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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Olivénza; Olivetaner; Olivetanus; Olivetten; Olivier; Olivier le Dain

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Olivenza - Olivier le Dain.

wasserfreiem Alkohol, recht gut. Durch Einwirkung der Sonne und durch Knochenkohle kann es gebleicht werden. Das im Handel vorkommende O. ist namentlich häufig mit Baumwollsamen-, Erdnußöl, Sonnenblumen-, Sesam- und Rüböl, Dotteröl, Palmkernöl, vorzüglich aber mit Schmalzöl verfälscht. Es dient als Nahrungsmittel, zum Einfetten von Wolle und Leder, zur Darstellung von Seife, als Brennöl, Schmiermaterial, zu Salben etc.

Olivénza, Bezirksstadt in der span. Provinz Badajoz, Grenzfestung gegen Portugal, mit (1878) 7759 Einw., Wein-, Obst-, und Olivenbau, Seidenzucht und Getreidehandel; wurde im spanischen Erbfolgekrieg 1709 von den Franzosen u. Spaniern belagert u. 22. Jan. 1811 von den Franzosen unter Soult erobert.

Olivetaner (lat. Fratres eremitae de monte Oliveti, Congregatio Sanctae Mariae montis Oliveti, Mönche von Monte Oliveto oder vom Ölberg), Benediktinerkongregation in Italien, gegründet durch Giov. Tolomei zu Siena, der sich als Professor der Philosophie, von einer Augenkrankheit genesen, 1313 mit andern auf seiner Besitzung bei Siena dem Dienste der heiligen Jungfrau weihte. Von Johann XXII. bestätigt, nahmen die O. die Regel Benedikts mit eigentümlichen Verschärfungen an und gründeten auf einer nahe gelegenen Anhöhe (Ölberg) ein Kloster. Der Stifter starb infolge der Verpflegung Pestkranker 1348. Auch Jungfrauenstifter (Nonnen vom Ölberg) schlossen sich ihnen an.

Olivetanus, Pierre Robert, reform. Theolog, geboren in Nyon zu Ende des 15. Jahrh., Verwandter Calvins, war 1533 als Lehrer zu Genf und übertrug teils hier, teils zu Neuchâtel die Bibel ins Französische. Diese Übersetzung, die Grundlage der spätern französischen Bibelausgaben, erschien zuerst in Neuchâtel 1535. O. starb 1538 in Ferrara.

Olivetten (franz.), olivenförmige, zum Rundschleifen ungeeignete Korallen; auch länglichrunde Glasperlen, die als Handels- und Tauschartikel namentlich nach Ägypten und Afrika ausgeführt werden.

Olivier (spr. -wjeh), 1) Ludwig Heinrich Ferdinand, Erfinder einer nach ihm benannten Lesemethode, geb. 19. Sept. 1759 zu La Sarra im Kanton Waadt, studierte in Lausanne, wurde 1781 Lehrer am Philanthropin zu Dessau und errichtete 1793 eine blühende Erziehungsanstalt, die er aber 1801 wieder aufgab, um ganz für die weitere Ausbildung und Ausbreitung der von ihm erfundenen Lesemethode zu leben, die er in Leipzig und Berlin persönlich in mehreren Lehranstalten zur Einführung brachte. Mit Tillich errichtete er 1809 von neuem ein Erziehungsinstitut, das er aber nach einigen Jahren jenem ganz überließ. Im Sommer 1811 kehrte er in die Schweiz zurück und starb 31. März 1815 in Wien. Seine Lesemethode gehört zu den Lautiermethoden, die, von dem durch den Buchstaben bezeichneten Sprachlaut ausgehend, den Buchstaben als Zeichen dieses Lauts erst nachher kennen lehren. Seine bekannteste Schrift ist das "Orthoepographische Elementarwerk etc." (Dess. 1804-1806, 2 Bde.).

2) Heinrich, Maler, Sohn des vorigen, geb. 1783 zu Dessau, genoß mit seinem Bruder Ferdinand zunächst den Unterricht des Malers K. W. Kolbe, ging dann 1804 nach Dresden und Paris und lebte seit 1810 in seiner Vaterstadt, wo auch die meisten seiner durch Anmut der Komposition und Zartheit der Behandlung ausgezeichneten Werke sich teils in Kirchen, teils in Privatsammlungen befinden. Später ging er als Zeichen- und Sprachlehrer nach Berlin, wo er 3. März 1848 starb.

