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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Oker; Okinawa; Okka; Okkasionalismus; Okklusion; Okkultation; Okkupation; Okkupieren; Okna; Ökolampādius

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Oker - Ökolampadius.

forscherversammlungen ins Leben. 1827 ging er als Privatdozent an die Universität München und wurde daselbst 1828 ordentlicher Professor. Auf Versetzung an eine andre bayrische Universität nicht eingehend, nahm er auch hier seine Entlassung und ging 1832 als Professor nach Zürich, wo er 11. Aug. 1851 starb. Seine Büste, von Drake in Berlin gefertigt, ward 1853 am Fürstengraben in Jena aufgestellt; 1883 wurde ihm ein Denkmal in Offenburg gesetzt. Okens Hauptbestreben ging auf Darstellung eines in sich zusammenhängenden, alle Reiche der Natur und deren Elemente umfassenden Natursystems, das, obwohl auf Schelling sich stützend, doch ganz eigentümlich ist. Die von O. erst geschaffene und meist aus neugebildeten oder doch ungewöhnlichen Ausdrücken bestehende Nomenklatur ist Erzeugnis des Bestrebens, die leitenden Grundsätze für die Einteilung durch die Namen anzudeuten. Das "Lehrbuch der Naturphilosophie" (Jena 1808-11; 3. neu bearbeitete Aufl., Zürich 1843) ist eigentlich nur die philosophische Begründung des Systems, das in dem "Lehrbuch der Naturgeschichte" (Leipz. 1813-27, 3 Bde.) vollständig entwickelt ist. Nach demselben ist die Naturphilosophie die Wissenschaft von der ewigen Verwandlung Gottes in die Welt, und ihre Aufgabe ist, die Entwickelungsmomente der Welt von den Elementen an bis dahin, wo dieselben im Menschen zur Vernunft kommen, darzulegen. Sie wurde vielfach mißverstanden. Ein andres Hauptwerk ist die "Allgemeine Naturgeschichte für alle Stände" (Stuttg. 1833-45, 7 Bde. in 13 Tln.). Ferner nennen wir: "Die Zeugung" (Bamb. 1805); "Abriß des Systems der Biologie" (Götting. 1806); "Über das Universum als Fortsetzung des Sinnensystems" (das. 1808); "Erste Ideen zur Theorie des Lichts, der Finsternis, der Farben und der Wärme" (das. 1808); "Grundzeichnung des natürlichen Systems der Erze" (Jena 1809); "Esquisse du système d'anatomie, de physiologie et d'histoire naturelle" (Par. 1821). Vgl. Ecker, Lorenz O. (Stuttg. 1880); Güttler, L. O. und sein Verhältnis zur modernen Entwickelungslehre (Leipz. 1884).

Oker (Ocker), linker Nebenfluß der Aller, entspringt 911 m ü. M. am Bruchberg im Harz, durchfließt das durch seine malerischen Felsenpartien bekannte Okerthal, braunschweigisches und hannöversches Gebiet, nimmt die Radau, Ecker, Schunter, Ilse, Wagner und Wabe auf, dient zum Holzflößen, ist sehr fischreich und mündet nach 105 km langem Lauf zwischen Meinersen und Celle, 42 m ü. M.

Oker (Ocker), Dorf im braunschweig. Kreis Wolfenbüttel, am Austritt des gleichnamigen Flüßchens aus dem Harz und an der Linie Vienenburg-Goslar-Neuekrug der Braunschweigischen Staatsbahn, 230 m ü. M., hat königlich preußische und herzoglich braunschweigische Bleihüttenwerke mit Schwefelsäurefabriken, Kupfervitriolsiederei, eine elektrolytische Kupfer- und eine Goldscheideanstalt, 7 Holzstofffabriken, eine Farbenfabrik, eine Fabrik künstlichen Düngers, Steinbrüche und (1885) 2313 Einw. Südwärts das vielbesuchte Okerthal mit dem Gasthaus Romckerhall.

Okinawa (Groß-Liukiu), Hauptinsel der japan. Liukiugruppe, im mittlern Teil derselben, 2079 qkm (37,8 QM.) groß, langgestreckt, von Koralleninseln umgeben, mit zahlreichen Buchten und von wellenförmiger Beschaffenheit mit 400 m hohen Hügeln, Die Insel soll Korallenbildung sein, ist wohl angebaut und von ca. 100,000 Menschen bewohnt. Die Hauptstadt Shiuri und ihr Hafen Nafa an der Südküste haben etwa 10,000 Einw.; ein zweiter Hafen im N. heißt Kume.

