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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Oliva; Olivarez; Oliveira Martins; Oliven; Olivenbaum; Olivenöl

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Oliva - Olivenöl.

Polen überließ das nördliche Livland, Esthland und die Insel Ösel an Schweden, während dieses auf Kurland verzichtete und beide Teile die Souveränität des Herzogtums Preußen anerkannten. Dänemark sah sich hierauf genötigt, ebenfalls mit Schweden den ungünstigen Frieden zu Kopenhagen vom 27. Mai 1660 abschließen. Vgl. Schultz, Geschichte des Friedens von O. (Labiau 1860). - 2) Stadt in der span. Provinz Valencia, unweit des Mittelländischen Meers, an der Eisenbahn Valencia-Denia, mit einem zerstörten Kastell, Leinwandfabrikation, Seidenkultur, Wein- und Ölbau und (1878) 7410 Einw. - 3) O. de Jeres, Stadt, in der span. Provinz Badajoz, am Ardila, unweit der portugiesische Grenze, mit (1878) 5599 Einw.

Oliva, Fernan Perez de, span. Dramatiker und Moralphilosoph, geboren um 1497 zu Cordova, studierte in Salamanca und Alcalá Philosophie und schöne Wissenschaften, dann zu Paris Mathematik und Physik und hielt hierauf erst in Rom, dann zu Paris drei Jahre hindurch Vorlesungen über Humaniora, später zu Salamanca über Moralphilosophie, Theologie und Mathematik. 1533 ward er Rektor der Universität. Karl V. ernannte ihn auch zum Lehrer des jungen Philipp (II.), doch starb O. wahrscheinlich schon vor 1534. O. hat sich als Schriftsteller um die Litteratur seines Vaterlandes bedeutende Verdienste erworben, indem er die spanische Sprache nach der altklassischen zu bilden und zu veredeln suchte. Sein Ruhm beruht vorzugsweise auf seinen moralphilosophischen Schriften, unter welchen besonders sein im Geist Ciceros geschriebener "Dialogo de la dignidad del hombre" mit Recht für das erste klassische Muster didaktischer Prosa in der spanischen Litteratur gilt. O. hinterließ denselben unvollendet, er wurde aber später von Francisco Cervantes de Salazar fortgesetzt. Olivas Werke wurden zuerst von Ambrosio de Morales herausgegeben (Cordova 1586) und erst, nachdem sie 200 Jahre lang auf dem Index der verbotenen Bücher gestanden hatten, wieder gedruckt (Madr. 1787, 2 Bde.).

Olivarez (spr. -wareds), Don Gasparo de Guzman, Graf von O., Herzog von San Lucar de Barrameda, Premierminister König Philipps IV. von Spanien, geb. 6. Jan. 1587 in Rom, wo sein Vater spanischer Gesandter am päpstlichen Hof war, studierte in Salamanca, kam unter Philipp III. an den Hof und erlangte hier durch Frauengunst bedeutenden Einfluß. Namentlich gewann er den Infanten Philipp, spätern König Philipp IV., durch Beförderung seiner Liebschaften für sich. Nach dessen Thronbesteigung 1621 wurde er allmächtiger Günstling, vereinigte die wichtigsten Ämter in Einer Person und beseitigte seine Gönner Miaga und Uzeda. O. traf anfangs viele Maßnahmen, die auf einen wohlwollenden, aufgeklärten und auch in der Finanzwirtschaft wohlerfahrenen Mann schließen ließen, bekundete aber bald einen maßlosen Egoismus. Er liebte den Krieg, weil er für sich und Philipp IV., der den Beinamen des Großen annahm, Ruhm erwerben und sich durch Beutemachen bereichern konnte, und so verwickelte er sein Vaterland 22 Jahre hindurch in die blutigsten Kriege mit Portugal, welches unter ihm abfiel, mit Frankreich und den Niederlanden und in die schrecklichsten Bürgerkriege, indem er die Katalonier und Andalusier durch Antastung ihrer alten Privilegien zum offenen Aufstand drängte. Die fortwährenden Niederlagen, welche die spanische Armee durch die Alliierten Portugals, die Franzosen zu Land und die Holländer zur See, zu erleiden hatte, und die unausgesetzten Erpressungen, welche O. sich gegen das unglückliche Spanien zu schulden kommen ließ, brachten endlich eine gärende Bewegung in die Menge, die so drohend wurde, daß der König sich 1643 genötigt sah, seinen Günstling vom Hof zu entfernen. Infolge der Veröffentlichung einer Schrift, die sein Regierungssystem verteidigen sollte, aber mehrere hochgestellte, zum Teil der königlichen Familie anverwandte Personen bloßstellte, wurde O. nach Toro verbannt, wo er 22. Juli 1645 starb. Vgl. de la Rocca, Histoire du ministère du comte-duc d'O. (Köln 1673).

