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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Oktagon - Okulieren.

Oktagon (griech.), s. Oktogon.

Oktánt (lat.), in der Planimetrie der achte Teil des Kreisumfangs, daher auch in der Astronomie Bezeichnung eines Winkelmessers, der mit einem geteilten Achtelkreis versehen ist; in der Stereometrie der achte Teil einer Kugel, begrenzt durch drei im Mittelpunkt sich rechtwinkelig schneidende Ebenen; auch jeder der acht Teile, in welche diese drei Ebenen den unendlichen Raum teilen.

Oktapla (griech.), in acht Sprachen auf acht Spaltseiten gedruckte Bibel.

Oktav (lat.), Buchformat, bei welchem der Bogen 8 Blätter oder 16 Seiten zählt.

Oktave (lat. Octava, ital. Ottava, griech. Diapason), der achte Ton im diatonischen Tonsystem, von einem beliebigen Grundton an gerechnet. Die O. ist die Wiederholung des Grundtons im verjüngten Maßstab, die vollkommenste Konsonanz und steht zu ihrem Grundton im einfachsten Schwingungsverhältnis 1:2. Das Oktavverhältnis nimmt gegenüber allen andern konsonanten Intervallen insofern eine Ausnahmestellung ein, als seine noch so vielfache Potenzierung immer wieder einen konsonanten Ton gibt, während schon die zweite Potenz des Quintverhältnisses einen dissonanten Ton gibt (die None). Von alters her werden daher Töne, die im Oktavverhältnis stehen, als identisch betrachtet. Die Griechen nennen die O. Diapason, damit ausdrückend, daß sie alle Töne umschließt, welche voneinander wesentlich verschieden sind. Im abendländischen Tonsystem haben die Oktavtöne denselben Namen (C-c, D-d etc.), und der gesamte Umfang der musikalisch brauchbaren Töne wird nach Oktaven übersichtlich geteilt (vgl. Buchstabentonschrift und Noten). Die O. ist das einzige Intervall, welches keinerlei Temperatur erträgt, vielmehr stets ganz rein gestimmt sein muß. Als Zusammenhang kommt die O. in der Regel nur rein vor, selten übermäßig (c-cis', als Vorhalt vor der großen None d'), noch seltener vermindert (c-ces', als Vorhalt vor der kleinen Septime b). Über Oktavverdoppelung und fehlerhafte Oktavenparallelen s. Parallelen; über die Oktavengattungen der Alten s. Griechische Musik, S. 730, und Kirchentöne. - Über die O. in kirchlicher Hinsicht s. Octava; über das O. genannte Versmaß s. Stanze.

Oktavieren, bei Blasinstrumenten s. v. w. in die Oktave überschlagen; vgl. Quintieren.

Oktavonen, Kinder eines Weißen und einer Quarteronin.

Oktett (franz. Octuor, ital. Ottetto), eine Komposition für acht Instrumente, die sich vom Doppelquartett dadurch unterscheidet, daß nicht zwei Gruppen von je vier Instrumenten einander gegenüberstehen, sondern alle acht Instrumente als ein Chor zusammenwirken.

Oktillion (lat.), die achte Potenz einer Million, geschrieben 1 mit 48 Nullen; vgl. Zahlensystem.

Oktobafett ^[richtig: Otobafett], s. Myristica.

Oktober (lat.), Weinmonat, bei den alten Römern der achte (daher der Name), bei uns der zehnte Monat des Jahrs, der zweite Herbstmonat. Die Sonne tritt im O. in das Zeichen des Skorpions. Die mittlere Veränderlichkeit der Temperatur, d. h. der Mittelwert von allen in einem möglichst großen Zeitraum für den Monat vorgekommenen Abweichungen von der ihm zukommenden Mitteltemperatur ist im O. größer als im September, aber kleiner als im November; sie beträgt für das nordöstliche Europa 1,5, für die badischen Länder 1,2, für Deutschland 1,3, für Westeuropa 1,1, für Italien 1,1, für England 1,1° C.