3) Ferdinand, Maler, Bruder des vorigen, geb. 1. April 1785 zu Dessau, machte seine ersten Kunststudien unter K. W. Kolbe, bildete sich seit 1804 zu Dresden und lebte mit seinem Bruder Heinrich 1807-10 zu Paris, wo beide im Auftrag des Herzogs von Dessau für die Kirche zu Wörlitz zwei große Bilder (Taufe Christi und Einsetzung des Abendmahls) im strengen Kirchenstil sowie ein großes Reiterbild Napoleons I. malten. Von Paris ging er nach Wien. Die Resultate seiner dortigen Studien sind eine Reihe historischer Landschaften in Öl und 1823 eine Folge eigenhändig lithographierter Blätter unter dem Titel: "Sieben Gegenden aus Salzburg und Berchtesgaden". Auch hat er damals auf Overbeck, Schnorr u. a. großen Einfluß durch seinen Anschluß an die italienischen und deutschen Meister des Mittelalters geübt. Seit 1833 Professor der Kunstgeschichte an der Akademie zu München und Generalsekretär, malte O. wenig mehr. Er starb 11. Febr. 1841 in München.

4) Woldemar Friedrich, Maler, Bruder der vorigen, geb. 23. April 1791 zu Dessau, war erst Hilfslehrer bei seinem Vater, widmete sich seit 1811 zu Wien unter seinem Bruder Ferdinand der Malerei und nahm 1813 und 1814 am Befreiungskrieg teil. 1814 kehrte er nach Wien zurück, vollendete seit 1818 seine Studien unter Overbeck und Cornelius zu Rom, malte seit 1824 wieder in Wien meist Porträte und ging 1829 nach München, wo er an der Ausführung der Fresken im Königsbau, in den Nibelungensälen und dem Saal der Homerischen Hymnen teilnahm. Besonders bemerkenswert ist seine "Volksbilderbibel in 50 Darstellungen aus dem Neuen Testament" (gestochen von Thäter, Merz u. a., mit Text von G. H. v. Schubert, Gotha 1838; neue Ausg. 1882). Seit 1850 lebte O. in Dessau, mit Unterrichtgeben beschäftigt. Hier schuf er eine Auferstehung Christi (in der Kirche zu Niemeck). Er starb 5. Sept. 1859 in Dessau.

5) Juste Daniel, der populärste Dichter und Schriftsteller der franz. Schweiz, geb. 18. Okt. 1807 zu Eysins im Kanton Waadt, wirkte erst als Lehrer zu Neuchâtel und Lausanne und privatisierte seit 1845, durch bürgerliche Unruhen vertrieben, zu Paris. Hochbetagt kehrte er 1871 in das Land seiner Jugend zurück, wo er bald darauf, 7. Jan. 1876, in Genf starb. O. hat sich durch die Dichtung "Chansons lointaines" (Par. 1847) sowie durch mannigfache Beiträge zur schweizerischen Geschichte und Ethnographie, ganz besonders aber durch seine Novellen, die ihn Rudolf Töpffer ebenbürtig erscheinen lassen, bekannt gemacht. Wir nennen davon: "M. Argent et ses compagnons d'aventure" (1850); "Deux nouvelles" (1854); "Luze Léonard" (1856); "Le pré aux noisettes" (1863); "Sentiers de montagnes" (1875) etc. Eine Auswahl seiner Werke, die zum Teil auch ins Deutsche übersetzt wurden, erschien in 2 Bänden (Lausanne 1879). Vgl. Berthoud, Juste O. (Neuchât. 1880). - Sein Bruder Jean Urbain, geb. 3. Juni 1810, hat sich ebenfalls mit Erzählungen als Schriftsteller bethätigt.

Olivier le Dain (spr. -wjeh lö däng, auch O. le Diable), Günstling König Ludwigs XI. von Frankreich, geboren zu Thielt in Flandern als Sohn eines Bauern, kam an den französischen Hof, wo ihn Ludwig XI. zum Barbier und Kammerdiener ernannte, ihm sein Vertrauen schenkte und ihn zu wichtigen Diensten verwendete. 1477 erhob er ihn zum Grafen von Meulan. Sein Versuch, die Tochter Karls des Kühnen, Maria von Burgund, dafür zu gewin-^[folgende Seite]