Oliveira Martins, João Pedro, portug. Schriftsteller, geb. 30. April 1845 zu Lissabon, lebt als Privatgelehrter in Oporto und hat sich durch eine Reihe populärwissenschaftlicher Schriften verschiedensten Inhalts einen geachteten Namen gemacht. Hierher gehören: "Os Lusiadas, ensaio sobre Camoens" (Porto 1872); "Portugal e o socialismo" (Lissab. 1873); "A reorganisação do Banco de Portugal" (Porto 1877); "O Hellenismo e a civilisação christan" (1878); "Historia da civilisação iberica" (1879); "Historia de Portugal" (1879, 2 Bde.); "O Brazil e as colonias portuguezas" (1880); "Portugal contemporanea" (1881, 2 Bde.); "Elementos de anthropologia" (1882) und die "Historia da Republica Romana" (1885, 2 Bde.).

Oliven, die Früchte des Ölbaums (s. d.).

Olivenbaum, s. v. w. Ölbaum.

Olivenöl (Baumöl, Oleum olivarum), aus den Früchten des Ölbaums (Olea europaea) gewonnenes fettes Öl. Die reifen Früchte werden auf Mühlen zermalmt, gepreßt, die Preßkuchen mit etwas heißem Wasser abermals gepreßt, worauf man den Preßrückstand in heißem Wasser zerteilt, das Fruchtfleisch von den schweren Kernen absondert, eintrocknet und zum drittenmal preßt. Die letzten Preßkuchen enthalten noch viel Öl, welches durch Extrahieren mit Schwefelkohlenstoff gewonnen wird (Sulfuröl, Pulpaöl). Bisweilen überläßt man die Früchte vor dem Pressen einer leichten Gärung, und in Tunis bringt man die zerquetschten Oliven in Wasser, schöpft das ausgeschiedene Öl ab und preßt den Rückstand. Nach allen Methoden erhält man zuerst ein sehr feines Öl (Jungfernöl) von grünlicher Farbe und dem Geruch und Geschmack der frischen Frucht. Dann folgen die gelblichen Speiseöle, von denen das Provencer (Aix, Grasse), das Genueser und Luccaer am feinsten sind. Die letzte Pressung gibt das grüne Baumöl (huile lampante ohne Bodensatz, huile marchande mit Satz), von welchem die reinsten Sorten noch als Speiseöl verwendbar sind (Gallipoli, Puglieser, Bari, Leccer, Monte Sant' Angelo). Mehr oder weniger trübe ist das Fabriköl (Malaga, Korfu, Messina, Tripolis, Tunis), welches zur Seifenfabrikation, zum Einfetten der Wolle und als Schmiermittel benutzt wird. Es wird häufig mit Rüböl verfälscht. Das schlechteste Öl (huile de l'enfer) ist bei uns fast ganz durch Rüböl verdrängt. In der Türkischrotfärberei benutzt man als Beizmittel das dickflüssige, trübe, saure, übelriechende Tournantöl aus stark gegornen Preßrückständen. - Provencer Öl ist wenig gefärbt oder goldgelb, fast geruchlos, von mildem Geschmack, setzt unter +5° weiße, körnige Massen ab, erstarrt bei +2°, spez. Gew. 0,915-0,920 bei 17°, besteht aus Olein (72 Proz.), Stearin und Palmitin, ist sehr wenig löslich in Alkohol, in 1,5-2,5 Teilen Äther, trocknet nicht an der Luft und brennt mit heller, rußender Flamme; es wird leicht ranzig, hält sich aber in ganz gefüllten, verschlossenen Flaschen an einem kühlen, dunkeln Ort, besonders mit 0,5 Proz.