ohrwürmer.

Ohrringe, ein gegenwärtig besonders beim weiblichen Geschlecht gebräuchlicher Schmuck, der jedoch zuweilen auch von Männern der untern Volksklasse (Schiffern, Hirten, Landleuten) getragen wird, weil man darin ein Mittel der Abwehrung von Krankheiten zu besitzen glaubt. Bei den Indern waren von alters her O. bei beiden Geschlechtern im Gebrauch, ebenso bei den Babyloniern, Medern, Persern, Arabern, Hebräern und bei den alten Galliern und Germanen. Alle diese Völker schrieben den Ohrringen die Kraft von Amuletten zu und hielten sie für geeignet, Zaubertöne vom Ohr fern zu halten, daher die O. häufig mit geheimnisvollen Charakteren versehen wurden. Bei manchen Urvölkern (Pampaindianern in Brasilien, Macusi in Guayana, Sioux und Dakota in Nordamerika, Papuastämmen auf Neuguinea etc.) sowie in Südindien und Persien wird der Akt des Ohrlöcherstechens am Tag der Namengebung des Kindes feierlich begangen; auch findet bei den Badaga am Nilgirigebirge in Indien am 30. Tag nach der Geburt, an welchem dem Kinde die