Oktoberdiplom, eine in Österreich übliche Bezeichnung für das kaiserliche Manifest vom 20. Okt. 1860, welches eine Regelung der innern Verhältnisse Österreich-Ungarns auf konstitutioneller Grundlage unter Wahrung der Autonomie der einzelnen Kronländer verhieß (s. Österreich.-Ungar. Monarchie, Gesch.).

Oktoberfest, Volksfest in München zur Erinnerung an die Vermählung des damaligen Kronprinzen Ludwig von Bayern mit der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen am 12. Okt. 1810, welches seitdem jährlich auf der nach letzterer benannten Theresienwiese gefeiert wird. Es bildete sich in der Folge zu einem Zentralfest für das ganze Königreich Bayern aus, mit Pferderennen, bei dem Preise für musterhafte Erzeugnisse des Ackerbaues, für Verdienste in der Obstbaum- und Tierzucht verteilt werden.

Oktodez (lat., Achtzehner), Buchformat, bei welchem der Druckbogen 18 Blätter oder 36 Seiten zählt.

Oktogon (Oktagon, griech.), s. v. w. Achteck. In der Architektur ein achteckiger Bau, z. B. der Turm der Winde zu Athen (s. Tafel "Baukunst IV", Fig. 10) und die Kaiserkapelle des Münsters zu Aachen.

Oktostylos (griech.), Gebäude mit acht Säulen an der Frontseite.

Oktroi (auch Oktroy, spr. -oa, vom lat. auctoritas), Bewilligung, Genehmigung, in Frankreich früher zur Bezeichnung von an Handelsgesellschaften verliehenen Privilegien (daher oktroyierte Handelskompanien, Gesellschaften, denen das Recht des Alleinhandels zugestanden worden war), dann der vom König den Städten erteilten Befugnisse, insbesondere der Befugnis, von in den Ortsbezirk eingebrachten Waren eine Abgabe (denier d'octroi, auch kurz octroi genannt) zu erheben. In diesem Sinn von kommunaler Eingangsabgabe hat sich der Ausdruck O. in Frankreich und Deutschland Bürgerrecht erworben. Vgl. Gemeindehaushalt.

Oktroyieren (franz., spr. oktroaji-), bewilligen, verleihen, insbesondere etwas aufnötigen, aus höherer Machtvollkommenheit anordnen; daher oktroyierte Verfassungen (im Gegensatz zu paktierten) diejenigen, welche einseitig von der Staatsregierung gegeben und nicht zuvor mit einer Volksvertretung vereinbart wurden. Oktroyierungsrecht wird zuweilen das Verordnungsrecht des Regenten genannt, d. h. die Befugnis desselben, die zur Ausführung der Gesetze erforderlichen Bestimmungen und zwar ohne Beirat und Zustimmung der Stände zu erlassen.

Oktuplieren (lat.), achtfach nehmen, verachtfachen; Oktuplum, das Achtfache.

Oktylsäure, s. Kaprylsäure.

Okubawachs, s. Myristica.

Okular (lat., Okularglas), s. Fernrohr und Mikroskop.

Okularinspektion (lat.), Beaugenscheinigung, Besichtigung (s. d.).

Okularriß, nach dem Augenmaß gemachte Zeichnung eines Gegenstandes, welche eine ungefähre Idee von der Ausführung des Ganzen geben soll, s. v. w. Skizze; besonders das Brouillon, welches der Feldmesser zunächst von der aufzunehmenden Feldmark entwirft, und nach dessen Anleitung er dann die genauen Messungen im einzelnen zu vollziehen hat.

Okulieren (lat.), die Art der Veredelung, welche durch das Ausschneiden eines Pflanzenauges mit dem Schild in Dreiecksform (Fig. a b) und Einsetzen desselben unter die in T-Form geschnittene und abgelöste Rinde der Unterlage (Fig. c) so ausgeführt wird, daß der obere Rand des Schildes genau an den untern der Rinde anstößt. Letztere wird durch Bast oder