Okka (Oka, Unze), bis 1874 gesetzliche, aber noch jetzt allgemein gebräuchliche türk. Gewichtseinheit, à 4 Lira oder 400 Dirhem (Dramm, Drachmen) = 1282,0513 g = 1/44 Kantàr von Konstantinopel, auch in Rumänien gebräuchlich, in Ägypten = 1235,36 g, für manche Waren schwerer (412 und 420 Drachmen), in Griechenland (Stadera) = 1280 g. Als türkisches Flüssigkeitsmaß für Kleinverkehr = 1,282 Lit. Auch griechisches Ölmaß = 2,5 alte Gewichtsokken.

Okkasionalismus (Okkasionalsystem, Systema causarum occasionalium), diejenige metaphysische Ansicht über das gegenseitige Verhältnis der Seele und des Körpers, vermöge welcher die Vorstellungen der Seele und die Bewegungen des Körpers gleichzeitig, aber unabhängig voneinander, also in Bezug aufeinander gelegentlich (daher der Name) durch unmittelbare Einwirkung (Assistenz) Gottes als der Ursache aller Bewegung stattfinden sollen. Urheber dieser Lehre, deren Anhänger als Okkasionalisten bezeichnet werden, war der Cartesianer Arnold Geulings (gest. 1669); auch Louis de la Forge, Malebranche und Bayle verteidigen den O. Vgl. E. Pfleiderer, Leibniz und Geulincx (Tübing. 1884); Seyfarth, Louis de la Forge und seine Stellung im O. (Gotha 1887).

Okklusion (lat.), Verschließung, Versperrung; vgl. Absorption, S. 61.

Okkultation (lat.), Verdeckung, Verhehlung etc.; in der Astronomie s. v. w. Bedeckung (s. d.).

Okkupation (lat.), die Aneignung einer Sache, namentlich einer herrenlosen Sache. Nach römischem und gemeinem deutschen Recht reicht die bloße Besitzergreifung und der Wille der Aneignung einer nicht im Eigentum eines andern befindlichen Sache (res nullius) hin, Eigentumsrechte zu begründen (res nullius cedit prius occupanti), während die Partikulargesetzgebung diesen Grundsatz namentlich durch die Bestimmungen über Jagd, Fischfang, Bergbau u. dgl. mehrfach eingeschränkt hat. Die früher allgemein statuierte O. im Krieg (Occupatio bellica, Beuterecht, Kriegsappropriation), d. h. die Wegnahme feindlichen Eigentums, des Staats sowohl als der Privaten, ist im Landkrieg nach modernem Völkerrecht nur noch in beschränkter Weise gestattet (s. Beute). Im Seekrieg unterliegt das Privateigentum noch immer der O. (s. Prise). O. nennt man ferner die militärische Besetzung eines Landes durch feindliche Truppen (Okkupationsarmee), entweder um gewisse Rechtsansprüche geltend zu machen, oder um wegen Erfüllung der von dem betreffenden Staat eingegangenen Verbindlichkeiten eine Sicherheit zu haben. So erfolgt die O. einzelner Provinzen als Bürgschaft für Erfüllung der Friedensbedingungen, wie 1815 und 1871 in Frankreich, oder zur Niederhaltung von Aufruhr, wie 1849 die O. von Rom durch die Franzosen. Okkupationsländer werden in Österreich die türkischen Provinzen Bosnien und die Herzegowina genannt, welche durch den Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878 der österreichisch-ungarischen Regierung zur Verwaltung und militärischen Besetzung überlassen sind.

Okkupieren (lat.), in Beschlag, in Besitz nehmen; okkupatorisch, auf Okkupation (s. d.) beruhend oder bezüglich.

Okna (O. Mare), Stadt in Rumänien (Walachei), Kreis Waltscha, durch Zweigbahn mit der Linie von Roman nach Turnu-Severin verbunden, mit großem Salzbergwerk und 3840 Einw.

Ökolampādius, Johannes, eigentlich Hußgen (nicht Hausschein), einer der Kirchenreformatoren